Bauplätze, Kläranlage, Selbstvertrauen Was 2019 in Bad Laer wichtig wird: Rundfahrt mit dem Bürgermeister

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Auf einer Rundfahrt durch Bad Laer erzählt der neue Bürgermeister Tobias Avermann, welche Themen ihn in diesem Jahr beschäftigen. Foto: Gert WestdörpAuf einer Rundfahrt durch Bad Laer erzählt der neue Bürgermeister Tobias Avermann, welche Themen ihn in diesem Jahr beschäftigen. Foto: Gert Westdörp 

Bad Laer. Er ist der Neue und unter den Bürgermeistern im Kreis auch der jüngste: Tobias Avermann ist Anfang September ins Bad Laerer Bürgermeisterbüro gezogen. Schonzeit gab es für ihn nicht, die brauchte er auch nicht, war Avermann doch fünf Jahre lang zweiter Mann im Rathaus. Trotzdem hat ihn manches überrascht.

Ein Neuanfang für Bad Laer, das in den vergangenen Monaten ohne Rathausspitze lebte, und viel zu tun für den 41-Jährigen. Was im neuen Jahr in Bad Laer wichtig wird, erzählt Tobias Avermann bei einer Rundfahrt durch den Kurort.

Die Tour de Bad Laer beginnt gar nicht weit entfernt vom Rathaus, in der Sporthalle: Die soll nach jahrelangen Analysen und Beratungen endlich einen neuen Umkleidetrakt bekommen, dazu Geräteräume und einen Gemeinschaftsraum. 



Der Gemeinderat hat das kurz vor Weihnachten bei drei Enthaltungen entschieden: Drei CDU-Fraktionsmitglieder hatten sich eine andere Lösung gewünscht. Sie stellten sich eine "Ertüchtigung" des Umkleidetrakts und einen Westanbau vor der großen Sporthalle vor.



Tobias Avermann war dagegen: Warum ist das Modell mit einem Abriss und Neubau des Mittelteils zwischen den Hallen auch ihre bevorzugte Variante, Herr Avermann?

Avermann: Die Sporthalle ist seit Jahren Thema. Dass hier etwas getan werden muss, war klar. Die Gemeinde hätte die Sanierung auch gerne früher in Angriff genommen, aber das Geld fehlte. Schließlich ist es hier ja nicht mit neuen Fliesen getan.

Das zeigt der Rundgang durch den Sanitärbereich zwischen den beiden Hallen sehr deutlich. Die Räume atmen den holzigen Charme der 60er Jahre, hier klafft ein Riss in einer Tür, dort ist die weiße Decke mit grün-schwarzen Sprenkeln übersät.


Foto: Gert Westdörp


Avermann: Die Abflüsse müssen aufgenommen werden. Einen Keller gibt es hier nicht. 


Foto: Gert Westdörp


Dabei ist die Sporthalle immer wieder Schauplatz hochklassiger Turniere: Die Volleyballerinnen des SV Bad Laer spielen in der Zweiten Liga. 

Avermann: Waren Sie schon mal bei einem Heimspiel? Wenn die Damen aufschlagen, hat das immer Event-Charakter. Da gibt es Salat, Würstchen und Getränke und die Bude ist voll.


Foto: Gert Westdörp


Die Tribünen neben dem Spielfeld sind schmal. Für die Zuschauer wird es eng. Das war einmal anders gedacht. Wie hätte das ausgesehen?

Avermann: Sie sehen ja hier die Metallstreben an den Tribünen. Dahinter sollten bis zur Straße eigentlich Umkleiden und Geräteräume entstehen. Dazu kam es aber nicht.

Umso glücklicher ist Tobias Avermann, dass die politischen Gremien den Weg für eine der Varianten zur Modernisierung freigemacht haben. 900.000 Euro will Bad Laer 2019 in den neuen Haushalt einstellen, um die Sporthalle möglichst schnell zu modernisieren. 

Avermann: Das Entscheidende ist, dass wir jetzt die Möglichkeit zur Sanierung haben und diese nutzen.


Knackpunkt Kläranlage


Sie haben in der letzten Ratssitzung die Kläranlage angesprochen und gesagt, dass sie die Gemeinde blockiert. Was meinen Sie damit?

Avermann: Die Technik unserer Kläranlage ist überholt und sie arbeitet an der Belastungsgrenze. Das ist leider schon länger bekannt. Ich habe mich jetzt etwas in das Thema eingearbeitet und auch mit dem Landkreis gesprochen. Im Moment ist es ja noch so, dass fast jede kleine Gemeinde ihre eigene Kläranlage hat. Inzwischen sind die technischen Hürden für den Transport von Abwässern jedoch gesunken. Schwieriger ist es, den Klärschlamm zu entsorgen. Ab einem gewissen Volumen kann man daraus Energie gewinnen.


Foto: Andrea Pärschke


Was ist jetzt zu tun?

Avermann: Wir müssen eine Ist-Analyse machen und klären, was wir künftig brauchen, ob vielleicht eine Kooperation möglich ist, denn die Kapazität der Kläranlage ist für die Weiterentwicklung von Bad Laer unabdingbar."

Weil neue Wohngebiete mit zusätzlichen Einwohnern eine größere Kläranlage verlangen?

Avermann: Genau. Und es ärgert mich, dass uns das blockiert. Zumal wir klären müssen, was fremd zuläuft. Es gibt vermehrte Fremdeinleitungen durch Oberflächen- und Regenwassser, beispielsweise in Remsede. Dort geht es um vermutlich 50.000 Kubikmeter. jährlich, so eine frühere Schätzung der TEN. Mögliche falsche Hausanschlüsse erhöhen die Entsorgungskosten und führen schneller zur Kapazitätsgrenze der Kläranlage. Das alles lässt sich  nicht von heute auf morgen beheben, aber anfangen sollten wir damit schon. Mein Wunsch wäre ein Maßnahmenplan für die Kläranlage für die nächsten drei Jahre, denn die Kläranlage blockiert unsere Flächenentwicklung.



Eine schwere Geburt - allerdings aus anderen Gründen - ist das Baugebiet an der Bergstraße, unserem nächsten Stopp. 2015 hatte sich der Bauausschuss festgelegt und den Flächennutzungsplan geändert, der hier ursprünglich einen großen Klinikneubau vorsah: Hier sollten am Westhang des Kleinen Bergs Grundstücke ausgewiesen werden. Schon 2016 hatte ein Stadtplaner erklärt: "Was lange währt, wird endlich gut." Doch es wurde nicht gut. Grundstückskäufer warten seitdem vergeblich auf die Erschließung.


Foto: Gert Westdörp


2017 wurde bekannt, dass die Pläne wegen zwei Formfehlern des Bauamts ein drittes Mal ausgelegt werden mussten: eine Pannenserie, für die offenbar Pelz verantwortlich war. Dann ging es um die hakende Kostenermittlung für die Flächen: Die sei wegen unterschiedlicher Eigentümer sehr schwierig und rechtlich knifflig, so Pelz damals.


Pannenserie mit Folgen


Noch Ende 2018 haben sich die Gemeinde Bad Laer und Bauamtsleiter Stefan Pelz getrennt, "einvernehmlich", betont Avermann. 

Avermann: Jetzt stellen wir uns organisatorisch neu auf und müssen unter anderem einen neuen Bauamtsleiter oder, was mich auch freuen würde, eine Bauamtsleiterin finden.

Um wie viele Grundstücke geht es an der Bergstraße?

Avermann: Wir möchten hier circa 15 Grundstücke aus öffentlicher Hand ausweisen. Vielleicht ist es sinnvoll, die Grundstücksgrößen zu überdenken. Hinzu kommen optional etwa fünf Grundstücke aus privater Hand von weiteren Anliegern. Es wird Zeit, dass es hier endlich losgeht, möglichst bis zum Sommer.

Aber auch dieses Baugebiet hänge mit der Kapazität der Kläranlage zusammen. Planmäßig läuft es dagegen mit den neuen Kita- und Krippenplätzen, die Bad Laer schaffen möchte. Wir stehen an der Ecke Prozessionsweg und Kurgartenallee vor einem großen Acker. 

Avermann: Hier plant die katholische Kirchengemeinde mit dem Kindergarten St. Marien eine neue Kindertagesstätte. Der Planungsausschuss könnte Ende Januar die grundsätzlichen Voraussetzungen für den Kindergartenneubau schaffen, bauen soll dann die Kirchengemeinde.


Interviews mit den Einzelhändlern


Letzter Halt Ortskern: Auf der Iburger Straße erzählt der Bürgermeister vom geplanten Einzelhandelskonzept. Mit Blick auf alteingesessene Geschäfte wie das Schuhhaus Kälker oder Schwöppe Moden berichtet er von der Untersuchung eines Expertenbüros.


Avermann: Es hat unter anderem Interviews mit den Akteuren geführt. Dabei kam beispielsweise heraus, dass Bad Laer historisch bedingt eine beeindruckende Versorgungssouveränität hat, die es zu erhalten und auszubauen gilt. Wir müssen uns glücklicherweise gegen kein Mittelzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft behaupten, das sollten wir ausnutzen.


Foto: Gert Westdörp


Was genau die Fachleute ermittelt haben, will der Bürgermeister schon bald mit den Einzelhändlern und der Politik beraten. Dabei gehe es um die Sicherung des Einzelhandels-Bestandes im Ortskern mit möglichen und sinnvollen Ergänzungen.


Avermann: Wir wollen durch eine funktionale Differenzierung für eine strukturierte und planbare Weiterentwicklung sorgen, zum Beispiel durch die Festlegung des zentralen Versorgungsbereichs mit einem entsprechenden Sortiment: Über eine Satzung können wir zum Beispiel regeln, dass Mode, Schuhe und Schreibwaren nur im Ortskern angeboten werden dürfen. Wir sind ein Kurort, da muss man flanieren können.

Das Einzelhandelskonzept soll Ende Januar im Planungsausschuss Thema werden.


Optimistischer Blick aufs neue Jahr


Herr Avermann, mit welchen Gefühlen schauen sie auf das Jahr, das vor ihnen liegt?

Avermann: Der Haushalt bietet einen Gestaltungsspielraum, der durch die anstehenden Projekte schon weitgehend vorgegeben ist. Aber ich freue mich, dass ich diese Dinge im breiten Konsens anschieben kann. Wenn es jetzt noch gelingt, die Voraussetzungen für neue Wohnbebauung zu schaffen, vor allem durch die Weiterentwicklung des Abwassersystems, ist schon eine Menge erreicht.

Foto: Gert Westdörp


Zurück im Bürgermeisterbüro eine letzte Frage: Wie soll es im Rathaus weitergehen?

Avermann: Da möchte ich den Mitarbeitern wieder das nötige Selbstvertrauen für ihre Arbeit geben. Sie sind die Experten.


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