Fundsachen mit Rädern gefragt Bad Laer: Angebot bei Fund-Versteigerung schrumpft

Von Achim Köpp


Bad Laer. „Die Leute geben nicht mehr alles ab, was sie finden“, urteilt Maria Bramert. Die Sachbearbeiterin im Bürgerbüro versteigert seit Jahren Fundsachen für die Gemeinde Bad Laer im Rathaus und steht gemeinsam mit ihrer Kollegin Marlies Schowe hinter dem Tisch im Sitzungssaal, auf dem gerade mal 30 Einzelteile liegen. „Vor Jahren“, weiß Bramert, „waren es immer viel mehr, vor allem auch wertvollere Dinge, die werden nun wohl oft behalten.“ Jetzt findet sich für 19 Sachen kein Interessent.

Alle Fundsachen befinden sich seit einem halben Jahr im Rathaus und wurden entweder von den Findern oder auch von ehemaligen Besitzern in dieser Zeit nicht abgeholt. Jetzt ist die Karenzzeit abgelaufen, und sie werden zugunsten der „allgemeinen Verwaltungskosten“ der Gemeinde versteigert. Wie auch später draußen auf dem Rathaushof alles, was zwei, drei oder sogar vier Räder hat und auch nicht in den Saal passt.

Gerade mal ein gutes Dutzend Interessenten hat sich zu früher Stunde im Sitzungssaal eingefunden und nimmt das Angebot vor der Versteigerung in Augenschein. Ein Ring, der nach Silber aussieht, wird von einem jungen Mann unter der Lupe begutachtet, ein anderer Interessent befühlt eine Handytasche mit Inhalt, für die er später für 3,50 Euro den Zuschlag bekommt. Das gleiche Samsung-Handy habe er bereits, sagt der Mann, der seinen Namen nicht nennen will, lediglich die Tasche habe er ersteigern wollen. Der Ring aber bleibt liegen.

Ein weiteres Handy geht für 50 Cent weg, ebenso ein Taschenschirm, ein Fingerring bringt zwei Euro, eine kleine Damen-Armbanduhr einen Euro und ein nach Gold aussehender Ring sogar fünf. Eine Kinder-Wollmütze bleibt liegen wie diverse Brillen, die sich Bieter jedoch zuvor auf die Nase setzten. Die Fleecejacke für Kinder wird von Maria Bramert zu 4,50 Euro an den Mann gebracht, der wohl angesichts der späten Jahreszeit an den Winter denkt.

Draußen auf dem Hof versteigert Markus Voß vom Ordnungsamt Fund-Fahrzeuge. Vom Fahrrad über Kinderroller, Kindertrettrecker bis hin zum Motorroller wird alles interessiert begutachtet. Hier herrscht deutlich mehr Andrang als zuvor bei dem Kleinkram drinnen. Sogar eine lange Leiter ist im Angebot, das Voß im Beisein des stellvertretenden Bürgermeisters Jens Giesker vorstellt. Wieder führt Marlies Schowe Buch über die erzielten Gelder. Sie legt jedem erfolgreichen Bieter die Liste zur Unterschrift vor, denn bei einem Fahrrad muss festgehalten werden, wer es ersteigert hat.

Gut 20 Drahtesel stehen zur Versteigerung bereit. Doch man fragt sich, woher sie stammen. „Zum Teil“, erklärt Marlies Schowe, „werden sie von der Polizei hier abgeliefert, weil sie aus Diebstählen stammen und sich kein Eigentümer feststellen lässt. Andere werden einfach irgendwo abgestellt, weil man sie loswerden will, oder wieder andere werden genommen, um vom Fest mangels anderer Möglichkeiten schnell nach Haus zu kommen.“

Eine junge Familie aus Bad Laer hat sich unter die Interessenten gemischt und verfolgt aufmerksam das Geschehen. Peter Höhn ist mit Ehefrau Monique und der anderthalb Jahre jungen Mayla gekommen und hat zunächst ein Auge auf ein Mountainbike geworfen, das allerdings mit kleinen Mängeln behaftet ist. „Kein Problem“, sagt der 29-Jährige, der – wie auch Ehefrau Monique – bislang kein Fahrrad besitzt, „ich bin Schlosser und kann das alles selbst reparieren.“

Am Ende gehören ihm ein Mountainbike, ein Alu-Geländerad, ein Damenrad und auch der Trettrecker für die kleine Mayla – alles zusammen für 35 Euro, echte Schnäppchen also. Während sich für den maroden Motorroller niemand interessiert, sind hier schließlich alle Räder an die Frau oder den Mann gebracht. Das Konto „Allgemeine Verwaltungskosten“ erhöht sich auf der Habenseite um mehrere Hundert Euro.