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Über 340 bei Online-Umfrage FDP ist der politische Gewinner der Iburger Krise

Von Stefanie Adomeit | 09.12.2015, 13:48 Uhr

Wenn am Sonntag Kommunalwahl wäre, welche Partei würden Sie wählen? 28 Prozent würden ihr Kreuzchen wohl bei der FDP machen. Das größte Stück der Diagrammtorte nimmt aber keine Partei, sondern Ratlosigkeit ein. Ein Drittel aller, die sich an der Online-Umfrage des Projekts „360 Grad“ beteiligt haben, möchten sich für keine der genannten Parteien entscheiden. Unter der Überschrift „Ist Bad Iburg fit für die Zukunft“ hat der frühere Laga-Fördervereinsvorstand die Bürger gefragt, wie sie Bad Iburg sehen.

Das Ziel? Allgemein gesprochen: „Wir wollen etwas für die Zukunft Bad Iburgs tun, weil es uns am Herzen liegt.“ Und konkret: „Wir möchten den Anstoß zur Gründung einer Wählergemeinschaft geben und Interessenten zusammenführen. Denn wenn sich an den politischen Verhältnissen etwas ändern soll, ist es jetzt Zeit. In neun Monaten ist Kommunalwahl.“

Sieben Wochen lang hatten die Iburger Gelegenheit zum Abstimmen. 347 haben die zehn Fragen der Initiatoren Uwe Diekhoff, Ulf Henkefend, Drago Jurak, Wolf Poppensieker, Mathias Pohlmann, Holger Bäumker, Susanne Schulz und Dirk Lührmann beantwortet. Die Ergebnisse würden manche Ratspartei von ihren Sitzen in dem Gremium kippen.

Dem neuen Laga-Fördervereinsvorstand gratuliert der alte. „Er hat einen tollen Job gemacht“, lobt Uwe Diekhoff. Dass 55 Prozent der Iburger zum Bürgerentscheid gegangen sind , könne sich auch der Verein auf die Fahne schreiben. Nun sei ein Schulterschluss von Laga-Gegnern und -Befürwortern notwendig.

CDU weit abgeschlagen

Bei der Sonntagsfrage kommt die SPD auf 16 Prozent. Das entspricht in etwa den tatsächlichen Verhältnissen im Rat (19,5 Prozent), heißt aber auch, dass die Sozialdemokraten von ihrer Unterstützung der Laga nicht profitieren konnten.

Weit abgeschlagen landet dagegen die CDU bei 9,5 Prozent Zustimmung. Bei der letzten Kommunalwahl waren es 49,5 Prozent.

Die Grünen erhalten fünf Prozent der Stimmen (Kommunalwahl: 9 Prozent), andere vier Prozent. Ein Prozent der Online Abstimmenden erklärt: „Ich gehe nicht wählen.“

Das Vakuum derer, die sich mit keiner etablierten Partei anfreunden wollen, hält „360 Grad“ für eine gute Basis für eine politische Alternative. „Da geht noch was“, resümiert Diekhoff.

Verantwortung der Politiker

Die Unzufriedenheit mit den Akteuren im Rat zeigt sich auch in den Antworten auf die Frage „Wer oder was ist ursächlich oder verantwortlich für die augenblickliche Situation von Bad Iburg“. 54 Prozent kreuzten „Die derzeitigen politischen Verhältnisse in Bad Iburg“ an. 27 Prozent sehen auch die Verwaltung in der Verantwortung. „Den fehlenden Bürgerwillen“ diagnostizieren elf Prozent als Ursache. Auch hier waren mehrere Antworten möglich. Die Beurteilung zieht sich im Übrigen durch alle Altersgruppen.

Ganz konkret haben die Initiatoren auch die Arbeit des Stadtrates bewerten lassen: Das Resultat: 60 Prozent halten sie für mangelhaft, weitere 24 Prozent für ausreichend. Sehr gut sagen 0,6 Prozent, gut 5,2 und befriedigend 11,3 Prozent.

Besonders unzufrieden ist die Altersgruppe der 46- bis 65-Jährigen. 69 Prozent von ihnen bescheinigen dem Rat mangelhafte Arbeit.

Dass der Stadtverwaltung auch nicht das allerbeste Zeugnis ausgestellt wird (befriedigend: 32 Prozent, ausreichend: 34 Prozent, mangelhaft: 15 Prozent) wundert Ulf Henkefend nicht. „Wenn der Rat nicht liefert, kann die Verwaltung nicht arbeiten.“

Kritik an Außenwirkung

Selbstkritisch zeigen sich die Iburger bei der Frage nach der Außenwirkung des Kurortes. Sie sei mangelhaft, fürchtet ein gutes Viertel, bei den 46- bis 65-Jährigen ist „mangelhaft“ sogar die Top-Antwort.

Insgesamt halten sie 32 Prozent für ausreichend, 29 für befriedigend. Knapp zwei Prozent sagen, dass ihre Stadt hervorragend dasteht.

Ganz anders beurteilen die Bad Iburger ihren eigenen Zusammenhalt: Den halten 33 Prozent nämlich für gut oder sehr gut, rund 38 Prozent für befriedigend, knapp 16 für ausreichend. Nur 13 Prozent finden, dass die Anwohner mehr Solidarität üben könnten.

Bad Iburg liegt seinen Bürgern am Herzen. Dementsprechend halten 19 Prozent, die Mehrheit, die generelle Zukunftsausrichtung der Stadt für die wichtigste Weichenstellung für die nächsten Jahre. Ebenfalls weit oben auf der Agenda: die Durchführung der Laga, ein klares Schulentwicklungskonzept, Investitionen in den Tourismus und der Abbau von Schulden. Themen wie eine seniorengerechte Stadt oder Flüchtlingsfragen liegen auf den hinteren Plätzen.

Dass Familien im Städtchen am Dörenberg gut leben können, davon sind drei Viertel der Iburger überzeugt. Die Familienfreundlichkeit ist ausreichend, finden knapp 18 Prozent, für mangelhaft halten sie 7 Prozent.

Handlungsfeld Tourismus

Wenn es um Senioren geht, ist die Zufriedenheit noch größer. Bad Iburg scheint für Senioren gut bis befriedigend gerüstet. Vor allem die 29- bis 45-Jährigen bezeichnen sie in Teilen sogar als sehr gut.

Und die Touristen, die für einen Kneippkurort ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor sind? „Wie wird sich die Stadt zukünftig Besuchern, Kurgästen und Touristen zeigen?“ Über die Hälfte der Befragten, 57 Prozent, glauben, dass Bad Iburg für den Besuch von Kurgästen und Touristen eher schlecht gerüstet ist.