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Theorien von Bürgern und Politikern Bad Iburg: Was war Niermanns Schlüssel zum Rathaus?

23.02.2014, 22:40 Uhr

asp/sta Bad Iburg. Kann eine unabhängige, aber grün gefärbte Kandidatin in einer CDU-dominierten Stadt wie Bad Iburg das Rennen machen? Von Anfang an gab es die Fraktion der Zweifler und die, die gesagt haben: „In eine Stichwahl schafft Annette Niermann es auf jeden Fall.“

 Für einen klaren Sieg mit absoluter Mehrheit für Niermann hatten sich im Vorfeld wenige ausgesprochen. Drago Jurak allerdings hat in dieser Frage auch als scheidender Bürgermeister ein gutes Gespür für seine Stadt bewiesen und gegenüber der Neuen OZ vorausgesagt: „Niermann wird im ersten Wahlgang gewählt.“ Warum? Die CDU hält im Stadtrat die absolute Mehrheit.

 Niermann ist Kandidatin der Bürger - ein Kommentar 

Schon Juraks Wahl 2006 bewies: Iburg braucht nicht unbedingt einen CDU-Bürgermeister. „Wähler tendieren gerade bei einer Bürgermeisterwahl dazu, unabhängig von Parteien zu wählen. Ich habe von Anfang an gedacht, dass Niermann es schaffen kann“, sagt Glandorfs Bürgermeister Franz-Josef Strauch am Sonntagabend. Außerdem sei sie im Kreistag erfolgreich. Nicht zu vergessen: Bei der Kommunalwahl 2011 bekam sie in Bad Iburg 28,2 Prozent der Stimmen.

 Die Wahl in Bildern 

„Entweder die Menschen wählen die Partei oder die Person“, sagte eine 81-Jährige noch am Nachmittag im Wahllokal. „Wir machen unser Kreuzchen immer bei den Schwatten“, sagt sie und lacht. Trotz mancher Stammwähler konnte sich der externe CDU-Kandidat Thomas Riepenhoff nicht durchsetzen. „Annette Niermann ist Iburgerin“, nennen zwei Iburger ihren Bonus. „Sie will hier wirklich etwas bewegen.“ Farina Listl von den Grünen und Petra Lüpken sehen noch einen Vorteil: „Sie ist eine Frau.“ Das allein reiche zwar nicht. Aber da sie auch inhaltlich stark sei, sei sie ein absoluter Gewinn für Iburg. „Frauen kommunizieren anders. Sie sind vielleicht manchmal diplomatischer“, vermuten sie. Vielleicht.

Daniel Schneider, Grünen-Fraktionsvorsitzender, hatte mit einer Stichwahl gerechnet. „Ich bin sehr überrascht“, sagte er. „Durchaus positiv.“ Schneider glaubt, dass Niermanns Erfolg vor allem ihren Auftritten in den Podiumsdiskussionen geschuldet sei: „Sie hat die Inhalte, die die Iburger bewegen, sehr gut getroffen. Und: Sie war entschlossen.“

Die Iburger hätten „kommunal gewählt“, konstatiert der SPD-Bundestagsabgeordnete Rainer Spiering. Er findet das gut und ergänzt: Es wäre schön, wenn der Rat „fair mit ihr umgeht“. Und mancher sucht auch gar keine Begründung für das Wahlergebnis, sondern freut sich einfach: „Es geht doch“, grinst ein älterer Mann – und ballt siegesfroh die Fäuste.