Konsenskandidat, aber unabhängig Hausbesuch bei Bad Laerer Bürgermeisterkandidat Tobias Avermann

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Betrachtet sich als idealen Bürgermeister für Bad Laer: Tobias Avermann setzt auf seine Verwaltungserfahrung. Ein gemeinsames Foto mit seiner Frau gab es nicht. Stefanie Avermann mochte sich nicht ablichten lassen. Foto: Philipp HülsmannBetrachtet sich als idealen Bürgermeister für Bad Laer: Tobias Avermann setzt auf seine Verwaltungserfahrung. Ein gemeinsames Foto mit seiner Frau gab es nicht. Stefanie Avermann mochte sich nicht ablichten lassen. Foto: Philipp Hülsmann

Georgsmarienhütte/Bad Laer. Nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Die Bad Laerer Bürgermeisterkandidaten sind im Stress. Rainer Recker und Tobias Avermann stellen sich und ihr Programm in Dorfgaststätten, Vereinen und Unternehmen vor. Was die beiden in den eigenen vier Wänden von sich erzählen? Ein Hausbesuch zur Kaffeezeit bei Tobias Avermann.

Ein Wohngebiet im Georgsmarienhütter Stadtteil Holzhausen, der Supermarkt ist zum Greifen nah. Ein bisschen Grün drumherum, viele Einfamilienhäuser. In einem hellgelben wohnt Tobias Avermann. Drinnen ein großer Holztisch, ein gemütliches Sofa. Kinderbücher leuchten im Regal. „Ahoi“ grüßt eine Karte an der Wand.

„Ja, hier wird gelebt“, sagt Tobias Avermann am Esstisch, während Tochter Pauline vorsichtig nach einem Schokoladenkeks greift und sich dann auf den Schoß ihrer Mutter Stefanie schmiegt. Die Siebenjährige sei der Grund, dass er auch als Bürgermeister nicht nach Bad Laer ziehen würde, erklärt Avermann. Zumindest nicht in den nächsten Jahren.

Der 41-Jährige ist Holzhauser durch und durch. Hier ist er aufgewachsen, als mittlerer von drei Brüdern. Als Kind sei er viel draußen gewesen: „Hausaufgaben und dann raus“, gern zum Freund vom Bauernhof. In Holzhausen war er Messdiener, aktiv in der kirchlichen Jugendarbeit. „Das war damals so“, erzählt Avermann, und er findet es gut so. „Ich habe mich dort sehr aufgehoben gefühlt.“ Fahrten nach Assisi, Gruppenstunden und Ferienlager, daran erinnert er sich gern, erst als Teilnehmer, dann als Betreuer. Die Kontakte halten bis heute.

Brav, aber nicht nur

Vor allem einer: „Wir haben uns in einem Jugendgruppenseminar kennengelernt“, berichtet Avermann über seine Frau. „Mit Steffi und Pauline habe ich zwei tolle Menschen an meiner Seite, die voll hinter meiner Bürgermeisterkandidatur stehen.“

Nach der Holzhauser Grundschule besuchte Tobias Avermann die Dom-Realschule in Osnabrück, die elfte und zwölfte Klasse absolvierte er auf der Abendschule. Er komme aus einfachen Verhältnissen, ein normales Studium sei nicht drin gewesen. Da habe eine Laufbahn zum Diplom-Verwaltungsbetriebswirt nahe gelegen.

Klingt alles sehr artig. Hat er niemals rebelliert? „Ich war schon brav“, findet Tobias Avermann, „aber auch lebhaft und engagiert“. Früh habe er in der Familie Verantwortung für sich und andere übernehmen müssen, das habe sich in Schule und Bundeswehrzeit fortgesetzt: „Wenn es irgendwo ein Gremium gibt, das besetzt werden musste, kam man oft auf mich – ohne dass ich mich nach vorne drängte.“ Dass ihn die Bad Laerer Ratsfraktionen gemeinsam gefragt hätten, ob er ihr Konsenskandidat werden möchte, passe da ins Bild.

Zehn Jahre war er weg aus Holzhausen, in Hannover und Osnabrück. Seit 2009 ist er wieder da. In Vechta, wo Avermann nach einem Aufstieg in den höheren Dienst seit vier Jahren Fachbereichsleiter für Personal, Organisation, Finanzen, Controlling, EDV und Kultur ist, hat er einen Zweitwohnsitz. Vorher war er allgemeiner Vertreter des damaligen Bad Laerer Bürgermeisters Holger Richard, davor beim Landkreis Osnabrück.

Lange Amtszeit ist gut für den Ort

„Damit bin ich jemand, der für das Bürgermeisteramt alles mitbringt“, findet Avermann. Ja, er sei schon ehrgeizig, „aber nicht um jeden Preis“. Die mit acht Jahren lange Bad Laerer Amtszeit sei gut, um Dinge voranzutreiben: „Bis wir zum Beispiel an den Heideseen in Gestaltungsmöglichkeiten kommen, gehen zwei bis drei Jahre ins Land. Aber wir haben das Potenzial und die Menschen suchen Wasser.“ Er auch: Um Stress abzubauen, ziehe er gern im Georgsmarienhütter Panoramabad seine Bahnen. Auch, weil er im Moment viel Zeit im Auto verbringe.

Hat er noch Kontakt zu seinem früheren Chef Holger Richard? „Wenn, dann nur zufällig.“ Im Übrigen hätten sie ein professionelles Per-Sie-Verhältnis gehabt. „Ich fand auch nicht alles gut und hätte manches gerne anders gemacht“, blickt Avermann zurück. Vielleicht sei das auch eine Motivation für seine Kandidatur. Wissen die Ratsfraktionen, die ihn unterstützen, dass er manche Entscheidung von Rat und Verwaltung seiner Jahre in Bad Laer kritisch sieht? „Ja, schon“, sagt Avermann.

Als Bürgermeister wolle er Entscheidungsprozesse begleiten, Ideengeber sein, moderieren. Wie sieht er sich selbst? „Offen, ehrlich, kommunikativ und auch lustig“, sagt Avermann und schaut zu seiner Frau. Die nickt.


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