Schwarzer Qualm in Häusern und Gärten Grünwärme soll im Bad Laerer Holzheizwerk nachbessern

Von Stefanie Adomeit

Black Box? Das Holzheizwerk Up de Heuchte laufe nicht optimal: Immer wieder komme schwarzer Qualm aus dem Schornstein, beschweren sich Anlieger in der Ratssitzung. Foto: Achim KöppBlack Box? Das Holzheizwerk Up de Heuchte laufe nicht optimal: Immer wieder komme schwarzer Qualm aus dem Schornstein, beschweren sich Anlieger in der Ratssitzung. Foto: Achim Köpp

Bad Laer. Dass im neuen Holzheizwerk Up de Heuchte offenbar noch nicht alles astrein läuft, hat der Ratsvorsitzende Roland Hemsath nach eigener Erzählung selbst erlebt. Im Austausch von Experten und rund 20 Bürgern im Rat forderte dann auch Planer Frank Senge: „Wenn es Störungen gibt, müssen sie behoben werden.“

Das Heizwerk war durch die Fragen Heinz-Otto Babilons und Franz-Josef Buschmeyers auf die Tagesordnung gerückt. Ihre Fragen wurden an Betreiber Grünwärme weitergeleitet. Für die Antworten kamen drei Heizwerk-Experten nach Bad Laer: Senge, TEN-Projektentwickler Henrik Niemeyer und Pia Bäune von der Awigo. Die Grünwärme gehört Awigo und TEN.

Niemeyer stellte anhand einer Präsentation Funktionsweise, Materialaufbereitung und Eckdaten des Biomasse-Heizwerks vor, das zwei Großabnehmer und 207 Haushalte versorge und jährlich 1200 Tonnen CO2 einspare. Von Dezember 2017 bis April 2018 lief es im Probebetrieb. Vor zwei Wochen habe es allerdings noch einmal ein Problem in der Brennstoffführung gegeben, räumte Niemeyer ein: „Dem Kessel fehlte Material, er ging auf Störung.“

Weißer Dampf und schwarzer Dampf

Zur Frage nach partikelbelastetem Rauch erläuterte Niemeyer, dass es im Probebetrieb ein Problem mit der Einstellung des Holzkessels gegeben habe. Weißer Dampf aus dem Schornstein sei Wasserdampf, schwarzer könne nur entstehen, wenn die Verbrennung nicht sauber ablaufe. Das sei jetzt nicht mehr der Fall.

Die TEN sichere die Störungsbereitschaft und kümmere sich bei Beschwerden zeitnah. Eine Messung der Abgase, vorgeschrieben frühestens nach drei Monate ab Inbetriebnahme und spätestens nach zwölf, sei nur im Volllastbetrieb und deshalb aktuell nicht möglich. „Hin und wieder gibt es schon Geruchsbelästigungen und starken Qualm. Dann kann man auch nicht lüften, wie vor zwei Wochen“, berichtete Hemsath. Das Heizwerk sei eine gute Sache für die Umwelt, „nur müsse es auch funktionieren“.

Babilon und Buschmeyer waren mit Niemeyers Vortrag so unzufrieden wie die übrigen Zuhörer: „Unsere Fragen sind nicht beantwortet worden.“ „Es qualmt, dampft und stinkt“, ärgerte sich ein Zuhörer.

Hemsath schlug vor, die Ratssitzung für die Beantwortung der Fragen zu unterbrechen. Der Rat lehnte das mit den Stimmen der CDU ab. Einige Ratsmitglieder seien schon den ganzen Tag unterwegs, klagte Johannes Eichholz (CDU). Das gehe ihnen nicht anders, konterten die Zuhörer, „das ist ja bürgernah“, wunderte sich eine Frau, die 70 Meter vom Heizwerk entfernt wohnt.

Wirkungsgrad bei Teillast höher

Hemsath empfahl den rund 20 Zuhörern dann, mit Niemeyer und Bauamtsleiter Pelz in dessen Büro zu gehen. Für die Bürger keine Alternative: „Uns interessieren auch die übrigen Tagesordnungspunkte, und es steht ja auch noch eine Bürgerfragestunde auf der Tagesordnung.“ Die Fragen im Rat zu beantworten sprenge den Rahmen, beschwerte sich Siegfried Wellmeyer (CDU). Auch seien „viel zu wenig Bürger hier“.

Letztlich konnten Bürger und Fachleute nach der Ratssitzung in die Diskussion einsteigen. Nachdem es um den Wirkungsgrad ging, der, so der Planer, bei Teillast höher sei als bei Volllast, warf Buschmeyer in den Raum, dass Abgasgrenzwerte überschritten würden. „Das ist eine reine Vermutung“, konterte Senge. „Warum riecht es dann“, setzte Buschmeyer nach.

Eine Anwohnerin lud die Experten in ihr Schlafzimmer ein: „Es stinkt, als wenn direkt vorm Fenster ein Grill und ein Riesenkamin stehen. Dieser Gestank zieht durch die ganze Wohnung, allein im Mai mehrere Male und teilweise über zwei Tage.“ Senge empfahl der Grünwärme, die Geruchsbelastung zu überprüfen und mögliche Störungen zu beheben. Auch Hemsath forderte: „Sie müssen hart daran arbeiten, die Störungen zu reduzieren. Das ist ihre Verpflichtung.“

Bis zum Thieplatz

Bei Ostwind ziehe schwarzer Qualm durch Gärten und Häuser, im Mai gar bis zum Thieplatz, so ein Anwohner. Nein, Emissionen seien in der Erprobungszeit nicht gemessen worden, antwortete Niemeyer auf eine andere Frage, ebenso wenig eine eventuelle Belastung mit PCB, die ein weiterer Betroffener überprüft sehen wollte. Das Material der Grünabfallsammelplätze aber werde monatlich beprobt, ergänzte Pia Bäune. Man halte alle Auflagen ein.

Warum die Abgase nicht kontinuierlich direkt im Kamin überwacht werden, wollte Hubert Kaumkötter (BBL) wissen. „Das Messgerät kostet 100.000 Euro plus jährlich 5000 Euro“, sagte Senge. Auch sei eine Messung bei der Größe der Anlage nicht notwendig, so Niemeyer.

Nach dem Fund eines Feuerzeugs und des Fetzens eines Autoreifens bei einer Besichtigung des Heizwerks fragte Babilon nach einer Untersuchung des Brennmaterials auf Fremdstoffe. Plastik erzeuge schließlich giftige Emissionen. Dazu sagte Bäune: „Wir garantieren unter ein Prozent an Störstoffen.“ Da müsse das Reifenteil schon ganz klein gewesen sein. Zehn mal Zentimeter, konkretisierte Babilon, der auf seine Bitte hin einen Kubikmeter Brennmaterial erhält, um sich selbst ein Bild zu machen.

Eichholz lobte das Heizwerk als „Vorzeigeprojekt für den Klimaschutz.“ „Ohne die Anlage gäbe es hier weniger CO2“, war dagegen Kaumkötter sicher. Nach den Sommerferien soll es eine Info-Veranstaltung am Heizwerk selbst geben. Das versprach Grünwärme-Chef Christian Leugers.