Holger Richard geht Stiller Abgang von Bad Laers Bürgermeister

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sta/asp Bad Laer. Mit dem Slogan „Holger Richard, ein Mann aus Bad Laer“, wurde der damals 28-Jährige zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister des Kurortes gewählt. Heute räumt er sein Büro im Rathaus. Zum Gespräch kam es nicht, deshalb ein Blick ins Archiv. Das Ergebnis sind 17 Jahre Bad Laerer Geschichte in Auszügen.

1997 Mit 61 Prozent setzt sich Student Holger Richard (UWG) gegen drei Konkurrenten durch und löst August (den Starken) Knemeyer ab.

1998 Richards Eindruck nach 100 Tagen: „Was man braucht, ist ein dickes Fell.“

Die Kurklinik Blomberg-Klinik ist pleite.

Mit CDU-Mehrheit steigt Bad Laer in die Planung für ein Industriegebiet im Müschener Süden ein.

1999 Das Projekt „Ökologischer Kurort“ endet.

Bürgerproteste gegen das Gewerbegebiet in Müschen. Später lehnt auch die Bezirksregierung die Pläne ab.

2000 Osningschau.

2001 Das Kurmittelhaus wird saniert.

Die CDU büßt in der Kommunalwahl ihre absolute Ratsmehrheit ein.

2002 Die SPD beantragt wegen der Vergabe eines Tourismus-Gutachtens an die Firma Krups Consultants ein Disziplinarverfahren gegen Richard. Der Rat lehnt ab.

2003 Streit ums Ehrenmal: In einem zweiten Beschluss votiert der Rat für das Wiederanbringen der Worte „Bis in den Tod getreu“.

Eine Kurortstudie bescheinigt Bad Laer beste Leistungen und Produkte.

Neue Mehrheiten im Rat: Die UWG-Flüchter Wellmeyer und Strautmann schließen sich mit der CDU zusammen.

2004 Bad Laer reüssiert zum dritten Mal im Wettbewerb „Ab in die Mitte“.

Der Verkauf des Kurmittelhauses an Wolfgang Hasselmann platzt, das Gesundheitszentrum wird Pächter.

2005 Richard tritt aus der UWG aus, um als parteiloser Kandidat bei der Wahl 2006 zu kandidieren. CDU und UWG bilden eine Gruppe im Rat.

Das Baugebiet Springhof sucht Käufer. Quadratmeterpreis: bis 185 Euro.

Für die Ganztagsbetreuung in Haupt- und Realschule gibt es 1,9 Millionen Euro.

2006 Der alte Bahnhof wird bebaut.

Richard macht seinen Magister-Abschluss.

Umgestaltung von Thieplatz und Paulbrink für 660000 Euro.

Richard setzt sich CDU-intern gegen Antonius Reckwerth durch, siegt in der Bürgermeisterwahl mit 81,7 Prozent gegen Peter Frömberg und tritt in die CDU ein.

2007 Im Ländervergleich der Heilbäder fällt Bad Laer von Platz 20 auf 32 zurück.

2008 Diskussion um Gewerbegebiet Meggerhoff. Am Ende setzen sich die Befürworter durch.

2009 Masterplan für die Heideseen vorgestellt.

Westumgehung und Nordtangente sind fertig. „Diese Straße hat Spaß gemacht“, urteilt der Bürgermeister.

2010 Widerstand gegen einen Recyclinghof an den Heideseen.

2011 Kommunalwahl: Sensationeller Sieg für die neue BBL, Schlappe für die CDU, Nebenrollen für SPD, FDP und Grüne, die sich zur Ampel zusammenschließen.

Am Ende der Legislaturperiode nimmt der Rat den Beschluss zum Rathausteilneubau zurück und wendet ein von Grünen und FDP initiiertes und von den BBL unterstütztes Bürgerbegehren ab.

Richtfest für die Oberschule. Für 5,3 Millionen Euro entstehen nach drohendem Einsturz hochmoderne Klassenzimmer.

2012 Bad Laer schafft eine Stelle für „Public Affairs“.

2013 Schließung der Grundschule Remsede, emotionale Proteste der Bürger gingen voraus

2014 Zweiter Bauabschnitt der Ortskernsanierung ist abgeschlossen.

Bad Laer wählt Franz Vollmer (BBL) mit 66 Prozent zum Bürgermeister.

Richtkranz über dem Solevital nach langen Diskussionen in Rat und Bürgerschaft. Baukosten: knapp 10 Millionen.

Die Pläne für den Recyclinghof in Hardensetten werden wieder aufgenommen.


