Traum: „Meeresbiologin werden“ Schülerin aus Bad Laer nahm an Expedition auf den Azoren teil

Angehende Meeresbiologin: Daliah Rodewald (16) interessiert sich für alles was unter Wasser kreucht und fleucht. So ist die Teilnahme an der Expedition in Portugal für sie ein unvergessliches und Erlebnis. Foto: Carolin HlawatschAngehende Meeresbiologin: Daliah Rodewald (16) interessiert sich für alles was unter Wasser kreucht und fleucht. So ist die Teilnahme an der Expedition in Portugal für sie ein unvergessliches und Erlebnis. Foto: Carolin Hlawatsch

Bad Laer. Die Welt der Ozeane mit ihren Unterwassertieren, Schlingpflanzen, mit Wellen und spritzender Gischt, ist die Welt von Daliah Rodewald. Mit der Teilnahme an einer Forschungsexpedition rund um die Azoren-Insel Pico ist die Sechzehnjährige Schülerin aus Bad Laer ihrem Traum Meeresbiologin zu werden, ein Stück näher gekommen.

„Seitdem mir meine Freundin Anna in der dritten Klasse ein Buch über Wale und Delfine schenkte, hege ich den Berufswunsch Meeresbiologe. Davor interessierte ich mich mehr für Dinosaurier“, erzählt Daliah Rodewald und lacht bei der Erinnerung. Anfang dieses Jahres besuchte sie zusammen mit ihrer Familie – alle sind sie große Tierfreunde und haben selbst drei Hunde – den Duisburger Zoo. Dort im Aquarium entdeckte Familie Rodewald einen Aushang des Heidelberger Instituts für Jugendmanagement (IJM Stiftung): „Forschungsexpedition mit dem Schwerpunkt in der Meeresbiologie, für Schüler im Alter von 13 bis 18 Jahren“, las Daliah und war sofort „Feuer und Flamme“. 

Die IJM Stiftung bietet verschiedene Projekte und Expeditionen an, um Jugendliche außerhalb der Schule zu fördern und zu fordern; unter anderem auch ein Programm, mit dem der Schüler, während er die Oberstufe absolviert, schon nebenbei studieren kann. Daliahs Eltern unterstützten ihre Tochter bei ihrem Vorhaben und auch ihre Lehrer am Gymnasium Bad Iburg zeigten sich begeistert von dem berufsfördernden Plan. Daliah sei die erste Schülerin am Gymnasium Bad Iburg, die so eine Idee an die Schule herangetragen hat. Als Daliah auf ihre Bewerbung hin positive Rückmeldung von der IJM Stiftung bekam, machte sie vor Freude Luftsprünge, regelte die Schulfreistellung für den Expeditionszeitraum und bereitete sich mit einem Erste-Hilfe-Kurs und dem Rettungsschwimmer Silber vor. 

Eine Gruppe Streifendelfine schwimmt neugierig mit dem Forschungsschiff, das täglich mit den Schülern vom ehemaligen Walfängerort Lajes do Pico in See stach. Foto: Daliah Rodewald

Bevor es dann am 20. Juni losgehen sollte war jedoch noch eine Hürde zu nehmen. Daliah benötigte einen Sponsor, da die Unternehmung kostspielig ist. Den fand sie in der Osnabrücker Friedel und Gisela Bohnenkamp Stiftung, die Bildung von Kindern und Familie fördert und die die Expeditionskosten von über 2000 Euro übernahm. Auch nach der Expedition begleitet die Stiftung die junge Gymnasiastin weiterhin auf ihrem Weg zur Meeresbiologin. 

Neun Schüler aus allen Ecken Deutschlands trafen sich Mitte Juni zum Kennenlernen und für die Einweisung bei der IJM Stiftung in Heidelberg. Am 21. Juni flog die Gruppe von Frankfurt aus nach Lissabon und erreichte nach Flugverspätung und verpasster Fähre gegen 22 Uhr mit Hilfe eines Speedboats die Insel Pico, zweitgrößte Insel der Azoren, sowie ihr Hotel im Ort Lajes do Pico. Für Daliah und ihre Gleichgesinnten folgten zwölf aufregende und lehrreiche Tag mit jeweils zwei oder drei Meeres-Ausfahrten und wissenschaftlichem Arbeiten und Präsentieren, oftmals bis tief in die Nacht. „Wir erarbeiteten uns Forschungs-Ziele nicht nur zum Thema Meeresbiologie, sondern auch zu Gesellschaft & Kultur auf den Azoren sowie Flora, Fauna und Klima“, berichtet Daliah. „Wir führten Befragungen der Inselbevölkerung durch, machten verschiedenste Messungen, bestimmten Pflanzen-und Tierarten“. 

Ein Fangnetz fischten Daliah Rodewald (vierte von rechts) und ihre Kolleginnen vor der Insel Pico aus dem Meer. Foto: Daliah Rodewald

Ihre Augen fangen an zu leuchten, wenn sie von den Ausfahrten erzählt. Unter dem kleinen Schnellboot seien Wale von bis zu neun Metern hindurch getaucht und Höhepunkt sei das Schwimmen mit Delfinen gewesen. „Nur wenn das Meer ruhig war und sich eine Delfingruppe neugierig zeigte, durften wir vom Boot springen. Jeden Tag zogen wir die Badeanzüge unter unsere Klamotten, in der Hoffnung auf dieses faszinierende Erlebnis“, so Daliah. Sie sah Pottwale, Entenwale, Grindwale, fünf verschiedene Delfinarten und Meeresschildkröten die laut Forschungsteam aus San Francisco bis nach Portugal geschwommen waren. Die Schüler maßen Tauch- und Atemrhythmus der Wale und Delfine, sowie deren Schwimmgeschwindigkeit. Zurück an Land dokumentierten sie Salzgehalt und Temperatur des Meeres, sammelten Plastikmüll und Netze am Strand und beschäftigten sich zudem mit dem Thema Walfang, der bis 1979 auf der Insel Pico betrieben wurde und heute vom touristischen Whalewatching als Einnahmequelle abgelöst ist. 

Ein besonderes Abenteuer war die Kletter-Führung durch einen Schlot des Vulkans Ponta do Pico. „Dort liefen wir mit Taschenlampen im Dunkeln über erkaltete Lava“, sagt Daliah, die sich in die Landschaft der Insel Pico mit ihren schwarzen Lavagestein-Klippen und den unsagbar vielen grünen Pflanzen verliebt hat. Irgendwann einmal möchte sie dorthin zurückkehren aber vorher soll es nach Kiel gehen, um dort an der Universität Meeresbiologie zu studieren. „Diese Expedition hat mir gezeigt, was Forschen wirklich heißt. Ich lernte eine neue Art des Arbeitens kennen die ganz anders als in der Schule ist und bin jetzt noch entschlossener als vorher, Meeresbiologin zu werden“.

Große Tümmler schwimmen um das Forschungsboot. Foto: Daliah Rodewald


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