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Warten, dass es weiter geht Wie leben Flüchtlinge in der Jugendherberge Bad Iburg?

Von Annalena Klein | 27.10.2015, 11:45 Uhr

Die Jugendherberge Bad Iburg ist seit Oktober Außenstelle der Landesaufnahmebehörde (LAB) Bramsche: Momentan leben dort 119 Flüchtlinge aus fünf Nationen, 50 von ihnen sind Kinder. Versorgt werden sie von den Johannitern und Freiwilligen des Arbeitskreis Asyl. Welche Arbeit leisten die Freiwilligen, welche Sorgen haben die Bewohner?

Kinder laufen durch die Eingangshalle der Jugendherberge, andere spielen Tischkicker; Erwachsene sitzen zusammen, trinken Kaffee, Rauchen oder spielen Karten. Auf den ersten Blick alltäglich für eine solche Einrichtung. Doch die Menschen verbringen hier nicht ihren Urlaub – sie warten.

119 Menschen aus fünf Nationen

Seit Oktober ist die Jugendherberge in Bad Iburg Außenstelle der Landesaufnahmestelle (LAB) Bramsche. Innerhalb von zwei Wochen haben etwa 70 Flüchtlinge aus Bramsche-Hesepe die Iburger Herberge erreicht, vergangenen Samstag kamen noch einmal etwa 40 Männer, Frauen und Kinder dazu. Sie warten in Bad Iburg auf ihre Verteilung in die Kommunen.

„Mit 119 Flüchtlingen sind wir jetzt relativ ausgelastet“, so Kai Müller, Dienststellenleiter der Johanniter. Insgesamt sechs Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe betreuen die Menschen aus Syrien, Afghanistan, Albanien, Mazedonien und dem Irak. Täglich sind je zwei Sozialpädagogen und Erzieherinnen vor Ort.

Beschäftigung für die Kinder

Zu festen Zeiten spielen die Erzieherinnen täglich mit den Kindern in Spielräumen: Toben, Lernspiele, Singen. Die Verständigung mit den Kindern klappe sehr gut, sagt Erzieherin Bianca Schowe.“Wir machen das ohne Dolmetscher, dafür mit Hand und Fuß. Wir arbeiten mit bestimmten Ritualen und die Kinder lernen sehr schnell.“

Sechs Stunden täglich können die Kinder in den Spielstuben verbringen. Die Grundeinrichtung sei in der Herberge schon vorhanden gewesen, das Team der Johanniter habe dazu noch Knete, Spielzeugautos und Lego besorgt.

Im Gegensatz zu Bramsche sei die Herberge in Bad Iburg eine „Oase“, sagt Müller. „Deshalb werden hier auch vornehmlich Familien untergebracht.“ Das kleinste Zimmer habe zwei Betten, das größte sei ein Acht-Bett-Zimmer.

Kurse für Erwachsene

Und die Eltern? Die Erwachsenenbeschäftigung müsse erst noch „kanalisiert werden“, sagt Sozialpädagoge Holger Gödecker. Es hätten sich pensionierte Deutschlehrer aus Bad Iburg gefunden, die ab sofort ehrenamtlich Deutschkurse geben; ebenso biete die VHS jetzt einen „Wegweiserkurs“ an, 30 Stunden die Woche.

Die ehrenamtlich tätigen Deutschlehrer haben sich über den Arbeitskreis Asyl in Bad Iburg organisiert: „Die Ehrenamtlichen haben große Freude an dieser sinnvollen und notwendigen Arbeit“, sagt Thomas Puke von Arbeitskreis Asyl. „Und die Rückmeldungen der Asylsuchenden sind positiv.“

Viel Spazierengehen

Neben der Vermittlung von Sprache und Kultur haben diese Kurse einen weiteren Vorteil: „Die Erwachsenen haben tagsüber etwas zu tun“, sagt Gödecker. In den vergangenen zwei Wochen hätten die Bewohner sonst nur spazierengehen oder einkaufen können.

Der Sozialpädagoge und seine Kollegin Aline Czogalla haben Listen ausgelegt, in die die Bewohner Tätigkeiten eintragen können, „auf die sie Bock haben“, so Czogalla. „Wir planen das alles mit den Bewohnern zusammen.“

Gegenseitige Hilfe

Überhaupt sei die gegenseitige Hilfe „richtig toll“, wie Holger Gödecker erklärt: „Es gibt keine Streitigkeiten unter den Bewohnern – von einzelnen lautstarken Diskussionen einmal abgesehen.“ Die Trennung nach Nationalitäten habe man nach einiger Zeit aufgegeben: „Wenn alles voll ist, geht das eh nicht mehr.“ Aber das sei in Bad Iburg auch nicht nötig.

Unterstützung für die Helfer

„Die Menschen sind sehr kooperativ. Hat man ihnen weitergeholfen, möchten sie sich sofort revanchieren“, sagt Gödecker. Besonders bei Kommunikationsproblemen kommen die Helfer auf die Flüchtlinge zu. Shadi Barakat aus Syrien etwa hilft als Dolmetscher, da er gut Englisch spricht. Shadi Barakat lebt seit dem 5. Oktober in der Jugendherberge und wartet darauf, wie es mit ihm weiter geht.

Die Frage nach dem „Wie lange?“

„Das ist die größte Frage, die die Flüchtlinge hier bewegt: Wie lange sie hierbleiben“, erklärt Holger Gödecker. „Mit drei bis vier Wochen muss man schon rechnen, bevor die Menschen auf die Kommunen weiter verteilt werden. Wenn alle Systeme funktionieren, auch in zwei“, sagt Conrad Bramm, zukünftiger Leiter der Außenstelle in Bad Iburg und ehemaliger Leiter der LAB Bramsche.

Mit „funktionierenden Systemen“ meint Bramm die Registrierung, aber auch, dass alle Flüchtlinge die jeweiligen Termine wahrnehmen. Bad Iburg habe dabei eine Sonderstellung: „Die Flüchtlinge werden in Bramsche aufgenommen, hierhergefahren, zur Erstuntersuchung nach Osnabrück und dann wieder hier her“, so Bramm.