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Oft geht es auch ohne Urteil Richter übernehmen Rolle des Mediators

Von Petra Pieper | 23.02.2017, 16:48 Uhr

Güterichter fällen kein Urteil, sie vermitteln als Mediator zwischen vor Gericht streitenden Parteien und unterstützen sie darin, eigenständig eine Einigung nach Maß zu erarbeiten. Weil es bei der Mediation beim Güterichter „zwei Gewinner statt eines Siegers und eines Verlierers“ gibt, warb die Direktorin des Amtsgerichts Bad Iburg, Susanne Kirchhoff, vor Rechtsanwälten aus der Region für diese Form der Konfliktlösung. Neben Kirchhoff ist auch Amtsrichter Frank Teckemeyer ausgebildeter Mediator.

Die Mediation beim Güterichter ist ein vom anhängigen Rechtsstreit losgelöstes Verfahren, das, so Kirchhoff, in über 80 Prozent aller Fälle zu schnellen und nachhaltigen Lösungen führt. Der Güterichter bleibe neutral, sorge dafür, dass alle wesentlichen Aspekte angesprochen werden, und könne helfen, festgefahrene Situationen zu überwinden.

Auf freiwilliger Basis

Die Teilnahme an einer Mediation geschieht auf freiwilliger Basis. Zumeist möchten die Parteien eine Einigung, weil sie als Nachbarn, Verwandte oder Geschäftspartner ihre Beziehung erhalten wollen. In nichtöffentlicher und vertraulicher Runde können zum Beispiel persönliche Beweggründe oder emotionale Befindlichkeiten leichter angesprochen werden. „Ich habe schon erlebt, dass eine einfache Entschuldigung dazu beigetragen hat, dass sich der Knoten schnell löste“, berichtete Kirchhoff.

An mehreren Beispielen stellte sie den Rechtsanwälten die Vorzüge des vom niedersächsischen Justizministeriums empfohlenen Verfahrens vor, das schon an vielen Land- und Amtsgerichten praktiziert wird. Wichtig sei es, dass sich die Parteien über ihre Streitpunkte Klarheit verschafften; in länger dauernden Auseinandersetzungen könnten die manchmal gar nicht mehr so eindeutig benannt werden.

Richter als Moderator

Unter der Moderation des Güterichters arbeiten sich die Beteiligten selbst durch ihren Konflikt, entwickeln Optionen, bewerten sie und treffen dann eine verbindliche Vereinbarung. Dabei gehe es nicht vorrangig um eine in die Vergangenheit gerichtete Sachverhaltsaufklärung, so Kirchhoff, sondern um eine auf Zukunft gerichtete Lösung, die für beide Seiten tragbar sein müsse. Weitere Vorteile einer solchen gütlichen Regelung seien die Freiwilligkeit, die geringere psychische Belastung und geringere Gerichtskosten, die bei einem Vergleich nur ein Drittel der bei einem Prozess anfallenden Gebühren betragen.

Suche nach nachhaltigen Lösungen

„Es ist eine zusätzliche Chance in der gerichtlichen Praxis“, sagte Kirchhoff. Sollte es nicht zu einem Vergleich kommen, könne man immer noch auf den Klageweg zurückkehren. Sie betonte, dass der Güterichter „niemals der entscheidende Richter in dem Prozess“ sei. Gemäß ihrer Erfahrung erwachse aus der Mediation die nachhaltigere Lösung, „denn die Leute halten sich an ihre selbst gefundenen Vereinbarungen, während nach einem Gerichtsurteil häufig erst der Gerichtsvollzieher kommen muss.“