Anspruchsvolle Klangkost Tamigu-Trio zwischen Klassik und Neuer Musik in Bad Laer

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Laer Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nicht immer leichte Kost: Das Tamigu-Trio konzertierte im Bad Laerer Haus des Gastes. Foto: Petra RopersNicht immer leichte Kost: Das Tamigu-Trio konzertierte im Bad Laerer Haus des Gastes. Foto: Petra Ropers

Bad Laer. Das Tamigu-Trio präsentierte ein anspruchsvolles Konzert an „beflügelten Saiten“ im Bad Laerer Haus des Gastes.

„Easy classic“, zu deutsch: leichte Klassik, lautete das Motto des Konzertes, das am Dienstag eine überschaubare Schar von Musikfreunden in das Haus des Gastes lockte. Wer angesichts des Titels allerdings leicht verdauliche Musikkost erwartete, besann sich schon mit den ersten Takten eines anderen. Denn das Tamigu-Trio präsentierte mit Werken aus Klassik, Impressionismus und Moderne ein Programm, das immer wieder die Hörgewohnheiten herausforderte.

Tamigu – das sind Pianistin Tamara Buslova, Violinist Michael Nachbar und der Pianist, Percussionist und Komponist Günther Wiesemann, der auch als Moderator durch den Abend führte. Als „Tanz zwischen den Instrumenten“ bezeichnete er die zeitgenössische Polka für Violine und Klavier, deren mit musikalischem Witz in Szene gesetzte Dissonanzen den Abend eröffneten. Als Suite für Klavier schrieb Claude Débussy seinen Zyklus „Children’s Corner“, dessen dem Ragtime angelehnten Schlusssatz „Golliwogg’s Cakewalk“ Nachbar und Buslova in einer Bearbeitung für Violine und Klavier präsentierten.

Lyrik trifft Neue Musik

Was geschieht, wenn bewusst sinnfreie Lyrik auf Neue Musik trifft? Die Antwort gab Günther Wiesemann als Pianist und Sprecher mit einer Eigenkomposition auf ein selbst verfasstes Nonsensgedicht. Da verbanden sich Verse voller Alliterationen mit dynamisch bis düster-drohend über die gesamte Klaviatur eilenden Akkorden und Läufen. Denn „Linoleum lächelt leise“ zu getriebener, von verschiedenen Schlaginstrumenten durchdrungener Virtuosität fernab der vertrauten Melodik.

Nicht ganz ernst gemeint seien seine Kompositionen, verriet Wiesemann, der gleich eine weitere musikalische Gedichtinterpretation folgen ließ. Doch es waren bei aller hörbaren Virtuosität doch die Werke in einer vertrauteren Klangsprache, die bei den Musikfreunden ankamen. Paganinis Variationen zum „Carneval di Venezia“ etwa, die Michael Nachbar mal romantisch singend, dann wieder neckisch-verspielt oder mit feurigem Temperament facettenreich zur Klavierbegleitung interpretierte.

Zwischen fesselnder Virtuosität und lyrisch-gefühlvollem Ausdruck entfaltete sich in einer Bearbeitung für Violine und Klavier das Rondo aus Wolfgang Amadeus Mozarts Haffner-Sinfonie. Mit expressivem Bogenstrich verzauberte auch die mexikanische Serenade von Manuel Ponce. Doch nicht alle Besucher kamen in den Genuss ihrer sehnsuchtsvollen Klänge: Eine ganze Reihe von ihnen verließ bereits zur Pause das nicht eben „flügelleichte“ Konzert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN