Mit Musik und Marmorkieseln Im Keller steckt die Kohle: Solevital-Neubau in Bad Laer im Plan

Von Stefanie Adomeit


Bad Laer. Im Keller steckt die Kohle – im neuen Solevital gleich doppelt: Mehr als ein Drittel der zehn Millionen Euro Baukosten muss Bad Laer für das ausgeben, was der Gast gar nicht wahrnimmt: die Bädertechnik. Und die setzt unter anderem auf Marmorkiesel und Aktivkohle.

Aber bleiben wir erst mal über NN, schlendern durchs Foyer, gucken in die Therapieräume, den Wellnessraum und die Solebecken. Mit einem himmelblauen Fußboden will Bad Laer seine Badegäste künftig empfangen – kein Zufall, sondern Teil eines Farbkonzepts fürs gesamte Solevital . „Da finden Sie überall die Farben des Bad Laerer Logos wieder“, sieht Projektsteuerer Heiko Büthe die Zukunft dunkelblau, hellblau und türkis. Der Bielefelder kümmert sich um Ausschreibungslenkung, Kosten- und Terminmanagement.

Geradeaus ist ein Raum mit Fenster zum runden Solebecken abgetrennt, gedacht zum Ankommen und Eingrooven auf die Entspannung. Noch in Straßenkleidung kann man hier ersten Abstand vom Alltag gewinnen. Flankierende Maßnahmen: Farbspiele und beruhigende Musik.

Von den Sphärenklingen ist aber noch nichts zu hören. Bässe wummern durch den Rohbau. „Wir haben eine sportliche Bauzeit , Ende Dezember muss das neue Solevital benutzungsfertig sein.“ Da können muntermachende Beats nur helfen.

Das erste der beiden Therapiebecken ist 1,35 Meter tief, passend zum Trainieren im Stehen. Im Zentrum des kompakten Baus liegen die Umkleiden, Sockel für die Schränke sind schon gegossen, rechts die Therapieräume: Flatternde Vorhänge und die unfreiwillige Teilhabe am Lamento des Kabinennachbarn über eingewachsene Zehennägel sind passé. Tür zu. Ruhe.

„In zwei Wochen wird der Hubboden ins zweite Becken eingebaut“, kündigt Büthe an. Damit lässt sich der Beckenboden vom Nullpunkt bis in drei Meter Tiefe absenken. Die kühlweißen Fliesen mit dunkelblauem Rand sind „Pflicht, damit niemand gegen die Beckenwand schwimmt“, erklärt Heiko Büthe. Für Menschen mit Handicap gibt es Beckenhublifte. Vor der Tür sollen Grünflächen und eine Terrasse angelegt werden. Später dürfen Badegäste die Sportmatten auf dem Grün ausrollen. Büthe: „Die Gartenarbeiten beginnen zeitgleich mit der Fassadenverkleidung im Alu-Look.“

Salzgeschwängerte Luft wabert ab Januar durch den Wellnessraum. In der Mitte ein Soleregen – wie eine warme Meereswoge von oben – Dampfbad, Salzstollen und heiße Steine, das Ganze untermalt von psychologisch fundierten Farbspielen. Rot regt an, blau beruhigt: Hier wird es schwül – eine Etage tiefer sachlich, technisch, teuer: Im Keller zeigen sich die Becken von unten. Filter, Lüftungsanlage und Wasseraufbereitung sind nach einem 3-D-Plan verlegt worden. „In diesen blauen Behältern gleichen wir den pH-Wert des Wassers durch Marmorkiesel aus. Der Filter für das Schwallwasserbecken, das Wasser, das über die Beckenrinne schwappt, besteht aus Tausenden Membranen und arbeitet wie die menschliche Lunge mit einer großen Oberfläche. „Sie sehen“, sagt Heiko Büthe, „hier unten steckt das Geld“. Ist das ausgegeben und der Bau fertig, ziehen Personal und Geräte aus dem alten Kurmittelhaus, für das sich die Abrissbirne schon einschwingt, ins neue Solevital.

Das Soletherapiebad samt seiner Umkleiden bleibt . Ob vorerst oder dauerhaft, sei noch offen . Büthe: „Der Fördergeber hat eine Doppelnutzung ausgeschlossen. Wir wissen jetzt noch nicht, was mit dem Bad geschehen soll.“