„Politischen Filz energisch bekämpfen“ Bad Laer: Kandidat Recker stellt sich Westerwiedern vor

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Zum Dorfgespräch hatte Bürgermeisterkandidat Rainer Recker die Bad Laerer am Mittwoch nach Westerwiede eingeladen. Über 50 Interessierte kamen. Foto: Philipp HülsmannZum Dorfgespräch hatte Bürgermeisterkandidat Rainer Recker die Bad Laerer am Mittwoch nach Westerwiede eingeladen. Über 50 Interessierte kamen. Foto: Philipp Hülsmann

Bad Laer. Die Bad Laerer Bürgermeisterkandidaten sind auf Wahlkampftour. Am Mittwoch hatte Rainer Recker in die Westerwieder Bauernstuben eingeladen. 52 Bad Laerer, nicht nur Westerwieder, wollten hören, was der Bewerber zu sagen hatte, und stellten Fragen. Nach einer guten Stunde ging die Fragerunde in Einzelgespräche an den Tischen über. „Bewahren Sie Gutes, verändern Sie Schlechtes“, gab Recker seinen potenziellen Wählern zuvor mit auf den Weg.

Die Selbstvorstellung fiel kurz aus. Weitaus mehr Zeit nutzte Rainer Recker dafür, zu erklären, warum er Bürgermeister werden möchte – und was man in Verwaltung und Politik seiner Ansicht verbessern könnte. „Ich lebe gerne in Bad Laer“, schickte der 40-Jährige seinen Ausführungen voraus. Seit 20 Jahren arbeite er bei der TEN, kümmere sich als Diplom-Informatikbetriebswirt und Leiter der IT-Abteilung um Management- und Prozesssysteme: „Ich habe dort Einblick in alle Abteilungen.“

Dass er als Bürger von Entscheidungen immer erst erfahre, wenn Ausschuss und Rat ihr Votum gefällt haben, „über unsere Köpfe hinweg“, ärgere ihn sehr. Schon länger beschäftige ihn der Gedanke, dass sich daran etwas ändern müsse. „Ich möchte Ihre Meinung und Sichtweise kennenlernen, um daraus Schlüsse zu ziehen“, wandte sich Recker an die Bad Laerer. „Die Hinterstübchenpolitik und den politischen Filz, die Veränderungen in Bad Laer schwierig machen, werde ich energisch bekämpfen.“

Flächenmanagement fehlt

Bad Laer brauche jetzt einen unabhängigen, ortskundigen Bürgermeister und keinen Mann von außerhalb, der zudem vorbelastet sei, ging Recker auf seinen Konkurrenten Tobias Avermann ein und fragte: „Wie kann er Bürgermeister sein, ohne Bürger zu sein?“

Als Beispiel mangelhafter Planung in der Gemeinde kritisierte Recker das Flächenmanagement. „Wir alle kennen die Probleme: Es gibt keine Ortseinfahrt ohne Gewerbe, es fehlt an Bauland, Straßen und Wege sind marode: Hier muss dringend investiert werden.“ Vor allem aber fehle die Langfristplanung. Gerade erst habe die Gemeinde die Vermarktung von 30 Bauplätzen abgelehnt und der NLG den Vortritt gelassen.

Unverständlich sei auch, dass der Ort keine Bürger-App anbiete, mit Veranstaltungen, politischen Inhalten, allem, was man schnell und günstig veröffentlichen wolle. „Dort könnte jeder Bürger Löcher in den Straßen melden, damit diese rasch repariert werden können.“

Nach seiner Wahlkampfrede stieg Recker in die Diskussion mit den Zuhörern ein. Die erste Frage ging gleich ans Eingemachte. Braucht ein Bürgermeister Verwaltungserfahrung, wollte ein Zuhörer wissen. „Ich will Bürgermeister werden, nicht Sachbearbeiter“, antwortete Recker. Er sehe den Bürgermeister als Führungskraft und Bindeglied zwischen Bürgerschaft, Rat und Verwaltung. Seine Aufgaben: Organisieren, leiten, delegieren, Trends erkennen. „Wenn Parteien fordern: Der Bürgermeister soll verwalten, bedeutet das eben, dass er nicht mit den Bürgern reden soll“, sagte der Kandidat.

