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Wird Laer abgehängt? Teuto-Express: Sanierung von Gleisen gefordert

Von Stefanie Adomeit


Bad Laer/Lengerich. Er ist der Spargel-Express im Frühling und der Nikolaus-Express im Winter, er fährt Besucher zum Fest der 1000 Fackeln und zum Leinewebermarkt. Der Nostalgiezug Teuto-Express bringt Dampf in den Tourismus im Südkreis, nutzt den Kurorten, ihrer Gastronomie und ihrem Handel. Jetzt droht ihm das Abstellgleis – doch Widerstand formiert sich.

Die Teutoburger Wald Eisenbahn und ihr Mutterkonzern Captrain räumen dem nördlichen Streckenabschnitt der 111 Jahre alten TWE kaum Überlebenschancen ein. Güter transportiert sie hier seit Monaten nicht mehr. In den letzten zehn Jahren wurden 50 Kilometer Gleise und Überwege überwiegend der Natur überlassen. Wildwuchs und Vermüllung nahmen überhand.

Ein Dammrutsch bei Brochterbeck und ein zweiter in Bad Iburg-Glane vor einer Woche machen einen Zugverkehr auf der Strecke vorerst unmöglich. Der Teuto-Express auf dem Weg zum Bad Laerer Leinewebermarkt am Wochenende muss das Teilstück von Bad Iburg nach Bad Laer mit einem Bus überbrücken. „Der Schaden in Glane ist Folge eines Trampelpfades, den Captrain jahrelang hingenommen hat“, berichtet Eisenbahnexperte Josef Högemann.

Dabei ist die TWE verpflichtet, die traditionsreiche Strecke in Schuss zu halten. Erst wenn sie tatsächlich stillgelegt werden sollte, endet diese Pflicht. So schreibt es das Gesetz vor. Dass Captrain dieser Aufgabe derzeit nur lax nachkommt, zeigt auch der Zustand des Bad Laerer Bahnhofes. Pflanzen überwuchern die Gleise, das Gelände wirkt ungepflegt. Schlimmer jedoch sind die Schäden auf der Strecke. So sind in Versmold Schwellen weggefault, Federnägel haben sich verzogen oder fehlen ganz.

Gegen diese Vernachlässigung und die mögliche Stilllegung protestieren jetzt nicht nur die Bahnfreunde des Lengericher Vereins Eisenbahn-Tradition, der den Teuto-Express auf die Schiene schickt, sondern auch die Gemeinde Bad Laer. Ihr stellvertretender Bürgermeister Rolf Westheider und Markus Peters als Mitglied des künftigen Rates bekunden ein lebhaftes Interesse an der Befahrbarkeit der TWE-Strecke zwischen Tecklenburg und Bad Laer.

„Die Museumszüge des Teuto-Express sind von großer touristischer Bedeutung. Sie bringen uns Gäste vor allem aus dem Kreis Steinfurt, die auf andere Art nicht anreisen würden. Sogar aus den Niederlanden steigen Besucher in Ibbenbüren in den Museumszug und lassen sich nach Bad Laer fahren, um hier im neuen Kurpark spazieren zu gehen, Kaffee zu trinken oder einzukaufen“, so Westheider. „Und dieses Angebot könnte für Radtouristen ausgebaut werden“, so Bahnexperte Johannes Pohlmann. Beide fordern deshalb auch Unterstützung von Bad Iburger Seite.

Ideen für eine wirtschaftlich profitable Strecke haben Pohlmann und Högemann: So könnte der Güterverkehr mit Papiertransporten von Bremen nach Gütersloh und Löhne über Lengerich, mit Rohholz aus dem Teutoburger Wald und dem Münsterland und einer verstärkten Nutzung der TWE-Strecke und des Bergschneider-Hafens Dörenthe für Kies belebt werden.

Der südliche Abschnitt, insbesondere die Strecke Verl–Harsewinkel, ist wieder für den Personenverkehr ins Blickfeld geraten. Die nicht ganz unwahrscheinliche Reaktivierung könnte auch Geld für die Instandhaltung des nördlichen Trassenteils in die Kassen von Captrain spülen. Der Verein Eisenbahn-Tradition hat ehrenamtlich schon viele Reparaturen und Sanierungen auf der Strecke durchgeführt und würde auch Material für die Reparatur des Dammrutsches in Glane zur Verfügung stellen. Vorausgesetzt, Captrain entschließt sich zum Handeln.


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