Ruhestand mit vollem Terminkalender Pastor Keding verabschiedet sich aus Bad Laer und Glandorf

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Kunst in der Kirche, Leidenschaft für Ökumene und viele musikalische Akzente: Nach Jahren engagierten Wirkens verabschiedet sich Pastor Reinhard Keding aus Bad Laer und Glandorf. Foto: Petra RopersKunst in der Kirche, Leidenschaft für Ökumene und viele musikalische Akzente: Nach Jahren engagierten Wirkens verabschiedet sich Pastor Reinhard Keding aus Bad Laer und Glandorf. Foto: Petra Ropers

Bad Laer. Sein Terminplan für die ersten Tage des neuen Jahres ist voll: Am Samstag, 3. Januar, lädt Pastor Reinhard Keding zu einem Benefizkonzert mit festlicher Barockmusik ein. Am Sonntag, 4. Januar, feiert er seinen Abschied aus dem pastoralen Dienst in der evangelischen Kirchengemeinde Bad Laer-Glandorf. Und schon am nächsten Morgen packt er seine Koffer für einen Flug auf die andere Seite des Äquators.

Ruhestand? Der Terminus scheint schlecht gewählt. Denn Ruhe gönnt sich Reinhard Keding nicht. Stattdessen engagiert er sich vier Monate lang in jenen afrikanischen Gemeinden , in denen in den 70er-Jahren sein geistliches Wirken begann. Zwölf Jahre lang arbeitete er in Südafrika, wechselte 1989 für vier Jahre nach Deutschland und kehrte dann auf den heißen Kontinent zurück. In Namibia leitete er zuletzt als Bischof die deutschsprachige Kirche.

Doch 1993 zog es ihn zurück – nach Deutschland und in den unmittelbaren pastoralen Dienst. Er habe nach einem kleinen Ort gesucht, an dem er sich allein als Pastor der Gemeinde widmen konnte, erinnert sich Keding. Bad Laer mit seiner schönen, hellen Kirche habe ihm sofort gefallen: „Es gab keine festen Vorgaben, kein ,Das war schon immer so!‘“ Stattdessen traf er auf offene Türen und auf eine Gemeinde, die sich gerne anstecken ließ – vom Geist der Ökumene etwa.

„Die Zukunft des Christentums liegt im gemeinsamen Bekenntnis“, ist Keding überzeugt. Gemeinsame Wege zu finden war und ist für ihn deshalb eine Herzensangelegenheit. In Bad Laer habe er dazu bereits kleine Ansätze wie den Ökumenischen Chor vorgefunden. Inzwischen sind dank der engen Zusammenarbeit mit Pfarrer Ulrich Müller in Glandorf und Pfarrer Maik Stenzel in Bad Laer vielfältige Früchte gewachsen.

Ökumenische Gottesdienste zu Pfingsten und Weihnachten, Jugend- und Adventsaktionen und natürlich „Das Chörchen“ von Bad Laer, in dem beide Pastoren mitsingen, sorgen dafür, dass der ökumenische Geist bewusst wahrgenommen wird. Das spontane Angebot von Pfarrer Maik Stenzel, wegen der zu erwartenden Gästezahl den Abschiedsgottesdienst in der größeren katholischen Kirche abzuhalten, ist ein weiteres Zeichen der gelebten Ökumene.

Dort findet am Abend zuvor auch das Benefizkonzert statt, in dem sich Reinhard Kedings Liebe zu Afrika mit seiner Begeisterung für die Musik verbindet. „Durch Kirchenmusik kann man Menschen bewegen, die man sonst nicht erreichen würde“, stellte er immer wieder fest und setzte deshalb im Laufe der vergangenen Jahre vielfältige klangvolle Akzente. In der Dreifaltigkeitskirche fand zudem auch die Kunst ihren Platz.

Die Verbindung von Kirche und Kultur sieht Keding dabei als Teil einer langen, protestantischen Tradition: „Das macht die Kirche lebendig!“ Große Bedeutung kam im Rahmen seiner pastoralen Tätigkeit auch dem Engagement für die jüngsten Gemeindemitglieder zu. „Die Vernetzung zwischen Kirchengemeinde und Kindergarten war mir immer sehr wichtig“, betont der scheidende Pastor, der gemeinsam mit den Kindergärten auch die Initiative für das erste Bad Laerer Kulturfest ergriff.

Ohnehin macht das Bestreben für ein Miteinander nicht an den Kirchentüren halt. Das zeigte sich bereits bei der Renovierung der Dreifaltigkeitskirche, für die eine Vielzahl von Spenden von allen Seiten einging – auch von der katholischen Kirchengemeinde. „Das habe ich immer gewollt: Die Gemeinde aufzubauen und dann alles schön zu machen“, verriet Keding beim Abschluss der Renovierungsarbeiten. Nun legt er die Verantwortung für die Kirchengemeinde in andere Hände.

Bereits in den vergangenen Wochen wirkte er dabei gemeinsam mit seinem Nachfolger Stephan Jannasch auf einen harmonischen Übergang hin, der mit seinem Abflug nach Afrika seinen Abschluss findet. Allerdings verabschiedet sich Reinhard Keding nur vorübergehend aus Bad Laer. Denn der Rückflug ist bereits terminiert.

Von Ruhestand kann allerdings auch danach keine Rede sein: „Ich suche mir schöne Orte aus, um als Pastor Urlaubsvertretung zu machen.“ Und dann ist da natürlich noch die Musik.

Der Posaunenchor Hilter kann sich jedenfalls schon jetzt auf ein neues Mitglied freuen.


Der Abschiedsgottesdienst von Pastor Reinhard Keding findet am Sonntag, 4. Januar, ab 15 Uhr in der Kirche St. Mariä Geburt statt. Anschließend wird zum Empfang ins Haus des Gastes eingeladen. Am Vorabend erklingt ab 19.30 Uhr ebenfalls in der katholischen Kirche festliche Barockmusik in einem Benefizkonzert zugunsten des Projektes Hephata in Namibia. Die offizielle Amtseinführung von Pastor Stephan Jannasch folgt am Sonntag, 15. Februar, um 15 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche.

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