Von der Holschuld zur Bringschuld

Eine Frage, die auf unterschiedliche Weise mehrfach gestellt wurde, war diese: Dieser Rat wird Dich wohl nicht unterstützen. Denkst Du, dass Du trotzdem mit ihm klarkommst? „Auch der Rat wird von den Bürgern gewählt“, rief Recker ins Gedächtnis, „deshalb sollte er die Interessen der Bürger vertreten“. Das müsse man den Kommunalpolitikern im Zweifel deutlich machen.

Franz Vollmer hat es nicht geschafft, dagegen anzuarbeiten, da wurde ordentlich Druck aufgebaut, gab ein Zuhörer zu bedenken. Er kenne die Akteure im Rat, wisse, wie sie ticken, konterte Rainer Recker. „Ich kann mich durchsetzen und ich habe ein dickes Fell. Das verspreche ich Ihnen.“ Im Übrigen würden längst nicht alle Ratsmitglieder hinter dem Konsenskandidaten der Fraktionen stehen.

Wie wollen Sie Ihre Arbeit offen gestalten? „Ich will die Holschuld in eine Bringschuld umkehren: Wir müssen mitteilen, was die Verwaltung gerade beschäftigt, was der Rat tut. In Dorfgesprächen, über die Bürger-App.“ Wenn die Planung eines Gewerbegebietes anstehe, müssten die Meinungen der Betroffenen vorher eingeholt werden: „Ohne die Bürger geht es nicht.“

Wie sollen all die kaputten Straßen saniert, die Grünflächen ansehnlich gehalten werden? Für ganz Bad Laer stünden im Haushalt nur 200000 Euro für die Instandhaltung von Straßen und Wegen im Haushalt, berichtete Recker. Damit komme man nicht weit. Für die Pflege der Grünanlagen setze die Gemeinde 156000 Euro an, 120000 allein für den Kurpark. Statt die Arbeiten, wie im Moment, zu vergeben, könne die Gemeinde davon auch gut zwei eigene Mitarbeiter bezahlen, regte der Kandidat an.

Bürgermeister? Sofort

Traust Du Dir Verwaltung zu? Für Recker keine Frage: „Ich habe auch einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und arbeite bei der TEN verwaltungsnah.“ Im Übrigen werde er sich einarbeiten, „das sind verständliche Prozesse“.

Sind Sie auch Visionär, interessierte eine Mutter mit Blick auf Babyboom und fehlende Kita-Plätze: Recker präsentierte sich hier als Vertreter einer aktiven Politik: „Wir sollten die Geburtenzahlen nicht nur beobachten, sondern handeln. Dass man für Neugeborene schnell Kita- und Krippenplätze braucht, ist schließlich absehbar.“

Neuverschuldung oder Schuldenabbau, wofür stehen Sie? Primär müsse Bad Laer angesichts seiner hohen Prokopfverschuldung Schulden abbauen, so Recker. Die Schulden hemmten die Entwicklung des Ortes. Bei Straßen allerdings gelte: „Wenn man sie nicht instand hält, werden sie langfristig immer teurer.“

Warum engagieren Sie sich erst jetzt politisch, interessierte einen Zuhörer. 2016 habe er versucht, seine Ideen in eine Partei einzubringen, berichtete der Kandidat: „Ich habe festgestellt, dass das dort nicht möglich ist, zu verfilzt und eingefahren war es dort.“

Wann könntest Du als Bürgermeister anfangen, wollte ein anderer Zuhörer am Ende wissen. Er werde mit der TEN einen Aufhebungsvertrag schließen, sagte Rainer Recker: “Also theoretisch sofort“, und, wenn es nach ihm ginge, nicht nur für eine Wahlperiode.


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