Parolen und Prügeleien Theater gegen Rechtsextremismus in der Oberschule

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Laer Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Aufrüttelnd realitätsnah: Mit "Hallo, Nazi" gastierte das Scheselong-Theater in der Geschwister-Scholl-Oberschule. Foto: Petra RopersAufrüttelnd realitätsnah: Mit "Hallo, Nazi" gastierte das Scheselong-Theater in der Geschwister-Scholl-Oberschule. Foto: Petra Ropers

Bad Laer. Theater gegen Rechtsextremismus fesselte am Donnerstag die Neunt- und Zehntklässler der Geschwister-Scholl-Oberschule.

Das zeitliche Zusammentreffen: purer Zufall. Schließlich reagierte Konrektor Klaus Berdelmann bereits vor den Sommerferien auf die Empfehlung der Landesschulbehörde. Nachdenklich stimmte es dennoch. Denn die jüngsten Ereignisse in Schwerin beweisen: Das Theaterstück „Hallo, Nazi“ des Berliner Jugend-Tourneetheaters Scheselong ist von bedrückender Aktualität.

Und es war keine leichte Kost, die das junge Ensemble im Forum der Oberschule präsentierte. Laut, ausfallend, gespickt mit Parolen und Prügeleien konfrontierte es die Schüler mit dem ungeschminkten Gesicht von Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit. Ausgerechnet in der Enge einer Gefängniszelle treffen sie nach einer brutalen Schlägerei aufeinander: Rudi (Matthias Krause), der arbeitslose Nazi mit Springerstiefeln und einschlägig beschrifteter Bomberjacke, und der Pole Jan (Heiko Richter), der schwarz in einer Autowerkstatt arbeitet.

Beidseitige Angriffe

Die Atmosphäre ist aufgeheizt. Denn Jan sitzt als eines der Opfer der Schlägerei in Schutzhaft. Rudi ist als einer von fünf Tätern in Gewahrsam. Und auch in der Zelle macht er aus seiner Meinung kein Hehl. Er reißt Polen-Witze, brüllt Parolen heraus und Vorurteile, die allzu oft nachgeplappert und noch häufiger insgeheim gedacht werden. Und es bleibt nicht bei – durchaus beidseitigen – verbalen Angriffen. Immer wieder entladen sich Wut und Hass auch in handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Und die zunehmend überforderte Polizistin (Simone Neidhart)? Als die Meldung eintrifft, dass eines der Opfer verstorben ist, hat sie nur eine Sorge: „Jetzt sind wir das Nazi-Dorf. Und das alles nur wegen dieser Scheiß-Polacken!“ Mehr als alles andere zeigte ihre Reaktion, wie schnell sich fremdenfeindliches Gedankengut unterschwellig einschleichen kann. Nein, unschuldig war keiner der Protagonisten auf der Bühne, die in der Regie von Cüneyt Ogan realitätsnah, ungeschönt und ohne dramaturgischen Weichspüler agierten. Und das vor einem jungen Publikum, das mit größter Konzentration der eindringlichen Aufführung folgte.

Offene Diskussion

„Das haben wir nicht so oft“, räumte Ogan ein, der sich als künstlerischer Leiter mit dem Tourneetheater ganz der Präventionsarbeit verschrieben hat. Und die beschränkt sich nicht allein auf das Bühnengeschehen. Vielmehr nahm sich Ogan mit seinem Ensemble nach der Aufführung bewusst Zeit für eine offene Diskussion mit den Schülern. In Kleingruppen arbeiteten anschließend rund 40 Schüler das Thema gemeinsam mit den Schauspielern noch intensiver auf.

Die Geschwister-Scholl-Schule engagiert sich bereits seit vielen Jahren als „Schule gegen Rassismus“. Und viele der Schüler stehen selbst regelmäßig auf der Bühne der Schule und widmen sich dabei häufig auch kritischen Inhalten. Ein externes Theater begrüßten sie nun jedoch zum ersten Mal.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN