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Buschwerk besiegt Bahngleise Captrain sieht für TWE-Nordstrecke keine Zukunft

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Bad Laer/Bad Iburg. „Ich möchte die Strecke nicht sterben lassen, aber ich kann die Strecke auch nicht leben lassen.“ Bedeutet dieser Satz von Henrik Wilkening das Aus für die Teutoburger-Wald-Eisenbahn zwischen Bad Laer und Ibbenbüren?

Der Leiter der Abteilung Infrastruktur beim TWE-Mutterkonzern Captrain erklärt: „Für uns stellt sich jetzt die Frage, ob wir die Trasse ganz stilllegen.“ Mit den 20 Kilometern auf dem Gebiet des Landkreises Osnabrück und der Fortsetzung auf nordrhein-westfälischem Boden in Richtung Ibbenbüren könne der Konzern kein Geld verdienen.

Und schon im Geschäftsbericht der TWE für das Jahr 2010 hieß es: „Aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens ist zudem für Teilbereiche im Nordabschnitt eine Streckenstilllegung in interner Prüfung.“ Inzwischen wird auch der vom Verein Eisenbahn-Nostalgie ehrenamtlich betriebene Museumszug Teuto-Express von zwei erdrutschbedingten Dammschäden in Brochterbeck und Bad Iburg ausgebremst.

Derweil verwahrlost die Strecke immer mehr. Gestrüpp und Äste überwuchern die Gleise. Der Abschnitt rund um den Bad Laerer Bahnhof gleicht einer Steppenlandschaft im Wilden Westen. Mehrmals habe sich die Gemeinde an Captrain gewandt und um eine Beseitigung der Verkrautung gebeten, berichtet Wilkening. „Aber dafür hatten wir kein Geld.“ Weil hier keine Trassenentgelte zu erzielen seien, habe sich Captrain die sogenannte Vegetationskontrolle mithilfe chemischer Spritzhilfe nicht leisten können. Allerdings ist das Unternehmen bis zu einer Stilllegung der Trasse dazu verpflichtet, sie betriebsbereit zu erhalten.

„Wir müssen für die Betriebssicherheit mal wieder spritzen und werden im Herbst auch mechanisch darangehen“, sagt Wilkening, kündigt aber gleich danach an: „Auf Sicht wird der Zustand der Strecke schlechter werden.“

Unterdessen wird der Landkreis Osnabrück aktiv: Verkehrsdezernent Wilfried Wilkens hat für Ende August Vertreter der Kreise Osnabrück, Gütersloh und Steinfurt und des Aktionsbündnisses pro TWE eingeladen, um über die Zukunft der Strecke zu beraten.

112 Jahre alt

Insgesamt ist die TWE-Trasse zwischen Ibbenbüren und Paderborn-Hövelhof 100 Kilometer lang – und 112 Jahre alt. Auf dem südlichen Abschnitt werden Güter transportiert, beispielsweise für die Firma Claas in Harsewinkel. Für den Abschnitt zwischen Verl und Harsewinkel gibt es in Nordrhein-Westfalen sogar Pläne für einen öffentlichen Personennahverkehr.

„Für den niedersächsischen Abschnitt würde das aber auch nichts ändern“, sagt Captrain-Mitarbeiter Henrik Wilkening. Einer Nutzung stünden immense Kosten entgegen. So würde schon die Reparatur des Brückenschadens im Bad Iburger Ortsteil Glane 250000 bis 300000 Euro kosten. Eisenbahn-Freunde wundert die Stillhaltetaktik von Captrain nicht mehr. So hat Johannes Pohlmann vom Aktionsbündnis pro TWE beobachtet: „Die Strecke wurde jahrelang auf Verschleiß gefahren.“ In den letzten zehn Jahren seien 50 Kilometer Gleise und Überwege überwiegend der Natur überlassen worden. Wildwuchs und Vermüllung nahmen überhand.

Hinzu kommen die immens erhöhten Trassengebühren, die auch die Hobby-Eisenbahner zahlen müssen. Von gut drei Euro auf 19,79 wurde die Gebühr für das Befahren jedes einzelnen TWE-Kilometers erhöht. Josef Högemann vom Aktionsbündnis pro TWE: „Die Strecke ist seit zwei Jahren nicht mehr durchgängig befahrbar.“ Das Aktionsbündnis wurde im Januar in Bad Laer gegründet. Es hat sich den langfristigen Erhalt und die regelmäßige Nutzung der TWE-Strecke für den Freizeit-, Tourismus- und Güterverkehr zum Ziel gesetzt.

Captrain ist das nicht gelungen. „Obwohl wir zwei Jahre lang einen Mitarbeiter beschäftigt haben, der sich um eine Nutzung kümmern sollte. Er hat niemanden gefunden, der hier Güter transportieren wollte.“ Potenzielle Kaufinteressenten für die Strecke lädt Wilkening ein, sich bei Captrain zu melden.


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