Flüssigdünger kann nicht ausgebracht werden Regenwetter verschärft Gülleproblem in der Region

Von Harald Preuin


Osnabrück. „Wir versuchen es in den nächsten Tagen auf Sandboden“. Andreas Spiering weiß, dass das nur eine kleine Hilfe bedeutet. Äcker und Grünland sind wassergesättigt, und deshalb für Gülle & Co. gesperrt.

Andreas Spiering (32) hat einige Sandinseln entdeckt, sie machen etwa 15 Hektar aus. „Doch das ist nicht mal ein Prozent der Kundenflächen, die wir düngen sollen“, erläutert der Chef des Lohnunternehmens Scheiper in Bad Laer.

Landwirte hadern mit dem Wetter

Seit vier Monaten hadern die Landwirte mit dem Wetter. Schon im Herbst waren die Böden so nass, dass keine Gülle mehr ausgebracht werden konnte. Mit dem Grundwasserspiegel stieg auch der Güllepegel in den Sammelbehältern auf den Höfen. Schweine- und Rindviehhaltern bleibt bis heute die Hoffnung, dass die Regenfronten sich schnell verziehen. Doch auch wenn schlagartig trockenes Wetter aufziehen würde, dürfte es noch einige Zeit dauern, bis Äcker und Grünland wieder befahrbar sind.

„Wir müssen unsere Böden unbedingt schonen“, sagt Hermann Dörmann (54) aus Bissendorf. Der Schweinehalter hat seit August keinen Flüssigdünger mehr ausgebracht – wegen der nassen Witterung. In der Sperrzeit war das Ausbringen von Dünger auf Ackerland (1. November bis 31. Januar) und auf Grünland (15. November bis 31. Januar) ohnehin untersagt. Ausnahmen mussten bis Ende Oktober begründet und kostenpflichtig beantragt werden.

200 Euro für die wasserwirtschaftliche Genehmigung

Der Landkreis Osnabrück hatte im Dezember betroffenen Landwirten in Aussicht gestellt, ihren Wirtschaftsdünger vor Ende der Sperrfrist ausbringen zu können. Die erforderliche wasserwirtschaftliche Genehmigung schlug mit 200 Euro zu Buche, plus Auslagen. Detlef Wilcke vom Fachdienst Wasserwirtschaft des Landkreises machte auf Anfrage deutlich, dass von dieser Möglichkeit kein Landwirt Gebrauch gemacht hat. Möglicherweise lag es auch daran, dass die schweren Gülletransporter auf den wassergesättigten Böden einfach nicht fahren konnten, ohne schwere Schäden anzurichten.

Dass Schweinehalter Dörmann dennoch kein Problem mit der hochschwappenden Gülle hat, liegt an seinem neuen Sammelbehälter, der 1500 Kubikmeter fasst. Entsprechend groß ist seine Kapazität, die er schon einem Nachbarn und einem befreundeten Landwirt zur Verfügung gestellt hat, die an ihre Lagergrenzen gestoßen sind. Dörmanns neuer Pott ist aber nicht wegen der momentanen Lage entstanden, so schnell geht das nicht. Die Baugenehmigung beantragte er vor drei Jahren, in Betrieb ging das Güllelager vor einigen Wochen samt sensibler Leckerkennung und einer Bedachung, die allein rund 30000 Euro gekostet hat.

Bevor die Behälter überschwappen ...

Während Dörmann in einer komfortablen Lage ist, hat Andreas Spiering mehrere Hilferufe auf dem Tisch.

Bevor die Behälter überschwappen, beißen einige Landwirte in einen sauren Apfel. Sie lassen von Spiering ihren eigentlich kostbaren Flüssigdünger abfahren. Nachfrager gibt es besonders in Regionen, in denen es kaum Viehhalter, stattdessen fast nur Ackerbauern gibt. So fahren Spierings Gülletanker nach Warburg (150Kilometer) und sogar in die Eifel. Dabei kommen schnell mal hin und zurück über 500 km zusammen. Die Kosten bezahlt der abgebende Landwirt. Das kann teuer werden. Schweinehalter sprechen von Kosten zwischen fünf und zehn Euro pro Mastschwein.

Katharina Lingemann (29) vom Lohnunternehmen B+L schöpft derzeit alle Möglichkeiten aus, um ihren Kunden zu helfen. Allerdings sind die Güllebehälter bei B+L bereits mit 3500 Kubikmeter gefüllt. Deshalb sucht sie Lagerkapazitäten für ihre Kunden. Dabei geht es auch um stillgelegte, aber funktionsfähige Behälter von aufgegebenen Betrieben.

Bernd Hannemann (50) aus Glandorf berichtet, dass seine sandigen Äcker nicht befahrbar sind. Außergewöhnlich war, dass das Wasser darauf mehrere Tage gestanden hat: „Das haben wir bestimmt 20 Jahre nicht gehabt“. Die Aufnahmekapazität seiner Sammelbehälter wird in etwa vier Wochen erschöpft sein. Bis dahin sollte sich das Problem erledigt haben, hofft er. Hendrik Große-Schawe (30) aus Lüstringen, dessen Betrieb in einem Wasserschutzgebiet liegt, hat vor einigen Jahren einen neuen Behälter gebaut, der ihm zurzeit noch eine Kapazität von etwa vier Wochen garantiert.

Lagerpuffer sind bald erschöpft

Der Lagerpuffer von Milchbauer Heiner Kolkmeyer aus Osnabrück-Atter wird sich Mitte Februar erschöpfen. Benno Brandwitte (47) aus Glandorf zeigt sich noch halbwegs entspannt. Wie Kolkmeyer hat er mit Berufskollegen über Zwischenläger nachgedacht, hofft aber auf Wetterbesserung. Ansonsten trifft es ihn in 14 Tagen: Gülleabgabe an Ackerbauern in der Soester Börde. „Der Transport könnte bis zu 20 Euro pro Kubikmeter Gülle kosten“, fürchtet Brandwitte.