Mit unterhaltsamem Genuss Ehrenrettung für den Stopsel in Bad Laer

Servierten ein Traditionsgericht mit Imageproblem: Zum Stopselessen luden KuK-Vorsitzender Klaus-Dieter Weitzel, Birgit Schepers vom Haus Große-Kettler und Historiker Rolf Westheider ein (von links). Foto: Petra RopersServierten ein Traditionsgericht mit Imageproblem: Zum Stopselessen luden KuK-Vorsitzender Klaus-Dieter Weitzel, Birgit Schepers vom Haus Große-Kettler und Historiker Rolf Westheider ein (von links). Foto: Petra Ropers

Bad Laer. Einst kam er Bad Laer regelmäßig auf den Tisch. Doch die Moderne hat den Stopsel weitgehend aus den Speisekarten vertrieben. Das traditionsreiche Gericht litt an einem akuten Imageproblem – bis jetzt.

In einer ebenso unterhaltsamen wie schmackhaften Marketingaktion brachte der Kunst- und Kulturverein (KuK) SOL den Stopsel in Erinnerung und zurück auf die Zunge. Gemeinsam mit dem Bad Laerer Historiker Dr. Rolf Westheider und dem Haus Große-Kettler sprach der KuK die literarisch-kulinarische Einladung aus. Und die Resonanz übertraf alle Erwartungen der Organisatoren.

Das historische Gebäude

Denn die erste aus einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, mit denen der KuK seinen noch relativ neuen Namenszusatz SOL mit regional-kulinarischem Leben erfüllen will, lockte über 50 Gäste in die ehemalige Gaststätte „Goeing’s Kiepe“. Das historische Gebäude am Kirchplatz Bad Laer bildete mit tierisch-humorigen Gemälden von Anja Helfen das passende Ambiente für einen herzhaft-deftigen Saisonabschluss. Schließlich war der Stopsel früher ein reines Wintergericht. Mehr aus Bad Laer

Damit geht es dem westfälischen Regionalgericht nicht anders als dem Grünkohl. Doch während letzterer geradezu Hochkonjunktur hat, sorgt die Bezeichnung Stopsel selbst bei vielen Laerern nur noch für ein ratloses Achselzucken. Zugegeben: Sein Äußeres macht es ihm schwer. Denn das Auge isst bekanntlich mit. Und das erblickte in den Schüsseln, die bewusst bodenständig in „Goeing’s Kiepe“ auf die Tische kamen, einen Fleischbrei von eher undefinierbarer Farbe.

Innere Werte

Doch die inneren – sprich: geschmacklichen – Werte des Gerichtes, das traditionsgemäß mit roter Beete, süß-saurem Kürbis, eingelegten Gurken und Bratkartoffeln gereicht wurde, überzeugten selbst Skeptiker. Zu ihnen zählte der KuK-Vorsitzende Klaus-Dieter Weitzel nicht. Ihm mundete der Brei aus Schweinefleisch, Rindfleisch und Gerstengrütze bereits in seiner Kindheit in Natrup-Hagen – dort allerdings unter dem Namen Stopfgrütze.

Die Bezeichnungen wechseln, die Details der Zubereitung ebenso, wie Rolf Westheider in einem interkulturellen Vergleich herausfand. Was in Bielefeld unter der Bezeichnung Wurstebrei genossen wird, kommt in Bremen mit Hafergrütze als Knipp, in der Lüneburger Heide mit dem Fleisch der Heidschnucken als Heidjer-Knipp, in Herford als Stippgrütze und im Osten gar als „Tote Oma“ auf den Teller.

Imageproblem

Doch unter welchem Namen auch immer: Ein Imageproblem hatten die Variationen der Grützwurst schon früher. „Stopsel galt als Arme-Leute-Essen“, erklärte Rolf Westheider. Bereits Zedlers „Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste“ riet um 1750, die Grützwurst „als gemeine Hausmannskost bei dem Gesinde anzuwenden“. Allerdings könnte die Zahl seiner Liebhaber dank des KuK von nun an rapide ansteigen.

Wer mit ihm aufgewachsen ist, der will den Stopsel ohnehin nicht missen. Denn Heimat, sprach Westheider vielen Gästen aus dem Herzen, geht bekanntlich durch den Magen.


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