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„Leibniz-Trio“ beim Saisonauftakt der Iburger Schlosskonzerte Musikalische Überraschungen

Von Thomas Hitzemann | 13.09.2011, 03:21 Uhr

Die Iburger Kammerkonzerte starten in doppelter Weise. Nicht nur dass Harry Jahns zum Saisonbeginn sein Publikum im Rittersaal willkommen heißt, auch das eingeladene „Leibniz-Trio“ spielt hier das erste von 40 Konzerten, mit welchen die jungen Musiker durch ganz Deutschland touren.

Für eine Premiere sind sie bereits gut eingespielt, Hwa-Won Pyum (Violine), Lena Wignjosaputro (Violoncello) und Nicholas Rimmer (Klavier). Hinzu kommt, dass das Programm wie unter einer musikalischen Hochspannungsleitung liegt. Die beiden Pole heißen Schumann und Brahms. 1853 komponierte Robert Schumann sein Klaviertrio Nr. 3 g-Moll op.110, was Johannes Brahms dazu anregte, sein erstes Klaviertrio als op. 8 in H-Dur fertigzustellen.

In Bad Iburg erklingen beide Werke und lassen trotz ihrer engen Beziehung doch mehr Unterschiede als Ähnlichkeiten erkennen.

Im ersten Satz des Brahms-Opus präsentiert sich das „Leibniz-Trio“ sehr voluminös sogleich als kompaktes Ensemble. Von Anfang gibt sich die Cellistin mit leichtem Bogenstrich und tonlicher Wärme als Seele des Trios zu erkennen, wogegen Rimmer eindeutig als Kopf fungiert. Vielversprechend wird das „Scherzo“, durch ein Staccato-Thema eröffnet. Doch erst am Ende finden alle drei Musiker zum filigranen Duktus zusammen. Anders im „Adagio“. Hier vertiefen sich die jungen Instrumentalisten durchwegs in ein geteiltes Erscheinungsbild.

Eng aneinandergeschmiegt bewegen sich Geige und Cello. Eine extrem weite Lage bestimmt dagegen den Klavierpart. Auch im „Finale Allegro“ setzt sich die mentale Duplizität fort. Zu tänzerischer Schlichtheit streben die Streicherstimmen. Doch der virtuose Klavierpart lässt Simplizität nicht zu. Mal vollgriffig, mal perlend zieht der Pianist seine Partnerinnen hinein in reißende Wasser und tiefe Schluchten Brahms’scher Erfindungsgabe.

Schumanns Opus wirkt in der Interpretation des Trios eher ganzheitlich, obwohl es in vier Sätze unterteilt ist. Nervös disputieren die Instrumente am Beginn. Die Stimmung verdichtet sich fast bis zu einem Lied ohne Worte. Sprunghafte, wie von Selbstzweifeln gequälte Themen, setzen das Geschehen fort. Vorzüglich nimmt das Trio den letzten Satz. Herrlich geschmeidig locken alle drei Spieler eine musikalische Überraschung nach der anderen aus ihren Instrumenten.

Als wollten sie Brahms und Schumann auseinanderhalten, platziert man einen Schubert dazwischen. Franz Schuberts Notturno op. posth. D 897 klingt allerdings nicht so nächtlich, wie vielleicht erwartet. Wo ein Mezzoforte ausreicht, sollte man die Nachtruhe nicht mit einem Forte verscheuchen.