Rhein-Sieg-Bahn hat Interesse Halbe TWE-Strecke soll verkauft werden

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Bad Laer. Die TWE AG will 50 Kilometer Eisenbahngleise zwischen Versmold und Ibbenbüren verkaufen. Dieser Schritt könnte der erste zur Stilllegung der nördlichen Hälfte der über 100 Jahre alten Strecke sein, denn der Verkauf findet im Rahmen des „Verfahrens zur Stilllegung einer Schienenstrecke“ nach dem Allgemeinen Eisenbahngesetz statt. Doch es gibt Hoffnung, denn die Rhein-Sieg-Eisenbahn in Bonn hat Interesse an der Strecke.

Einfach stilllegen kann Captrain die Trasse nämlich nicht: Zunächst muss der TWE -Mutterkonzern versuchen, einen neuen Betreiber für die Infrastruktur zu finden. Erst wenn das nicht gelingt und der weitere Unterhalt der Strecke dem Inhaber wirtschaftlich nicht mehr zuzumuten ist, darf er die Strecke schließen.

Rainer Bohnet, Geschäftsführer der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE), bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung Interesse am Erwerb der Trasse. „Wir stehen in Verhandlungen.“ Die RSE plane auf den TWE-Gleisen Güter- und touristischen Zugverkehr. Dass die Politik die Reaktivierung der Strecke unterstütze, sei ein wesentlicher Faktor für ein mögliches Engagement der RSE, sagt Bohnet, selbst gelernter Eisenbahner.

Ende 2011 hatte Kreisrat Winfried Wilkens erklärt, dass der Kreis den festen Willen habe, die Strecke zu erhalten. Entscheidend sei, dass die Trasse nicht stillgelegt und entwidmet werde. Am Donnerstag war Wilkens nicht erreichbar.

Nach eigenen Angaben müsste Captrain auf den 50,6 Kilometern von Versmold über Bad Laer, Bad Iburg, Lienen, Lengerich und Tecklenburg bis Ibbenbüren für einen zukunftsfähigen Güterbetrieb 7,5 Millionen Euro investieren. Dieser Summe stehen nach Captrain-Angaben jährliche Einnahmen von 154 000 Euro gegenüber. Der Aufsichtsrat müsse die Entscheidung zum Verkauf noch in seiner Sitzung im September absegnen, so Sprecherin Romy Mothes.

„Die Aufgabe dieser historischen Strecke ist sehr bedauerlich und stellt für uns eine schwere Entscheidung dar“, erklärt Thomas Kratzer, TWE AG-Vorstand, in einer Pressemitteilung. „Nachdem unsere Anstrengungen der letzten Jahre, neue Verkehre auf die Schiene zu holen, im nördlichen Streckenabschnitt leider keinen Erfolg gebracht haben, lässt uns die wirtschaftliche Situation keine andere Wahl.“

Das Unternehmen wolle sich künftig auf die Entwicklung der südlichen Trasse zwischen Versmold und Hövelhof konzentrieren. Hier setze sich Captrain auch für die Wiederaufnahme des Personennahverkehrs zwischen Verl und Harsewinkel ein.

Da satte Investitionen in Millionenhöhe Euro notwendig wären, verhandeln Captrain und RSE vermutlich gerade über einen negativen Kaufpreis. Die RSE dürfte Geld dafür bekommen, die Strecke zu übernehmen. Dafür muss sie sie dann auch instandhalten und betreiben.

Seit Jahren hat Captrain die Instandhaltung der Strecke nach Meinung von Eisenbahnexperten vernachlässigt, sie verwahrloste. Brückenschäden und Erdrutsche wurden nicht beseitigt, auch der vorgeschriebene Grünschnitt nur sporadisch erledigt. Man könne sich die „Vegetationskontrolle“ nicht leisten. Schließlich hatte Unternehmenssprecher Henrik Wilkening vor einem Jahr erklärt: „Ich möchte die Strecke nicht sterben lassen, aber ich kann sie auch nicht leben lassen.“

Bis zu einem Verkauf oder einer Stilllegung ist Captrain gesetzlich verpflichtet, die Strecke betriebsbereit zu erhalten. Auf seiner Homepage teilt das Tochterunternehmen der französischen Staatsbahn mit: „Es versteht sich von selbst, dass Sie auf unseren Trassen gut und sicher fahren. Instandhaltung, Wartung und Störungsbeseitigung nehmen unsere erfahrenen Infrastruktur-Spezialisten selbst in die Hand. Unverzüglich, sicher und mit ISO 9001:2008 zertifizierter Qualität.“

Josef Högemann vom 2012 in Bad Laer gegründeten Aktionsbündnis pro TWE begrüßt die neue Entwicklung. „Wir haben auf eine Entscheidung gedrängt. Endlich tut sich etwas.“ Vor kurzem habe die Landeseisenbahnaufsicht NRW die Strecke begutachtet. Aufgrund des Instandhaltungsrückstaus müsste Captrain beim Verkauf nun wohl „kräftig in die Tasche greifen“.

Die Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) GmbH wurde 1994 vom Verkehrsclub Deutschland und interessierten Privatpersonen gegründet und beschäftigt acht Mitarbeiter. Sie betreibt vier Lokomotiven und drei Schienenbusse für den Touristikverkehr und betätigt sich als Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen für 250 Kilometer, unter anderem auf den Strecken Rinteln-Stadthagen und Passau-Freyung. Der Jahresumsatz liegt bei etwa zwei Millionen Euro. 2012 hat die RSE mehr als 500000 Tonnen im Güterverkehr von Troisdorf und von Beuel aus transportiert.


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