Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Im nächsten Jahr Bad Iburg: Faulgas wird zu Geld - Stromerzeugung im Klärwerk

Von Heinz Schliehe | 23.09.2011, 07:39 Uhr

Mit einer Kläranlage Geld verdienen – das ist möglich. Denn in einer Kläranlage entsteht Faulgas, und das kann zur Stromerzeugung genutzt werden.

Bereits 2007 gab es dazu im Bad Iburger Klärwerk Ansätze mit zwei Sterling-Motoren. 90000 Kilowattstunden wurden damit zunächst erzeugt. Doch bereits nach elf Monaten gab das erste Aggregat seinen Geist auf, ein Jahr später das zweite. So wurden 2008 lediglich noch 24000 kWh Strom erzeugt. Durch die Insolvenz des Herstellers gab es keine Ersatzteile für die Motoren. Auch die Suche nach Reparaturmöglichkeiten blieb erfolglos.

Nun könnte in Bad Iburg bereits im kommenden Jahr eine neue Ära der Stromerzeugung im Klärwerk beginnen. Der Fachdienstleiter Planen und Bauen, Reinhard Fühner, stellte jetzt im Bad Iburger Werksausschuss das Konzept vor.

In der Kläranlage in Sulz-Fischingen (Baden-Württemberg) wird seit 2008 ein Spilling-Motor zur Stromerzeugung genutzt. Dieses Aggregat nach dem Prinzip eines Ottomotors läuft seitdem ohne Störungen. Betrieben wird es mit Faulgas.

In der Bad Iburger Kläranlage entstehen davon im Jahr etwa 160000 Kubikmeter. Die Hälfte davon wird derzeit für die Heizung genutzt, die andere Hälfte abgefackelt. Damit könnten rund 140000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden, ein bedeutender Anteil an den rund 440000 kWh, die im Jahr in der Kläranlage verbraucht werden. Bei einem Strompreis von 0,169 Euro/kWh könnten so 23660 Euro im Jahr eingespart werden. Bei Kosten von 60000 bis 65000 Euro für einen Spilling-Motor einschließlich der erforderlichen Infrastruktur im Klärwerk würde sich eine derartige Investition innerhalb von zwei bis drei Jahren finanzieren. Da nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz noch 5,11 Cent pro Kilowattstunde gezahlt werden, beträgt die jährliche Ersparnis gut 30000 Euro. Innerhalb von fünf Jahren könnten so 70000 bis 80000 Euro erwirtschaftet werden.

Nach Fühners Präsentation regten Mitglieder des Werksausschusses an, weitere Motorenalternativen am Markt zu suchen und Referenzobjekte des Spilling-Motors zu hinterfragen.