Marianne Plogmann im Interview Grundschule am Salzbach in Bad Laer wächst

Von Anne Spielmeyer

Marianne Plogmann, Schulleiterin der Grundschule am Salzbach in Bad Laer. Foto: Thomas OsterfeldMarianne Plogmann, Schulleiterin der Grundschule am Salzbach in Bad Laer. Foto: Thomas Osterfeld

Bad Laer. Die Zwergschule in Remsede ist seit einem Schuljahr geschlossen. Seitdem pilgern alle jungen Schüler aus Remsede und Bad Laer in die Grundschule am Salzbach. Ingesamt 386 Schüler werden hier im neuen Schuljahr 2014/2015 unterrichtet. Schulleiterin Marianne Plogmann erzählt, wie aus dem anfänglichen Ausnahmezustand langsam Alltag wird.

Frau Plogmann, platzt Ihre Schule nun aus allen Nähten?

Nein, das nicht. Aber es ist merklich voller geworden, wir mussten zusammenrücken. In diesem Schuljahr wäre die Grundschule am Salzbach im ersten Schuljahr fast fünfzügig geworden. Um alle Schüler vernünftig unterzubringen, nutzen wir ehemalige Fachräume als Klassenzimmer , zum Werken weichen wir zum Beispiel auf die Fachräume der Oberschule in Bad Laer aus. Gegenseitige Hilfe ist für beide Schulen selbstverständlich. Und Not macht erfinderisch.

Sehen die Lehrer das auch so?

Wir sind im vergangenen Jahr mit den „alten“ Kollegen aus Laer und den „neuen“ aus Remsede als Team sehr gut zusammengewachsen. Die Lehrer aus Remsede fühlen sich sehr gut aufgenommen, sagen sie. Auch wenn sie sich umstellen mussten und nicht mehr jede Absprache auf dem kurzen Dienstweg funktioniert. Neue Ideen aus Remsede, etwa das Patensystem, in dem sich verstärkt Viertklässler um die neuen Erstklässler kümmern, werden wir im neuen Schuljahr übernehmen.

Gibt es Fronten zwischen den Schülern – Remseder gegen Bad Laerer?

In den unteren Klassen wurden die Schüler von Schuljahresbeginn an gemischt. Es sind neue Freundschaften entstanden, die über den Schulhof hinausreichen. Die Kinder treffen sich auch am Nachmittag zum Spielen. Fronten nehmen wir nicht wahr, höchstens zwei Lager beim Fußballspielen auf dem Schulhof. Dann heißt es: Remsede gegen Bad Laer. Aber das ist spielerisch, und es gilt „Fair Play“.

Hatten die Kinder aus der Zwergschule Probleme bei der Umstellung?

Manchen Kindern ist die Umstellung schwergefallen. In Remsede wurden Erst- und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet. An unserer Schule ist das nicht der Fall. Deshalb wird zum Beispiel in der dritten Klasse, wenn es erstmals Noten gibt, der Leistungsdruck stärker empfunden. Die Umstellung haben vor allem die Kinder gemerkt, denen ein kleines System beim Lernen hilft.

Also leiden die Schwächsten?

Wir versuchen, die Kinder, die besonders viel Aufmerksamkeit brauchen, so gut es geht zu stärken, und es ihnen leicht zu machen. Natürlich sind große Systeme nicht so familiär und fordern mehr Stringenz. Durch die Zusammenführung hatten wir im vergangenen Schuljahr aber auch zwei Integrationsklassen. Je mehr Zeit vergeht, desto besser läuft es für alle.

Der lange Schulweg auch? Gab es Anlaufschwierigkeiten?

Viele Kinder, die früher zu Fuß zur Schule gehen konnten, müssen nun mit dem Bus nach Bad Laer fahren. Manche sind noch nie im Leben Bus gefahren, sie mussten sich erst daran gewöhnen. Im Bus sind sie nicht allein, sondern treffen auf die großen Oberschüler. Da hat es am Anfang Reibungen gegeben. Konflikte gibt es hin und wieder bei allen Fahrschülern. Da greifen wir dann ein.

In der Elternschaft hatte die Schließung der Schule für große emotionale Proteste gesorgt. Wünschen sich viele die Zwergschule noch immer zurück?

Manche vielleicht. Aber dieser Wunsch wurde an mich nicht offen herangetragen. Ich habe im vergangenen Schuljahr auch kein einziges Mal den Satz gehört: „Mein Kind fühlt sich unwohl in der neuen Schule.“ Im Gegenteil: Eltern aus Remsede engagieren sich als Elternvertreter, bringen tolle Ideen ein. Für uns ist es egal, woher ein Schüler kommt. Wichtig ist uns ein gutes Schulklima, in dem sich alle willkommen fühlen. Natürlich kann ich Eltern verstehen, die ihre kleine, familiäre Schule vor Ort geschätzt haben und vermissen.

Die Schließung der Schule in Remsede wird von manchen als „Hauruck-Aktion“ der Kommunalpolitik gewertet. Was können andere Kommunen besser machen?

Über die Schließung einer Schule sollten sich Kommunalpolitiker – egal wo – langfristig Gedanken machen. Schulen sind in allen Ortsteilen ein sehr sensibles Thema. Wenn eine Schule auslaufen soll, muss man sich die Frage stellen: Was passiert, wenn nur noch eine halbe Klasse übrig bleibt? Diese Frage stellt sich, aber sie stellt sich nicht spontan. Vor schwindenden Schülerzahlen darf man nicht die Augen verschließen. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass am Ende die Kinder zum Spielball politischer Interessen werden.

Bundesweit schließen kleine Schulen. Ist Vielfalt heute Luxus?

Je nachdem, wie man es betrachtet. Blicken wir auf die ganze Schullandschaft, sieht man, dass in Zeiten knapper Kassen immer mehr kleine Systeme den großen weichen werden. Insofern wird Vielfalt bestimmt Luxus werden. Sieht man die Schule als solche, bietet eine größere Schule sicher viel Vielfalt in sich. Es gibt mehr Vergleichsmöglichkeiten, mehr Wahlmöglichkeiten etwa bei den AGs, größere Projekte, und in Bad Laer verzeichnen wir bei der Ganztagsschule steigende Schülerzahlen. In Zukunft wird es auch eine neue Mensa geben.