Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Schüler proben Vorstandsarbeit Bad Iburger Gymnasiasten vermarkten Hightech-Rückspiegel

Von Frank Muscheid | 18.07.2014, 16:05 Uhr

Einige Schüler des Gymnasiums Bad Iburg haben jetzt in Anzug und Vorstandsfunktion ihre fiktiven Hightech-Rückspiegel einer ebenso fiktiven Kundschaft aus der Automobil-Industrie schmackhaft gemacht. Diese bestand aus Lehrern und Tutoren der Wirtschaftswoche am Gymnasium.

Zur Marketingpräsentation lud Nicole Algra in das Familienunternehmen Alco, das sie mit Schwester und Schwager in 2. Generation führt. Sie selbst sei als ehemalige Schülerin dem Gymnasium verbunden, sagte sie.

„Es war eine sehr informative Woche und eine tolle Erfahrung“, sagt Johannes Bremer. „Auch die trockenen Themen wurden gut rübergebracht“, erklärt Max Baumann. „Es war rechnerisch anspruchsvoll, hat aber Spaß gemacht“, bestätigt Elias Mannel. Sophia Erdmann, Jonas Kollmann und Phillip Galow sammelten im gleichen Team ebenfalls über den Politikunterricht hinaus Wirtschaftswissen.

Für eine Woche haben 20 Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 11 „ein paar Sprossen der Karriereleiter übersprungen“, so Birgit Tovar vom Industriellen Arbeitgeberverband (IAV) Osnabrück-Emsland. Der IAV ist mit dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) Veranstalter des in der Schweiz entwickelten „Management Information Game“ (MIG). Seit 2005 wird es am Gymnasium angeboten, seit mehr als 20 Jahren in der Region vom IAV. Allein 2013, so Tovar, profitierten 840 Schüler davon. Aufgelockert wird es durch Vorträge und Unternehmensbesichtigungen. Spielleiter ist Dale Drown vom BNW. Er ist Bank, Aufsichtsrat, Kartellbehörde und Finanzamt in einer Person. Er führte die drei Schüler-Gruppen in das Szenario ein: Ein Unternehmen wird über vier Tage, im Spiel Geschäftsjahre, weitergeführt. Ein PC-Programm ermittelt den „jährlichen“ Geschäftsbericht. „Meine Aufgabe ist es, den Zahlen Leben einzuhauchen und die Tragweite von Entscheidungen deutlich zu machen“, so Drown. „Die Schüler haben sehr gut kalkuliert“, niemand einen Kredit aufnehmen müssen, zum Leidwesen der Bank. „Das Planspiel berücksichtigt 186 Variablen und kommt der Wirklichkeit sehr nah, weil Fehler gnadenlos bestraft werden.“ Würden etwa Mitarbeiter entlassen, gingen Börsenkurs und Kauflaune der Verbraucher „Richtung Keller“. Den Zusammenhang zwischen Gewinnmaximierung und sozialer Verantwortung stellte auch Schulleiter Peter Seeger heraus, der das Planspiel als Grundlage für „sehr gute Arbeitsverhältnisse“ lobte.

Alle drei Unternehmen setzten auf hochpreisige Qualität. Knapper Sieger nach Punkten durch die „Kunden“: die CCA AG von Johannes Bremer und Co. Alleinstellungsmerkmal der Rückspiegel, so die CCA-„Jungunternehmer“, seien unter anderem Sensoren für den Seitenabstand.

Auf Nachhaltigkeits-Terrain bewegte sich die Senior Sensoric AG mit Wiebke Wüller, Steffen Engbert, Leonie Kersten, Marie Charline Bäumker, Victoria Jakobs, Tosha Groß und Lena Heuer – mit Individualanfertigungen aus Hanf und Harz, die sogar die Gesundheit des Fahrers messen.

Und Safetech International Systems mit Vincent Stumpe, Pia Kampwerth, Philipp Weber, Patrick Wahlmeyer, Johanna Müller, Leon Strothmann und Susanna Scholz wollte mit einem ganzen Spiegel-System punkten, dass sich je nach Blickrichtung des Fahrers neu ausrichtet und tote Winkel vermeidet. Maria Werner, am Gymnasium zuständig für die Berufsorientierung, freute sich über das Gelingen, wünschte sich aber auch Unternehmen, die für eine ganze Woche Räume für drei Seminargruppen hätten: „Das ist für die Schüler eine viel intensivere Erfahrung.“