„Energie fliegt in alle Richtungen“ Bad Laer: Kandidat Avermann stellt sich Hardensettenern vor

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Nach anfänglichem Zögern hatten die Hardensettener viele Fragen an Tobias Avermann. Foto: Gert WestdörpNach anfänglichem Zögern hatten die Hardensettener viele Fragen an Tobias Avermann. Foto: Gert Westdörp

Bad Laer. Wer wird Bad Laerer Bürgermeister? Rainer Recker und Tobias Avermann werben um Vertrauen – und Stimmen. Am Montag hatte Avermann ins Gasthaus Plengemeyer eingeladen. 50 Laerer kamen, hörten zu, was der Kandidat über sich zu erzählen hatte, stellten Fragen. Nach 53 Minuten waren die meisten Fragen beantwortet und Avermann machte nach dem Appell „Bitte gehen Sie wählen“ für Einzelgespräche an den Tischen Station.

Er habe sein Handwerk von der Pike auf gelernt und 25 Jahre Verwaltungserfahrung, erzählte der Kandidat in seiner Selbstvorstellung. „Bad Laer liegt mir am Herzen“, sagte der 41-Jährige. Dass man hier ausgehen, einkaufen, sich ausbilden lassen oder besondere soziale Einrichtungen nutzen könne, sei in anderen Orten keine Selbstverständlichkeit. Deshalb werbe er um Vertrauen.

Die Stimmungslage im Ort charakterisierte er so: „In Bad Laer fliegt die Energie in alle Richtungen“, er wolle sie gern kanalisieren. Schließlich wünschten sich die Bürger sachliche Auseinandersetzungen bei gemeinsamen Zielen. Unzufriedenheit sei unter anderem dadurch entstanden, dass die Bereiche Gewerbe, Versorgung, Bildung, Freizeit und Tourismus von der Gemeinde „ein bisschen ungleich“ bedacht worden seien, manchmal zu viel Geld in den Fremdenverkehr geflossen sei.

Auch die Flächenplanung lasse zu wünschen übrig: „Da sollten wir uns breiter aufstellen als mit der NLG“, nach Avermanns Ansicht könnte Bad Laer auch in Nachbarorten Flächen kaufen oder interkommunale Gewerbegebiete angehen. Angehen wolle er auch das Problem randalierender Jugendlicher auf dem Thieplatz und im Kurpark.

Bürger parallel zu Gremien informieren

Zu der von Bürgern gelegentlich vermissten Transparenz erklärte der Kandidat, den Status von Bebauungsplänen ins Netz stellen und ein Straßenkataster für schadhafte Straßen anlegen zu wollen. Bürger müssten künftig parallel zu den Gremien informiert werden.

Nach der Wahlkampfrede Avermanns hatten die Zuhörer das Wort. Und nach anfänglichem Stocken flossen die Fragen. Wie stellen Sie sich die Pflege des Kurparks vor? Mit der Optik der Anlagen seien viele unzufrieden, meinte Avermann. Letztlich sei das Outsourcing der vergangenen Jahre nicht sinnvoll gewesen. Auf die Nachfrage, ob er an der Entscheidung zur Auslagerung von Aufgaben zu externen Dienstleistern nicht selbst mitgewirkt habe, erklärte der Kkandidat: “Das hatte die Unternehmensleitung zu vertreten.“ Er wolle lieber auf Eigenverantwortung setzen, mit zwei Azubis und zwei Mitarbeitern arbeiten. „Da sollten wir schauen, ob wir für einen Kurort unserer Größe genügend Stellen in der Verwaltung haben.“

Wie wollen Sie die Probleme durch Falschparken und unerlaubtes Baden an den Heideseen lösen? „Da muss ein Rathaus-Team durchgreifen“, fand Avermann. Gemeinsam sollten die drei zuständigen Amtsleiter die Verantwortlichkeiten prüfen, „damit die Gremien eine Entscheidungsgrundlage haben“. Auch Ortsrat, Anwohner und Gewerbetreibende sollten beteiligt werden.

Vertrauen in die Einigkeit

Ein Zuhörer wollte wissen, wer Avermann als Kandidat ins Spiel gebracht, ihn angesprochen hat, und welche Motivation ihn bei seiner Bewerbung antreibe. Wer ihn angesprochen hat, ließ Avermann offen. „Da müssen Sie die Gremien fragen.“ Er habe sich seine Kandidatur gut überlegt und „Lust auf diese besondere Herausforderung“. Nachdem die Kollegen im Rathaus einen Superjob gemacht hätten, bräuchten sie fachliche Rückenstärkung.

Wie weit trauen Sie der Einigkeit im Rat? Der Fragesteller berichtete, wie er bei der Lektüre des Zeitungsberichts über Konsenskandidat Avermann „fast hintenrüber gekippt“ sei. Schließlich hätten die Fraktionen bisher eher gegeneinander gearbeitet und Bürgermeister Franz Vollmer „offenbar knallen lassen“. Avermann versicherte, an die neue Einigkeit zu glauben. „Wenn ich nicht glauben würde, dass wir das gemeinsam und mit Spaß hinkriegen, würde ich es nicht machen.“ Mut gemacht habe ihm die einstimmige Zustimmung der CDU-Mitgliederversammlung. Natürlich müsse in einem Rat auch mal gestritten werden, aber in gewissen Bahnen.

Wie Avermann der unglücklichen Verteilung von Gewerbeflächen über das gesamte Gemeindegebiet begegnen wolle, interessierte einen Zuhörer. Da habe er kein Patentrezept, sagte Tobias Avermann. „Die Ausweisung von Gewerbegebieten ist Bestandteil eines Flächenmanagements. Das ist nichts, was in einer Wahlperiode zu lösen ist.“

Selbst kümmern

Vor zwei Jahren sammelten Anwohner 300 Unterschriften für die Vervollständigung des Rad- und Fußwegs vom Hardensettener Kreisel bis zum Heideweg. Die Unterschriften seien in Akten verschwunden, trotz der Zusage, sie in die Gremien zu geben, berichtete ein Anlieger. Avermann versprach, sich im Falle seiner Wahl selbst zu kümmern. Besser noch sei es, vor dem Unterschriftensammeln ins Gespräch zu kommen.

Eine junge Mutter erzählte von ihrer aussichtslosen Suche nach einem Krippenplatz für ihr Baby. Der Babyboom habe auch ihn überrascht, sagte Avermann. In früheren Fällen sei aber immer eine Betreuungsmöglichkeit gefunden worden, ob im Nachbarort oder über einen Tagesmütter-Aufruf. Auch gebe es Überlegungen für eine neue Kita.

Viel sei in den vergangenen Jahren liegengeblieben, urteilte ein Zuhörer, der wissen wollte, woher das Geld für die Beseitigung der Missstände kommen soll. Aktuell sei die finanzielle Lage relativ entspannt, antwortete der Bürgermeisterkandidat. Bei der Gewerbesteuer gebe es wenig Luft nach oben. Die Einkommensteuer-Einnahmen seien sehr solide.


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