Slow Food bei Bäcker Meyer Alter Sauerteig und Äpfel aus dem Pfarrgarten Bad Laer

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Laer Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Ein Blech mit Brötchen kurz vor dem Einschub in den Backofen: Bäckermeister Thomas Meyer erklärt seinen Besuchern den wichtigen Schnitt mit dem Messer in die Teigoberfläche. Foto: Horst TroizaEin Blech mit Brötchen kurz vor dem Einschub in den Backofen: Bäckermeister Thomas Meyer erklärt seinen Besuchern den wichtigen Schnitt mit dem Messer in die Teigoberfläche. Foto: Horst Troiza

Bad Laer. Nachhaltigkeit, regionale Zutaten, regionale Verarbeitung – so lautet das Rezept von Slow Food, der Gegenbewegung von Fast Food. Bäcker- und Konditormeister Thomas Meyer aus Bad Laer hatte in Zusammenarbeit mit der lokalen Slow-Food-Gruppe Osnabrück zum Aktiv-Backen eingeladen.

Eine ungewöhnliche Zeit für Bäckermeister Meyer: Morgens um zehn Uhr hat er für gewöhnlich den größten Teil seiner Arbeit getan, aber heute drängt sich ein gutes Dutzend Besucher in seiner Backstube an der Iburger Straße. Sie haben sich für den Aktiv-Backtag gemeldet, den Meyer in Verbindung mit Edgar Klinger vom Slow Food Convivum Osnabrück zur Stärkung des regionalen Gedankens veranstaltet. Die Bäckerfamilie Meyer übt ihr Handwerk bereits in der vierten Generation aus. Heute ist der Betrieb spezialisiert auf Brot, das ausschließlich auf der Basis von Natursauerteig und Backferment hergestellt wird und ohne künstliche Backmittel auskommt. Die Produkte werden auch über das Internet vertrieben.

Nachhaltig hergestellt

„Learning by doing, die Grundprinzipien der Brot- und Brötchenherstellung mit Zutaten aus dem Osnabrücker Land mischen“, erklärt Klinger. Die Teilnehmer sollen sehen, was in einer Backstube vor sich geht, wie sich der Bäcker um lokale und regionale Zutaten für seine Backwaren kümmert und wie groß der Genuss werden kann, wenn man in das fertige, nachhaltig hergestellte Produkt beißt.

Verständlich und humorvoll

Meister Meyer ist wie geboren für diesen Termin. Verständlich und humorvoll schildert er seinen Zuhörern, welches Mehl in welchen Anteilen in die Müsli- und Kürbiskernbrötchen gehört, die heute als Demonstrationsobjekt in den Ofen kommen, welche biochemischen Prozesse im Teig ablaufen, woher die Zutaten kommen. Wie etwa der Honig, den er von Reinhard Lepper aus Remsede bezieht, oder wo er die Äpfel bekommen hat. „Die habe ich gemopst, aus dem Garten der evangelischen Kirche nebenan“, lacht er schelmisch, um aber gleichzeitig zu versichern, dass dieser Diebstahl mit Wissen der örtlichen Geistlichkeit geschehen ist und deshalb genau genommen gar kein Diebstahl, auf jeden Fall aber vergeben ist.

Jetzt auch zu Hause

„Ich bin begeistert, wie viel Wissen hier vermittelt wird. Der Vormittag macht mir richtig Spaß“, versichert eine Teilnehmerin aus Westerkappeln. Nacheinander zieht es alle Hobby-Bäcker zum Waschbecken, wo sie sich die Teigreste von den Händen waschen. Eine Frau aus Bad Rothenfelde nickt und sagt, dass sie das Gelernte nun auch zu Hause ausprobieren will.

Schön knusprig

Währenddessen verrät der Bäckermeister einen Trick. „Wenn die Brötchen in den Ofen kommen, in die Schiene darunter ein Backblech schieben und zwei Schnapsgläschen heißes Wasser darauf gießen, das gibt eine lockere Krume und eine schöne Kruste.“

Sauerteigstamm

Schließlich führt er seinen Besuchern noch seinen Sauerteigstamm vor. Seit 35 Jahren gibt es ihn schon, Tag für Tag wird er benutzt und durch Zugabe von Mehl und Wasser für den Backgang am nächsten Tag verlängert. Das sogenannte Anstellgut wäre noch 100 Jahre älter, doch der von seinem Urgroßvater angesetzte Sauerteig wurde vor 35 Jahren verunreinigt, als einem Lehrling eine Cola in den Bottich fiel und der Teig neu angesetzt werden musste. Auch dieser „junge“ Sauerteigstamm hat seine Fans. Als Meister Meyer fragt, wer etwas davon mit nach Hause nehmen möchte, um selbst einen Stamm anzusetzen, hebt jeder der Besucher den Arm in die Luft. Tradition hat eben seine Bewunderer – und Slow Food sicherlich nun einige Anhänger mehr.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN