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Staatsanwalt müht sich vor Gericht, um Beziehung zu kitten Therapiesitzung statt Verhandlung

Von Ullrich Schellhaas | 23.09.2011, 13:27 Uhr

Bad Iburg/Georgsmarienhütte. Vor dem Amtsgericht Bad Iburg musste sich jetzt ein 36 Jahre alter Mann wegen einer Körperverletzung verantworten. Der Angeklagte sollte seiner Freundin in das Gesicht geschlagen haben. Dabei mutierte der Strafprozess eher zu einer Therapiesitzung für Paare. Gleichwohl stand am Ende der Verhandlung eine Verurteilung zu einer Geldstrafe. Am 5. Mai dieses Jahres verbrachte das Pärchen aus GMHütte eigentlich einen schönen Grillabend – auch mit alkoholischen Getränken. Das ging nach den Schilderungen des Angeklagten so lange gut, bis seine Lebensgefährtin ihren anscheinend nicht ganz unüblichen „Eifersuchtsfilm“ bekam und ihm diverse – nicht existente – Affären vorwarf. „Um sie zu beruhigen“, so schilderte er weiter, „habe ich mich dann auf sie draufgesetzt. Doch sie schubste mich runter, und ich schlug mir dabei den Kopf an. Da rastete ich dann aus.“ Und ja, geschlagen habe er sie auch.

Als Zeugin musste die Frau daher nicht mehr vernommen werden, doch der Staatsanwalt nutzte die Chance zum Gespräch mit dem Opfer. Ob denn solches Verhalten häufiger vorkomme, worin es begründet liege und was man dagegen zu tun gedenke, hakte er nach. Ja, sie habe Depressionen, gab das Opfer an, und sei inzwischen in Therapie. „Möglicherweise sollten Sie beide ja auch gleich noch eine Paartherapie machen“, regte der Anklagevertreter an. Eine Strafe für den Schlag forderte er dennoch, „weil so etwas einfach nicht passieren darf“. Er hielt 20 Tagessätze zu je 20 Euro, also 400 Euro, für angemessen. Der Vorsitzende urteilte dagegen auf 20 Tagessätze zu je 15 Euro.