Das sagen die Fraktionen

CDU: „Holger Richard hat Bad Laer mit Augenmaß und Weitsicht ins nächste Jahrtausend geführt. Von seinem zukunftsorientierten Wirken wird Bad Laer noch über Jahrzehnte profitieren. Als ehrlicher, fairer und bescheidener Arbeiter für unsere Interessen wird er der Gemeinde Bad Laer fehlen. Wir werden schnell sehen, welche großen Fußstapfen er hinterlässt.“

Bad Laerer Ampel: „Holger Richards Arbeitsweise war geprägt von seiner klugen, sachlichen Art, die Themen und Probleme der Gemeinde zielorientiert und effizient anzupacken. Mit dem Blick auf unsere Gemeindeentwicklung hat er viele Projekte, unter anderem den Erlebniskurpark, die Reprädikatisierung als Kurort, den erfolgreichen Neubau der Geschwister-Scholl-Oberschule sowie nicht zuletzt die erfolgreiche Kehrtwende nach der Schließung der Blomberg-Klinik, zukunftsorientiert und erfolgreich unter Berücksichtigung der gewachsenen Strukturen umgesetzt. Ein professioneller Umgang mit uns Ratsmitgliedern sowie eine gute Vernetzung mit übergeordneten Behörden und Ansprechpartnern trugen zum Erfolg seiner Amtszeit bei, welche die Gemeinde positiv beeinflusst haben. Das Wahlergebnis spiegelt nicht die geleistete Arbeit von 17 Jahren wider. Wir danken ihm für diese geleistete Arbeit, die positiv mit der Weiterentwicklung unserer Gemeinde verbunden sein wird, und wünschen ihm beruflich wie persönlich alles Gute.“

Bürger für Bad Laer: „Die Zusammenarbeit in den fast drei Jahren Ratsarbeit ist als höflich und distanziert zu bewerten. Anfragen wurden stets und vollständig in korrekter Politikermanier beantwortet.“

Das sagen die Nachbar-Bürgermeister:

lrich Rüter, Vertreter des Hilteraner Bürgermeisters:

„Auch in der GemeindeHilter schätzt man die sachliche und ergebnisorientierte Arbeit von Holger Richard. Immerhin haben drei Bürgermeister aus Hilter vertrauensvoll mit ihm zusammengearbeitet. Auch die Südkreisregion wäre ohne ihn nicht in dieser Form zusammengewachsen. Ulrich Rüter, allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters, wünscht Holger Richard für die private und berufliche Zukunft das Allerbeste. “

Hartmut Nümann, Dissen: „Den Kollegen Holger Richard kenne ich seit seinem Amtsantritt vor 17 Jahren. Ich habe ihn stets als fach- und sachkundigen Kollegen wahrgenommen, der im Übrigen seine Verwaltung zukunftsfähig gemacht hat.“

Magdalene Heuvelmann, Glandorf: „Wie Sie ja wissen, bin ich erst seit kurzer Zeit im Amt der Bürgermeisterin, deshalb bleibt mir nur an dieser Stelle, von Seiten der Gemeinde Glandorf Holger Richard für seine Zukunft herzlich alles Gute zu wünschen!“

Annette Niermann, Bad Iburg: „Meine gemeinsame Zeit mit Holger Richard betrug sieben Monate. In dieser Zeit hatten wir nur wenig Berührungspunkte, sodass ich zu einem gemeinsamen Wirken mit ihm als Kollege keine Aussage machen kann. Als Bürgerin des Südkreises finde ich die Innenstadtentwicklung von Bad Laer richtig gut gelungen. Auch die Gestaltung rund um den Glockensee findet großen Anklang, das höre ich von vielen Seiten. Für seine Zukunft wünsche ich ihm alles Gute und interessante neue Aufgaben.

Klaus Rehkämper, Bad Rothenfelde: ist in Urlaub.

Das sagen die Bürger:

Helga Bäumchen, 63: „Vor gut sechs Jahren sind wir aus Sassenberg hierher gezogen und ich muss sagen: Ich kenne Holger Richard kaum. Ich habe ihn wohl mal gesehen, aber er ist kein Bürgermeister zum Anfassen gewesen. Ich finde, ein Bürgermeister muss auf die Bürger zugehen – gerade in so einem kleinen Ort wie Bad Laer.“

Josef Kleine Albers, 72 (links): „Dass Herr Richard viel in Bad Laer geleistet hat, steht außer Frage. Dass man ihn bei der Wahl so abgestraft hat, finde ich nicht gut. Dem neuen Bürgermeister wünsche ich viel Erfolg und eine gute Zusammenarbeit im Rat.“

Georg-Friedrich Schneider, 79: „Mit dem Umzug von der Stadt Bad Iburg in die Gemeinde Bad Laer ist vieles kleiner, aber nicht automatisch nahbarer geworden: „In Bad Iburg habe ich als Bürger damals einen Radweg angeregt und direkt Antwort bekommen“, erinnert sich Georg-Friedrich Schneider an den ehemaligen Stadtdirektor Heinz Köhne. „In Bad Laer warte ich heute noch“, sagt er. „Bürgernähe habe ich wenig gespürt.“

Ellen Gartfelder, 29: „Holger Richard war ein gerechter Bürgermeister. Bei Feierlichkeiten habe ich ihn mal gesehen, im Kindergarten aber nie. Für die Politik in Bad Laer wünsche ich mir, dass der Blick noch stärker auf Familien gerichtet wird. Gerade beim Wohnraum gibt es da Defizite.“

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