Vorzeitiger Ruhestand Bad Laerer Bürgermeister geht: Schweren Herzens entschieden

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Im November 2014 trat Franz Vollmer sein Amt als Bad Laerer Bürgermeister an. Foto: SeilerIm November 2014 trat Franz Vollmer sein Amt als Bad Laerer Bürgermeister an. Foto: Seiler

Bad Laer. Franz Vollmer kehrt nicht ins Rathaus zurück. Der Bad Laerer Bürgermeister hat einen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand gestellt. Schwerwiegende gesundheitliche Probleme seien der Grund, äußert sich der 52-Jährige erstmals zu seinem Befinden.

Diese hätten ihn gezwungen, über seine Zukunft als Bürgermeister intensiv nachzudenken. Die Entscheidung, sein Amt aufzugeben, sei ihm nicht leicht gefallen. Sie trage aber sowohl seiner angeschlagenen Gesundheit als auch dem Wohl der Gemeinde Rechnung. Ein Amtsarzt muss nun feststellen, ob Vollmer dienstunfähig ist. Die Amtszeit des Bürgermeisters endet am 31. Dezember 2021.

„Das Bürgermeisteramt erfordert ausnahmslos vollen Einsatz und dementsprechend auch einen sehr stabilen und auch ‚robusten‘ Gesundheitszustand. Da die volle Wiederherstellung meiner Gesundheit momentan nicht absehbar ist, kann es nur folgerichtig sein, das Amt aus Gründen einer kontinuierlichen Aufgabenerledigung schnellstmöglich durch Wahlen neu zu besetzen. Dass ich mir meinen beruflichen Weg in Bad Laer anders gewünscht hätte, bedarf sicher keiner weiteren Erläuterung“, schreibt Vollmer.

Zum zweiten Mal erkrankt

Er dankt den Bad Laerer Bürgern und den Mitarbeitern der Verwaltung für die gemeinsame Zeit, ihre Unterstützung und ihr Wohlwollen. „Meiner Nachfolgerin/meinem Nachfolger wünsche ich schon jetzt eine glückliche Hand, viel Erfolg und eine harmonische Zusammenarbeit mit den politischen Vertretern der gewählten Selbstverwaltungsgremien.“

Vollmer war bereits im Frühjahr 2017 mehrere Monate ausgefallen. Aktuell ist er seit Oktober 2017 erkrankt. Beamtenrechtlich ist es möglich, einen Bürgermeister in den Ruhestand zu versetzen, wenn er wegen seines körperlichen Zustands oder gesundheitlicher Gründe zur Erfüllung seiner Dienstpflichten dauernd unfähig, also dienstunfähig ist.

Die „Bürger für Bad Laer“ hatten Vollmer 2014 als damals stärkste Fraktion in einem Auswahlverfahren einstimmig zum Kandidaten gekürt. Vollmer war Leiter einer Bauabteilung im Rheda-Wiedenbrücker Rathaus. Er sollte die Alternative zu Holger Richard sein, damals 17 Jahre im Amt. Die Ziele des Newcomers: Abbau der Schulden und Angebote für Jugendliche, vor allem aber Offenheit, Transparenz und Bürgerbeteiligung: „Politik im Verborgenen halte ich für grundfalsch.“

Erfolgreicher Wahlkampf

Das Konzept traf einen Nerv: Vollmer wurde im Mai 2014 mit 67 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. BBL-Fraktionschef Uwe Frerig sprach von einem historischen Tag: „Ein Nicht-Bad-Laerer und Nicht-Unions-Mann wird Bürgermeister“. Richard verließ geschlagen das Rathaus.

Beim Amtsantritt erwarteten Vollmer Hürden: Im Rathaus fand er eine verschlossene Bürotür und dahinter viel Leere vor. Keine Ordner, keine Sekretärin, dafür eine konfliktbeladene Personalangelegenheit, über die in einer Viertelstunde zu entscheiden war. In seiner Antrittsrede wünschte sich Vollmer denn auch, „dass unsere Debatten im Rat von einem Geist geprägt sind, der um das Gemeinsame weiß“.

