Güterverkehrsspezialist Lappwaldbahn verhandelt über TWE-Trasse

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Laer Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bad Laer/Bad Iburg. Nach der Rhein-Sieg-Eisenbahn gibt es einen neuen Kaufinteressenten für die 51 Kilometer Gleise der Teutoburger-Wald-Eisenbahn zwischen Ibbenbüren und Versmold. Die auf Güterverkehr spezialisierte Lappwaldbahn Service hat Interesse an den Schienen, die auch Bad Laer und Bad Iburg kreuzen. Das berichtet das Bad Laerer „Aktionsbündnis pro TWE“.

Mit einer Entscheidung rechnet Lappwaldbahn-Geschäftsführer Kai Ebert im Sommer, wie er am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion sagte. Die Lappwaldbahn Service GmbH (LWS) mit Sitz im sachsen-anhaltischen Oebisfelde zeigt sich selbstbewusst. „Wir sind bundesweit aktiv und haben Erfahrungen mit ähnlichen Infrastrukturen.“ Nach Gesprächen mit den Landkreisen Steinfurt, Gütersloh und Osnabrück und TWE-Mutter Captrain verhandle LWS nun mit sehr großen Verladern in NRW und Niedersachsen. Das Ziel ist klar: „Wir beabsichtigen, die Strecke durchzusanieren und Güterverkehr laufen zu lassen. Das heißt aber nicht, dass hier keine touristischen Züge fahren können“, blickt Ebert in die Zukunft.

Übernehme die LWS die Trasse, habe das den Vorteil, dass der fast politische Konflikt zwischen der deutschen DB Schenker und Captrain, einer Tochter der französischen Staatsbahn, passé sei. Dass die Verhandlungen mit dem ersten Interessenten, der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE), bisher nicht gefruchtet haben, wundert Ebert nicht. „Die RSE hat festgestellt, dass es allein mit Personenverkehr nicht geht.“ Ende November vergangenen Jahres hatte die TWE bekannt gegeben, dass sie die Trasse verkaufen will.

Und der Preis? Während der Verhandlungen mit RSE war hinter den Kulissen von einem negativen Kaufpreis die Rede. Die TWE hätte also Geld bezahlen müssen, um die ungeliebte Strecke loszuwerden. Ebert von der LWS sagt dazu kaum verklausuliert: „Der Voreigentümer ist seiner Pflicht nachweislich nicht nachgekommen und will sich ihr nun entledigen. Das ist meistens mit einem monetären Aufwand verbunden.“ Pflicht war die Instandhaltung der Strecke, die inzwischen in Teilen nicht mehr befahrbar ist.

Das „Aktionsbündnis pro TWE“ hatte die Weiche zur LWS gestellt. Schon bald nach einem Gespräch in Weferlingen habe sich die LWS um die Übernahme der TWE-Nordstrecke beworben.

Die Lappwaldbahn GmbH (LWB) wurde 1997 gegründet und ist seit 1998 als Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) im Personen- und Güterverkehr auf dem nationalen und internationalen Markt mit Eisenbahnverkehrsleistungen aktiv. Im Jahr 2000 übernahm sie die öffentliche Eisenbahninfrastruktur zwischen Haldensleben und Weferlingen, eine 30-Kilometer-Strecke, und die Betriebsführung der Stichstrecke Süplingen-Dönstedt. Ein weiterer Meilenstein sei die Übernahme der völlig maroden, 18 Kilometer langen Trasse zwischen Helmstedt und Weferlingen gewesen. Neun Jahre später wurde die LWS als reines Eisenbahninfrastrukturunternehmen gegründet und übernahm die LWB. In den Folgejahren habe die LWS ihre Strecken grundlegend saniert. Für technische Serviceleistungen entstehe derzeit in Weferlingen eine hochmoderne Fachwerkstatt, heißt es aus Sachsen-Anhalt.

Der Landkreis Osnabrück begrüßt die Gespräche der Lappwaldbahn mit Streckeneigentümer Captrain. Das Beispiel der ursprünglich interessierten, aber inzwischen ausgestiegenen RSE zeige, „dass es sich um ein technisch, betrieblich und finanziell anspruchsvolles Thema handelt“. Mit der LWS wolle man intensiver reden, wenn diese ihre Gespräche mit Captrain und die Bestandsaufnahme der Strecke weitergeführt habe, heißt es aus dem Kreishaus.

Das „Aktionsbündnis pro TWE“ freut sich, einen „kompetenten und erfahrenen Partner gefunden zu haben, der die TWE-Strecke in eine neue, erfolgreiche Zukunft führen kann“, so die Eisenbahnfreunde.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN