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03.11.2014, 16:30 Uhr MODERNER FARBVERLUST: EIN KOMMENTAR

Auch in Bad Laer Trend zu unabhängigen Bürgermeistern

Kommentar von Stefanie Adomeit

Franz Vollmer an seinem neuen Arbeitsplatz. Foto: Jörn MartensFranz Vollmer an seinem neuen Arbeitsplatz. Foto: Jörn Martens

Bad Laer. In diesem Spagat holt sich manch einer eine schmerzhafte Zerrung. Da kandidiert man als Bürgermeister für CDU oder SPD. Mit starkem Apparat, einer ebensolchen parteipolitischen Überzeugung und einem satten Budget im Rücken wahlkämpft es sich leichter.

Dann kommt der entscheidende Tag und – es klappt. Als Schwarzer oder Roter ziehen Sie ins Rathaus ein – und müssen bei jedem Schritt hinauf ins Bürgermeisterbüro mindestens eine politische Farbnuance verlieren. Vornehme Blässe ist erwünscht.

Denn auf kommunaler Ebene geht es selten (direkt) um parteipolitische Antworten: Wie hoch darf der Kita-Beitrag werden? Brauchen wir ein neues Rathaus? Bei solchen Fragen gilt es, Sachverstand walten zu lassen und parteipolitische Neutralität zu wahren, ohne die früheren Mitstreiter zu verärgern oder die Bürger zu vergrätzen. Gar nicht so einfach.

Was braucht ein Bürgermeister also? Fachwissen und soziale Kompetenz. Rücksicht auf Partei- oder Fraktionsinteressen, um nicht zu sagen -zwänge, mag der Bürger nicht.

Seit Jahren geht der Trend deshalb zu unabhängigen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern – jetzt auch im Südkreis. Ob Heuwelmann, Niermann oder nun Vollmer: Vielerorts sind die Bürger der parteipolitischen Ränke müde. Den Kandidaten, dem sie nicht zutrauen, sich von denen freizumachen, denen er nach dem Parteibuch nahesteht, wählen sie erst gar nicht. Inzwischen ist ein gutes Drittel der direkt gewählten Hauptverwaltungsbeamten Niedersachsens parteilos. Der Wähler will zu Hause vieles – nur kein Parteiengezänk.


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