zuletzt aktualisiert vor

Vortrag und Diskussion Zukunftsforum in Bad Laer zum Thema Wohnen

Von

<em>Wie die Menschen</em> vor 100 Jahren im ländlichen Raum lebten, stellte der Historiker Ludwig Wahlmeyer in seinem Vortrag vor. Foto: Anke SchneiderWie die Menschen vor 100 Jahren im ländlichen Raum lebten, stellte der Historiker Ludwig Wahlmeyer in seinem Vortrag vor. Foto: Anke Schneider

Bad Laer. „Wer kennt noch Eisblumen?“, begann Ludwig Wahlmeyer seinen Vortrag im Heimatmuseum zum Auftakt des dritten Bad Laerer Zukunftsforums Wohnen. Er stimmte die Anwesenden damit auf die enormen Veränderungen in der deutschen Wohnlandschaft ein. Nicht nur die Wohnformen selbst, sondern auch die Ansprüche haben sich verändert.

Eisblumen – jene bizarren Eiskristalle an den Fensterscheiben sind wunderschön. Haben will sie aber keiner mehr, denn sie bilden sich nur an einfach verglasten Fenstern und in Räumen, in denen nicht geheizt wird. Eisblumen gehörten vor 100 Jahren zum Alltag einer bäuerlichen Großfamilie. „Denn damals wurde nur in Küchen und Alltagswohnstuben geheizt“, so Ludwig Wahlmeyer.

Aus eigener Erfahrung erzählte er von dem Raureif an den Wänden und von dicken Daunenbettdecken, die morgens vom Atem steif gefroren waren. Er berichtete von mit heißem Wasser gefüllten Steinhägerflaschen, die jeder mit ins Bett nahm. „Man durfte wahrlich nicht empfindlich sein“, so der Historiker weiter.

Zwei Drittel der Menschen in Bad Laer und im Osnabrücker Land wohnen heute noch ländlich – ohne einen Bauernhof zu besitzen oder zu betreiben, berichtete Wahlmeyer.

Eisblumen gehören längst der Vergangenheit an, ebenso wie Großfamilien, Kühe, die nur zwei Liter Milch täglich gaben und halb so schwer waren wie die heutigen, und Getreideernten, die manchmal lediglich zur Gewinnung des Saatgutes reichten. „Wir leben heute in außerordentlichem Wohlstand“, schloss Wahlmeyer seinen Vortrag. Das ländliche Leben früher, das viele als idyllisch bezeichnen, sei enorm hart gewesen.

Wurden früher die Alten in den Familien gepflegt, so sind sie heute überwiegend alleine. „39 Prozent der Deutschen sind Single“, sagte Diplom-Geograf Klaus Mensing. Die Kinder seien häufig in alle Richtungen verstreut. Landwirtschaft sei der Dienstleistung und Industrie gewichen, es gebe weniger Kinder, dafür mehr Alte, und die Frauen seien heute berufstätig. Nichts sei mehr, wie es war.

Das Bad Laerer Zukunftsforum Wohnen beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit verschiedenen Wohnformen für alte Menschen, spricht aber auch junge Menschen und Familien an.

Mit der Initiative „Jung kauft alt“ soll das Wachsen der Neubausiedlungen eingedämmt und junge Leute dazu bewegt werden, alte Häuser, die von ihren Besitzern nicht mehr unterhalten werden können, zu kaufen. „Die Gemeinde unterstützt junge Menschen, die alte Häuser kaufen“, erläuterte Klaus Mensing.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde der dritten Auflage des Zukunftsforums Wohnen ging es im Haus Große-Kettler nach der Einführung von Ludwig Wahlmeyer um Wohnformen für alte Menschen.

Klaus Mensing stellte verschiedene in der Gemeinde Bad Laer vorhandene Wohnformen vor – angefangen vom Bungalow, in dem Senioren auf einer Ebene wohnen können, über Hausgemeinschaften und Seniorenwohnanlagen wie das Stephanswerk bis hin zum geplanten Wohnpark für Senioren, Singles und Paare ohne Kinder. Hausgemeinschaften als Wohnform der Zukunft fanden in der Runde viele Befürworter.

Der geplante Wohnpark, der Kinder ausschließt, wurde hingegen von den Teilnehmern der Veranstaltung mehrfach kritisiert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN