Kein Weihnachtsmann Seit 50 Jahren ist Marita Maibaum der Nikolaus in Bad Laer

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Bad Laer. Fast jeder kennt sie in Bad Laer und wenn die Adventszeit beginnt, dann ist Marita Maibaum gefragt wie nie. Als Nikolaus ist sie seit 50 Jahren im Ort unterwegs. Eine Geschichte von Himmelsplätzchen, gefräßigen Mäusen und Lampenfieber.

Das Feuer knistert im Kamin, auf dem Tisch steht der Adventskranz mit vier dicken roten Kerzen, daneben die große Dose mit Himmelsplätzchen darin. Lichterketten mit Tannenzweigen und Christbaumkugeln sind durch den Raum gespannt. Zwei Engel aus Ton schauen vom Kaminsims herab. Weihnachten in jeder Ecke. Der Nikolaus würde sich hier bestimmt wohlfühlen und in der Tat das tut er. Denn hier wohnt Marita Maibaum. Seit 50 Jahren ist sie der Nikolaus in Bad Laer. „Früher hat meine Mutter immer den Nikolaus gespielt. Sie war krank und dann sollte ich einspringen. Damals war ich 15 Jahre alt“, erzählt Maibaum.  

Die Rolltreppe hat überzeugt

Als jüngstes von elf Kindern hatte sie keine Wahl. Sie musste vorsprechen. Doch ihre Mutter hatte immer wieder etwas auszusetzen. „Meine Stimme war nicht dunkel genug, ich hab es nicht richtig gemacht.“ Marita Maibaum wollte hinschmeißen, hatte keine Lust. „Meine Mutter hat mir dann versprochen, dass wir in Osnabrück mit der Rolltreppe fahren. Dann habe ich ja gesagt“, erzählt sie und lacht. Sie musste die Nachbarschaft zu Fuß abklappern, das künstliche weiße Haar juckte auf dem Kopf. „Das war anstrengend, man brauchte eine gute Kondition“, sagt Maibaum. Heute geht das bequemer mit dem Auto.


Erste Buchungen im August  

Ihre Saison beginnt mit dem ersten Advent. 42 Familien und 12 Vereine hat sie besucht. Die ersten Buchungen kommen meist schon im August. Über Bad Laers Ortsgrenzen hinweg ist sie kaum unterwegs. Das schaffe sie zeitlich alles nicht mehr. Beim ersten Auftritt war ihr Lampenfieber groß. Doch vor dem Mann mit der Bischofsmütze hatten die Menschen immer Respekt, und das gilt bis heute. Der Nikolaus hat etwas Geheimnisvolles, sagt Maibaum. Dass sie eigentlich eine Frau ist, sei bei ihren Besuchen nie ein Thema gewesen. „Meinen Ehering nehme ich immer ab, sonst fragen sie, ob der Nikolaus verheiratet ist.“


Früher ging es zu Fuß von Haus zu Haus, heute wird die Strecke mit der Auto abgefahren. Foto: Gert Westdörp


Das goldene Buch und die dunkle Stimme

Einmal Nikolaus, immer Nikolaus – denn den Job wurde sie nicht mehr los. Und so bringt sie seit 50 Jahren weihnachtliche Stimmung, Adventslieder und Gedichte in Bad Laerer Wohnzimmer, Altenheime oder Schulen. Mittlerweile sitzt jeder Handgriff, von Aufregung keine Spur. In kürzester Zeit wird das rote Gewand übergeworfen, der Bart umgebunden und die 150 Jahre alte Brille aufgesetzt. Das goldene Buch liegt in der Hand. Mit dunkler Stimme fragt sie dann üblicherweise, ob auch alle brav gewesen sind.

Das Trio unterwegs zum Einsatz. Melanie Maibaum (l.) springt als Engel ein, weil die Enkelkinder noch in der Schule sind. Die Reporterin (r.) wurde kurzerhand als Engel eingespannt. Erkenntnis: Der Nikolaus muss immer in der Mitte gehen. Foto: Gert Westdörp

Kein Weihnachtsmann

„Ich bin nicht der Weihnachtsmann. Das ist ein großer Unterschied“, sagt sie. Der heilige Nikolaus steht für Zuwendung, er half den Armen. Marita Maibaum lebt den Gedanken: „Ich bin ein ganz lieber Nikolaus, Druckmittel gibt es bei mir nicht.“ Manchmal bekommt sie Geld für ihren Besuch, das wird gespendet.


Die Mäuse waren schuld

Natürlich ging nicht immer alles glatt. „Das Gewand lag immer in einer Holztruhe und einmal hatten es die Mäuse zerfressen. Wir mussten die Löcher mit einer großen Schleife kaschieren“, erzählt Maibaum. Immer im Schlepptau, hat sie ihre Engel. „Ohne Engel geht es nicht“, sagt die 65-Jährige resolute Frau. Die Gefährten mit himmlischer Mission verteilen Gebäck und klingeln mit ihren Glöckchen – das Schellen kündigt den hohen Besuch an. 30 Kilogramm Himmelsplätzchen hat Maibaum mit ihrer Familie gebacken.

30 Kilogramm Himmelsplätzchen hat die Familie gebacken. Vor allem die alten Mensch mögen die Kekse. Sie erinnern an die Kindheit. Foto: Kathrin Pohlmann


Alte Spekulatiusbretter

Der Mürbeteig wird in alte Spekulatiusbretter gedrückt – Schafe, Pferde, Hasen und der Nikolaus kommen goldbraun aus dem Ofen. „Vor allem die alten Leute stehen auf die Plätzchen. Da werden Kindheitserinnerungen wieder wach.“ Für den Engelsjob wird die Familie eingespannt. „Da wird man so hineingeboren, damit wächst man auf“, sagt Tochter Melanie. „Mit 15 war das was anderes. Ich hatte meinen ersten Freund und lief als Engel herum – das war natürlich total peinlich“, erzählt sie. Doch auch sie ist vom Weihnachtsfieber gepackt und seit 30 Jahren im Einsatz – mittlerweile hauptsächlich als Nikolaus. Die Enkel- und Nachbarskinder übernehmen den Part der Engel. Nur, wenn sie in der Schule sind, dann übernimmt Melanie Maibaum als Aushilfe mal den Engelsjob.

Mission beendet

Der Mittwoch vor Heiligabend war der letzte Einsatz in diesem Jahr. „Ich bin dann auch froh, wenn alles vorbei ist“, sagt Marita Maibaum. Sie wirkt glücklich und zufrieden. Mission beendet. Jetzt kann sie sich auf ihr eigenes Weihnachtsfest freuen. Der Paketbote klingelt. Maibaum springt auf, greift in die Keksdose und gibt ihm eine Handvoll Himmelsplätzchen. „So ist sie“, sagt Tochter Melanie und lacht. Das selbst gemachte Gewand, die Mitra, Bart, Brille und Stab verschwinden mit samt den Engelskleidern wieder im Schrank.


Premiere als Engel

Manchmal muss auch eine Reporterin ran. In diesem Jahr wurde die Redakteurin als Engel verhaftet. „Was muss ich tun?“, war die Frage. „Einfach nur lächeln und Himmelsplätzchen verteilen“, so die Antwort. Klingt nicht so schwer und der Einsatz hat reibungslos geklappt. Nur Gedichte und Weihnachtslieder könnten etwas flüssiger über die Lippen gehen. 




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