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2,5 Millionen Euro für Erweiterung Klärwerk in Bad Laer am Limit

Von Andrea Pärschke, Andrea Pärschke | 20.10.2016, 11:42 Uhr

Das Klärwerk ist zu klein. Noch konnte die Betreiberfirma aus Wolfenbüttel die Menge noch händeln. Doch wenn die Gemeinde noch mehr Wohngebiete ausweist, ist die Kapazität bald erschöpft. Die Kläranlage muss daher erweitert werden.

Die Frage, mit dem sich die Mitglieder des Bauausschusses befasst haben, war nicht das „ob“ – es war das „wie“. „Man sieht an den Zahlen, dass wir da etwas machen müssen“ , sagt Ausschussvorsitzender Stephan Niebrügge (BBL). Denn die Anlage ist auf 12000 Einwohner ausgelegt. Tatsächlich muss sie in Spitzenzeiten jedoch mit dem Schmutz von 20973 Einwohner fertig werden – und das bei 9268 gemeldeten Bad Laerern (Stand: 2015). Wie geht das? „Einwohner ist eher eine Maßeinheit“, erklärt Michael Kipsieker, Geschäftsführer der Planergesellschaft HI-Nord. Auch Gewerbegebiete haben auf diese Weise deutlich mehr Einwohner, als man zunächst vermuten würde. Das Gebiet Up de Heuchte könnte in den nächsten Jahren mit 1740 Einwohner rechnen. „Die Zahlen der vergangenen Jahre belegen, dass mit immer höheren Einwohnerzahlen zu rechnen ist“, berichtet Kipsieker: Während 2011 an normalen Tagen der Verschmutzungsgrad noch bei 12575 Einwohnern lag, ist er inzwischen schon bei 14688.

Momentane Übergangslösung

Damit ist die Anlage mittlerweile an ihrem Limit angekommen. Gelöst wird das Problem momentan über das alte Klärwerk: „Dort wird das Schmutzwasser, dass nicht sofort gereinigt werden kann, zwischengespeichert“, erläutert der Fachmann.Das sei jedoch nur ein Provisorium. Darauf weißt auch der Landkreis bei jeder neuen Wohngebietserschließung hin. Eine Lösung muss also her.

16000 oder 22000 Einwohner?

Größter Streitpunkt im Ausschuss ist zunächst, auf wie viele Einwohner die Anlage ausgereichtet sein soll: Auf 16000 oder auf 22000. Davon hängt ab, wie die Kläranlage erweitert wird und welche Kosten dabei entstehen. „Als ich die Zahlen gesehen habe, war ich entsetzet“, sagt Markus Peters (1. Bad Laerer Lampe).22000 Einwohner hält er für zu hoch gegriffen. Auch Roland Hemsath (CDU) glaubt nicht an eine so hohe Einwohnerentwicklung. „Wir müssen auch an den Gebührenzahler denken“, sagt er. Denn die Entscheidung hat finanzielle Folgen: Für 16000 Einwohner müsste eine Summe von 710000 Euro investiert werden. Für 22000 Einwohner 860000 Euro. Stephan Niebrügge (BBL)ist für die höhere Investitionssumme: „Wir sind schon jetzt nahe an der 16000 Einwohner-Marke“, sagt er. „Wir sollten besser schon jetzt großzügig planen“. Dem schlossen sich die anderen schließlich an.

Aerobes System

Doch damit ist nur ein kleiner Teilbereich des Reinigungsprozesses abgedeckt. Die Ausschussmitglieder mussten sich zudem für ein System entscheiden, nachdem die komplette Anlage saniert wird: Sie entschieden sich schließlich für die „aerobe Stabilisierung“: Diese ist zwar mit 358984 Euro im jährlichen Unterhalt etwas teurer als die beiden anderen Systeme. Doch die Investitionskosten sind deutlich geringer: So fallen bei der aeroben Stabilisierung „nur“ 2,6 Millionen Euro an, während die anderen beiden Techniken mehr als 3,3 Millionen Euro kosten würden. Das Planungsbüro hat alles durchgerechnet: „Das anaerobe System lohnt sich erst bei einem höheren Anfall von Schmutzwasser“. Die Entscheidung für das aerobe System erfolgte einstimmig. Es folgt die abschließende Entscheidung durch den Rat.