Karfreitag gibt’s Hefepuffer in Bad Laer Für eine Fastenspeise viel zu lecker: Struwen

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Bad Laer. Das Fett blubbert in der Pfanne, die Teigfladen wölben sich gemächlich zum Himmel. Maria Peters backt Struwen. „Seit mindestens 40 Jahren“, lacht sie. Den Geschmack der Hefepuffer kennt die Bad Laererin noch viel länger. „Karfreitag ging ich immer zu unseren Nachbarn, die backten für alle Kinder rundrum“.

Karfreitag ist als Todestag Jesu ein besonderer Tag im Kirchenjahr, für die Protestanten gar der höchste kirchliche Feiertag. Für gläubige Katholiken gehört das Fasten an diesem Tag so wie an Aschermittwoch einfach dazu. Fleisch und Wurst sind tabu. Fisch war nicht überall erhältlich. Machte aber nichts. Denn Eier, Milch und Butter sind erlaubt.

Damit hat die klassische Fastenspeise der Westfalen und der Menschen im Osnabrücker Land so gar nichts mit Verzicht zu tun. Denn Karfreitag werden hier noch immer die traditionellen Struwen gebacken, früher für den ganzen Tag, heute eher für das Mittagessen oder den Kaffeetisch. Die luftigen Hefepuffer mit Rosinen sind für viele der kulinarische Karfreitagsstar.

Für die Freckenhorster Stiftsdamen

Und der süße Struwen hat Geschichte. Im Jahr 1090 hatte ihn Bischof Erpho für die Stiftsdamen des Klosters Freckenhorst als rechte Fastenspeise bestimmt.

Das Wort soll sich vom altsächsischen „struva“ ableiten, es steht für etwas Krauses oder Gekräuseltes. Und so ein bisschen gekräuselt sieht der Rand eines gut ausgebackenen Struwen ja auch aus. Der Teig lässt sich perfekt vorbereiten. Es bleibt also genügend Zeit für die Karfreitagsliturgie.

Maria Peters kann sich noch gut an die Jahre erinnern, als ihre Kinder klein waren und ihre gesamte Küche voller hungriger Nachbarskinder stand, die sich auf die heißen Struwen freuten, die sie einen nach dem anderen aus der Pfanne fischte. „So frisch schmecken sie am besten“, findet die 64-Jährige. Aber auch aufgewärmt oder kalt seien die Hefepuffer lecker. Dazu gehöre ein ordentlicher Kump Milchkaffee oder Muckefuck.

Für jede Etage 120 Puffer

Auch für die Bewohner der Blomberg-Klinik hat sie schon Struwen-Teig angerührt. Für jede Etage des Seniorenheims aus drei Kilo Mehl.

Wie Maria Peters engagiert sich auch Ludwig Wahlmeyer für den Bad Laerer Arbeitskreis Heimatmuseum. Der Hobbyhistoriker weiß: „Schon in Versmold oder Bad Rothenfelde kennt man die Struwen nicht, dafür aber in Wallenhorst.“

Wallenhorst ist eben katholisch, Versmold und Bad Rothenfelde sind es nicht. „Und das Struwenessen stammt aus einer Zeit, in der die Kirche die Sitten und Gebräuche bestimmte“, erklärt Wahlmeyer.

Er erinnert sich gerne an seine Kindheitsjahre, „als wir an Karfreitag dreimal am Tag Struwen bekamen. Wir haben nichts vermisst“.

Im Pulk standen die Kinder vom Hardensettener Hof und die aus der Nachbarschaft auf der Diele: „Die erste halbe Stunde war nur Direktverzehr.“ Abends gab es die Struwen dann kalt mit Sirup. „Hinterher leckten uns die Hunde die Mundwinkel sauber. Krank geworden sind wir davon nie.“


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