Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Dingbank Siedlung In Iburg betrug die Strafe für „Blotwonden“ fünf Mark

Von Horst Troiza | 02.06.2016, 12:17 Uhr

Als Dingbank wurde jener Stuhl bezeichnet, auf dem der Richter Platz nahm, wenn eine Rechtssache der „niederen Gerichtsbarkeit“ erörtert wurde. Ob auf dem Gelände der heutigen „Dingbank Siedlung“ jemals eine Richterbank gestanden hat, ist nicht überliefert. Der Begriff erinnert aber an die vom Bischof unabhängige Rechtsprechung des Fleckens Iburg.

Es gehört zu den Besonderheiten Iburgs, in seiner Vergangenheit parallel über verschiedene Gerichtssysteme verfügt zu haben. Zum einen gab es das Gogericht, das umfassende Zuständigkeit besaß und dem der Gograf vorstand. In der Regel wurden dort hohe Rechtssachen verhandelt, und anderem auch jene wie Mord und andere Gewaltverbrechen.

Burggerichte

Neben dem Gogericht gab die niedere Gerichtsbarkeit, so unter anderem in vielen Dörfern Burggerichte. Ihre Aufgabe lag in der Rechtsprechung bei Rechtsbrüchen gegen die bäuerliche Gemeinschaft. Zuerst war das Burggericht in Iburg im Besitz Hermann von Glanes gewesen, der es an das Kloster verkauft hatte und dieses es 1254 an Bischof Bruno von Isenberg weiterveräußerte.

Aus dem Burggericht war das Fleckens- oder auch Wigboldgericht hervorgegangen, das eigenständig war und diese Eigenständigkeit 1354 von Bischof Johann von Hoet auch bestätigt erhielt. 100 Jahre später hatte einer von dessen Nachfolgern diesen Schritt wieder rückgängig machen wollen, doch die Bürger ließen sich dieses Privileg nicht nehmen. Auch wenn das Fleckensgericht im Laufe der Jahre Zuständigkeiten verlor, hat es bis 1846 weiter bestanden.

Gewählte Richter

Es ist ausschließlich für die Bewohner des Fleckens zuständig gewesen. Auch sein Richterkollegium stammte aus Iburg. Es waren Bürger, die vom Rat des Fleckens gewählt wurden. Seine Aufgaben lagen unter anderem in der streitigen bürgerlichen Gerichtsbarkeit, so in der der Zwangsvollstreckung, der Pfändung, der Arrestverhängung. Es urteilte aber auch kleinere Straftaten, sogenannte „Brüchten“, der Fleckensbewohner ab.

Dazu zählten unter anderem wie in Akten überliefert „Blotwundungen“, „Blauschläge“, Messerstechereien, „Scheltungen“ und Beleidigungen, Bedrohungen, das Übersteigen der Fleckensbefestigungen, nächtliches Eindringen in den Flecken, Diebstahl, „mutwilliges falsches Waffengeschrei“, Betrug bei Verkauf und Kauf sowie falsches Maß und Gewicht. Für Blutwunden wurden fünf Mark Strafe verhängt, für Ohrfeigen eine Mark, für Bedrohung mit einem Messer eine halbe Mark. Die Erhebung von Waffengeschrei ohne Not zog eine Strafe von drei Schilling nach sich.