Dabei blieb es nicht lange. Der Rat griff die Arbeit des Gemeindeoberhauptes ungewöhnlich häufig an. Beim ersten Mal echauffierte sich gleich der gesamte Rat über Vollmers, so der Vorwurf,„eigenmächtiges Handeln“. Der wollte die Freiburger Kegel, die dem Linienbusverkehr im Wege standen, maßvoll reduzieren. Das war zwar lange und noch von Vorgänger Holger Richard so geplant, der Rat wollte dennoch erneut gefragt werden. Dass Vollmer eine Ausschusssitzung des Wasserbeschaffungsverbands Süd versäumte, in dem er, wie sich herausstellte, gar nicht Mitglied war, warfen ihm SPD und CDU vor.

Pensionen für zwei Bürgermeister

Beim ersten gemeinsamen Handgiftentag dankte Johannes Eichholz (CDU) dem Bürgermeister, „dass Sie es mit uns aufnehmen“ und forderte ihn auf: „Bleiben Sie bei der Stange. Pensionen für zwei Bürgermeister kann sich der Ort nicht leisten.“

Die nächste Diskussion entzündete sich an der Forderung der Bad Laerer Ampel und der CDU, Rats- und Ausschussprotokolle innerhalb von zwei Tagen ins Netz zu stellen. Kaum möglich, sagte die Gemeinde. Verstehen wir nicht, sagten CDU und Ampel. Eine BBL-Vertreterin wunderte sich: „Unter Richard sind diese Forderungen nicht gekommen.“

Im März 2015 kündigte Vollmer in einem Brandbrief seinen Rücktritt von der Geschäftsführung der Solevital-Betriebsfirma an. Der Grund: die mangelnde Unterstützung eines Teils der Gesellschafter. Vollmer blieb dann doch Chef, bis 2016 zwei Geschäftsführer engagiert wurden.

Als im gesamten Landkreis das Thema Gesamtschule diskutiert wurde, kritisierte Eichholz den Bürgermeister, er kümmere sich nicht genügend darum, eine IGS im Südkreis zu verhindern: „Wir müssen ihnen auf die Sprünge helfen. Sie haben die Brisanz nicht erkannt.“ Vollmers Kurs sei „Wischi-Waschi“, unterstützte Hemsath den Fraktionskollegen. „Ich erwarte, dass Sie uns demnächst wahrheitsgemäß unterrichten“, legte Eichholz nach. „Davon dürfen Sie ausgehen“, reagierte Vollmer auf die unterschwellige Unterstellung. Am Ende verabschiedete der Rat den von der Verwaltung vorgelegten Beschlussvorschlag.

Vorwürfe von allen Seiten

Im Mai 2016 warf die Ampel dem Bürgermeister Passivität in Sachen Grundstückserwerb für Häuslebauer vor. Nach Informationen unserer Redaktion soll der Rat Vollmer allerdings mit unrealistisch niedrigen Preisvorgaben zu den Grundstückseigentümern geschickt haben.

Einen Monat später kritisierte die SPD: Vollmer habe ohne Vorgespräche mit den Fraktionen Mitarbeiter eingestellt. Seine Antwort: „Wir haben Stellen wiederbesetzt, die vakant waren, in enger Abstimmung mit der Politik.“ Das blieb unwidersprochen.

Das Verhältnis zwischen Rat und Bürgermeister blieb gespannt, Franz Vollmer ein Einzelkämpfer. Er schaffte es in den vergangenen dreieinhalb Jahren nicht, Allianzen und verlässliche Bindungen aufzubauen. Selbst die BBL war unzufrieden mit „ihrem“ Wunschkandidaten. Wohlmeinenden Beratern hörte er wohl nicht immer zu. Die Fraktionssprecher wollten sich am Dienstag nicht zum Ausscheiden des Bürgermeisters äußern.


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