Witwe Ingrid Schein kämpft weiter Gerichtserfolg für Sanicare-Chef Bertram in Saarbrücken

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Bad Laer. Im Streit um Sanicare kann BS-Apotheken-Gesellschafter Christoph Bertram einen Teilerfolg vermelden. Das Oberlandesgericht Saarbrücken hat entschieden, dass die Übertragung von 95 Prozent der Geschäftsanteile des 2016 verstorbenen Gesellschafters Volkmar Schein auf Bertram rechtmäßig war.

Damit habe das OLG Saarbrücken den rechtlichen Bestand der Bad Laerer BS-Apotheken OHG (mit Sanicare) und die Gesellschaftereigenschaft von Christoph Bertram "unzweifelhaft" bestätigt, heißt es in der Mitteilung einer von Sanicare beauftragten Kommunikationsagentur:

"Die Zurückweisung der Beschwerde beendet einen fast dreijährigen Rechtsstreit über die Besitzverhältnisse an der BS-Apotheken OHG, die die drei Versandapotheken Sanicare, Aliva und Medicaria im niedersächsischen Bad Laer betreibt"

Das Urteil ist rechtskräftig.

Kurs fortsetzen

Weiter heißt es in der Agentur-Mitteilung: "Die BS-Apotheken OHG mit ihren Gesellschaftern Christoph Bertram und Heinrich Meyer freut sich mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Standort Bad Laer, den bereits eingeschlagenen Kurs der Erneuerung und Modernisierung des Unternehmens fortsetzen zu können. Gemeinsam sehen sie die BS-Apotheken OHG dafür gut aufgestellt, als relevanter Akteur im Markt die Arzneimittelversorgung Deutschlands in den kommenden Jahren erfolgreich mitzugestalten."

Die Anwältin Ingrid Scheins, der Witwe von Volkmar Schein, teilte unserer Redaktion dazu auf Anfrage mit, dass es weitere Verfahren gebe, in denen Frau Schein ihre Rechte nach wie vor geltend mache. Im Übrigen sei die Geschäftsunfähigkeit von Volkmar Schein nicht "fälschlich" behauptet worden, sagt Anwältin Roya Comtesse. 

"Es gibt ein zweites Gutachten, in dem definitiv die Geschäftsunfähigkeit von Herrn Dr. Volkmar Schein zum Zeitpunkt der zweiten Übertragung der Anteile festgestellt wird."

Nun komme es auf den Fortgang der weiteren anhängigen Verfahren an.

Das OLG Saarbrücken sagt dazu allerdings: "Das - vom Familiengericht (Neunkirchen; Anm. d. Red.) als Privatgutachten verwertete - Gutachten des Sachverständigen M. stellt das von der Gerichtsgutachterin gefundene Ergebnis weder in Frage noch gibt es Anlass zur Einholung eines Obergutachtens."

Marken kein Verfahrensgegenstand

Im Übrigen seien die mehrfach in der Pressemitteilung erwähnten drei Apotheken-Marken zu keiner Zeit Gegenstand des Verfahrens gewesen und hätten auch keine Erwähnung gefunden: "Aus welchem Grund diese Marken nun mehrfach in der Pressemitteilung erwähnt werden, entzieht sich unserer Kenntnis." 

Schein hatte in den Jahren 2014 und 2015 zunächst 50, dann weitere 45 Prozent der Geschäftsanteile auf Bertram übertragen. Bald darauf ließ er sich in einer psychiatrischen Klinik behandeln, im Juli 2016 verstarb er im Alter von 56 Jahren durch Suizid. 

Ingrid Schein hatte die Übertragung der Anteile für ungültig erklären lassen wollen: Er hätte nicht alleine über gemeinsames Vermögen dieser Höhe verfügen dürfen, hatte Ingrid Schein noch zu Lebzeiten ihres Mannes geltend gemacht. 

Zwei Gutachten

Nach seinem Suizid führte sie weiter an, dass ihr Mann bei der Übertragung der Anteile geschäftsunfähig gewesen sei. Zwei Gutachten zum Gesundheitszustand Volkmar Scheins kamen zu widersprüchlichen Aussagen. Sie sollten klären, ob sich Schein „in einem, die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustand krankhafter Störung der Geistestätigkeit befand“.

2013 hatte der Apotheker Sanicare aus der Insolvenzmasse des verstorbenen Gründers Johannes Mönter erworben. Ein Jahr später wurde Sanicare in die BS-Apotheken OHG umgewandelt, zu Volkmar Schein kam als Gesellschafter Christoph Bertram hinzu.


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