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Brachial bis besinnlich Fünf Dichter messen sich beim Poetry Slam in Bad Iburg

Von Danica Pieper | 03.12.2015, 18:55 Uhr

Von brachial bis besinnlich: Zum letzten Mal in diesem Jahr kamen fünf Dichter zum Poetry Slam im Bad Iburger Casablanca zusammen, um den Gästen ihre Texte zu präsentieren. Der Osnabrücker Autor Mitch Miller hatte die jungen Lyriker zu der kurzweiligen Veranstaltung eingeladen.

Auch wenn Autor Mitch Miller mittlerweile regelmäßig Poetry Slams im Casablanca organisiert, war einem Großteil der rund zwanzig Besucher das Konzept fremd. Bei einer spontanen Umfrage zumindest erklärte nur eine Handvoll, schon einmal einem Poetry Slam in der Bad Iburger Kneipe beigewohnt zu haben. Ähnlich groß war die Zahl derer, die überhaupt schon einmal bei einem Poetry Slam dabei gewesen waren.

Doch Miller wusste schnell Abhilfe zu schaffen: Nachdem Sänger und Gitarrist Fabian von Wegen den Abend musikalisch eröffnet hatte, holte der Moderator Slammer Achim Leufker auf die Bühne. Der ging mit „Welcome to the Jungle“ gleich in die Vollen und gab in seinem Text die Unterhaltung einiger Teenager im Zug wieder, inklusive solcher Satzperlen wie „Du hast einen Bruder? Ich denke, deine Mutter ist alleinerziehend.“

Nur die Wahrheit

Während Leufker außer Konkurrenz auftrat, stritten die anderen fünf Slammer um die Gunst des Publikums. Dazu verteilte Miller fünf Daumen, mit denen die Gäste die Texte bewerten mussten. Daumen hoch bedeutete einen Pluspunkt, Daumen runter einen Minuspunkt.

Den Auftakt machte Feli aus Bochum, die in „Vergiss die Herzen nicht“ dafür plädierte, Menschen nicht vorschnell zu verurteilen. Schließlich könne man nie genau wissen, was hinter ihrem Verhalten steckt. Fünf Punkte gab es dafür.

Jan Möbus aus Remscheid überlegte, wie es wohl wäre, wenn alle Menschen nur noch die Wahrheit sagen würden. Vielleicht würde Sahra Wagenknecht Oskar Lafontaine gestehen, dass sie nur wegen des Geldes mit ihm zusammen ist, oder Möbus würde seinem Entsafter „Lügenpresse!“ hinterher rufen, denn: „Du hast noch nie Strom gespart.“ Drei Punkte aus dem Publikum.

Fabian Wolfs Text hieß „MIES“ – das Akronym für „Manchmal ist es schwierig“, mit dem der Braunschweiger die Natur des Lebens beschrieb, aber beim Publikum nur auf einen Minuspunkt kam.

Pinguinverschwörung

Tobi Bischoff hatte eine Persiflage auf Verschwörungstheoretiker dabei, in der er behauptete, dass die Welt in Wahrheit von Pinguinen regiert wird. Warum sonst haben die Tiere in den „gleichgeschalteten Medien“ so einen guten Ruf? Der lebhafte Vortrag des Osnabrückers schien die Gäste jedoch abzuschrecken, sodass er nur auf drei Minuspunkte kam.

Lukas aus Hildesheim zog in seinem Text Parallelen zwischen Menschen und Schafen, die die schwarzen Exemplare in der Herde ausschließen, damit ihre Weste besonders weiß wirkt. Volle Punktzahl dafür vom Publikum.

Remscheider hat die Nase vorn

Im Halbfinale traten schließlich Feli, Jan Möbus und Lukas noch einmal gegeneinander an. Da die Texte von Möbus und Lukas jeweils fünf Punkte erzielten, mussten die Gäste am Ende per Applaus entscheiden. Da der Remscheider etwas lauteren Jubel erntete, kürte ihn Miller schließlich zum Sieger des Abends. Der wahre Gewinner war aber wohl das Publikum, das einen unterhaltsamen Abend erlebte.