Filigran und detailreich gearbeitet Bad Laerer Sammler stellt im Museum Margarine-Figuren aus


iza Bad Laer. Olympioniken mit ihren Sportgeräten, Bauern auf dem Feld, Jäger im Gelände – im Heimatmuseums Bad Laer bevölkern Miniaturfiguren, Regale, Tische und Vitrinen. Der Laerer Peter Weymar hat in den 1950er Jahren so genannte Margarine-Figuren der Firma Homann gesammelt und stellt diese zur Saisoneröffnung aus.

Bad Laer. Der Besucher mochte sich zur Eröffnung der Ausstellung vorkommen wie Gulliver im Land der Liliputaner. Aus der Höhe herab sah er auf ganze Armeen von Figuren, die nur wenige Zentimeter groß eine Lebenswirklichkeit abbildeten, wie sie der Vorstellungskraft der Menschen der 1940er/1950er Jahre entsprach. Afrikanische Dorfszenen, Posaunen blasende Engelschöre, Sportler der Olympiade, Rennautos, Tanzpaare – alles geschaffen für die Sammellust von Kindern. Und Werbung für die Produkte des Margarineherstellers Homann.

Bitterer Beigeschmack

Heute hinterlässt der Firmenname bei manchen Menschen im Südkreis wegen der wahrscheinlichen Werksschließung in Dissen und Bad Essen einen bitteren Beigeschmack. Doch vor 60 Jahren schlugen die Kinderherzen bei der Erwähnung höher. „Es hat damals so kurz nach Ende des Kriegs ja wenig Spielzeug gegeben, da waren diese Figuren für jeden von uns einfach unbeschreiblich wichtig“, erklärte Peter Weymar in seiner Eröffnungsrede. Wie heute Fußballbilder gesammelt werden, stürzten sich die Jungs damals auf den Einkaufskorb der Mutter und sahen nach, ob sie Margarine oder andere Fettprodukte von Homann gekauft hatte. Denn dann bestand die Chance, dass sie auch eine neue Figur mitgebracht hatte, die gleich der Sammlung einverleibt werden konnte.

Idee der Produktwerbung

Wie viele der Figuren er heute in seinem Besitz hat, kann der pensionierte Realschullehrer nicht sagen. Einige Tausend sind es sicherlich. „Als im Vorfeld der Ausstellung jetzt die Medien darüber berichtet haben, riefen mich Menschen aus der Umgebung an, die mir weitere geschenkt haben.“ Die Idee für diese Art von Produktwerbung hatten Firmenchef Fritz Homann und der Fabrikant Richard Sieper aus Lüdenscheid, berichtet Rolf Westheider, Mitglied des Museumsvereins. Sieper, der später mit den Siku-Autos groß auf dem Spielzeugmarkt herausgekommen ist, hatte während der Kriegszeit unter anderem Anstecknadeln und ähnlichen „Kleinkram“ für das von den Nazis ins Leben gerufene Winterhilfswerk produziert. Nach Ende des Krieges wurde die Spritzgusstechnik des Unternehmens in die Friedenszeit überführt – und die Figuren aus Hartplastik hergestellt, von denen jetzt einige in Bad Laer zu sehen sind.

In Aller Munde

Die Werbeidee kam an und Homann war wortwörtlich in aller Munde. Die Figuren waren filigran gearbeitet, detailreich und in der Produktion teuer. „Deshalb wurde sie ab Mitte der 1950er Jahre eingestellt. Bis Anfang der 60er gab es wohl noch Restbestände, dann war der Markt leer“, so Weymar. Er behielt sie in seinem Besitz, bewahrte sie im Keller seines Hauses auf. Als das Thema der Abwanderung Homanns aus dem Osnabrücker Land konkret wurde, hatte er zusammen mit seiner Tochter Maike Schulte die Idee zu der Ausstellung.

Erinnerung an Kindheit

Damit hat Weymar und auch die Museumsleitung um Ludwig Wahlmeyer ins Schwarze getroffen. „Wer sich Zeit nimmt, wird hier viel sehen können“, versprach Wahlmeyer bei der Eröffnung, und das ohne zu übertreiben. Ein Rundgang ist eine Reise in eine Miniaturwelt, die die Fantasie anregt und die Älteren an ihre Kindheit erinnert. Da leuchteten so manche Augen, als sie des Zoos mit den exotischen Tieren gewahr wurden, die Armada von Flugzeugen auf einem Rollfeld oder gar eine Deutschlandkarte mit markanten Sehenswürdigkeiten, die, natürlich, aus Spritzguss gefertigt waren. Peter Weymar wurde immer wieder von Besuchern angesprochen, die ihm Figuren zeigten, die sie in kleinen Döschen, auf Watte gebettet, mitgebracht hatten. Man bat ihn um seine Expertise, die er auch jedes Mal abgab. „Es ist eine richtige Freude für mich zu sehen, dass nicht nur ich allein, sondern auch viele andere diese kleinen Figuren wertgeschätzt haben und noch heute Freude daran haben“.