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Bauen für die Geschichte „King‘s German Legion“ in Bad Iburg

Von Conny Rutsch | 31.07.2014, 12:35 Uhr

Eine Baustelle. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Ein Fachwerkensemble am Südrand von Bad Iburg wird restauriert. Während auf dem Bauernhof nebenan die Schweine quieken, sind einige Meter weiter Männer mit Sägen beschäftigt. Die eichernen Träger für den Giebel müssen eingepasst werden. Was aber macht diese Baustelle berichtenswert?

Es sind die Mitglieder der „King`s German Legion“ (KGL), die die historischen Gebäude der Schleppenburg renovieren, weil sie diese seit einigen Jahren zu ihrem Stammsitz erkoren haben. Die Männer und Frauen gehören dem Verein für europäische Kultur und Geschichte an. Das klingt erst einmal nicht wirklich spektakulär. Ist es aber.

Die Geschichtsbegeisterten betreiben ein ungewöhnliches Hobby. „Wir möchten die Zeit der Befreiungskriege lebendig werden lassen“, erzählt Karl Heinz Lange aus Osnabrück, der erste Vorsitzende des Vereins. Und das ist auch schon das einzige, aber erklärte Ziel des Vereins.

Die historische KGL wurde am 19. Dezember 1803 mit Einheiten aller Waffengruppen errichtet.

Zu dieser Zeit war das Kurfürstentum Hannover mit England durch König Georg III. verbunden, dieser auch Kurfürst von Hannover. Nachdem das Kurfürstentum kampflos an Frankreich gefallen war, gingen viele der hannoverschen Soldaten nach England und bildeten eben diese KGL. Nachdem Napoleon im Jahr 1815 besiegt worden war, wurde die KGL aufgelöst und marschierte zurück in die Heimat.

Nun hat sich der Verein der KGL um Karl Heinz Lange zum Ziel gesetzt, diese Legion wieder „lebendig“ werden zu lassen. Die Mitglieder begeben sich mit ihrem Hobby auf eine Zeitreise. Sie recherchieren in Archiven, wälzen Bücher, besuchen Museen, um alles über ihre Lieblingsepoche zu erfahren, um diese detailgetreu nachempfinden zu können. Sie studieren den historischen Drill ein, sie rekonstruieren die Uniformen und sie sind Vorderladerschützen. Sie schlafen auf Stroh statt auf Luftmatratzen, benutzen Kerzen statt Taschenlampen. Sie möchten erlebbar machen, wie das Soldatenleben damals gelebt wurde, geschmeckt und gerochen hat. Sie spielen auch auf Originalschauplätzen zusammen mit befreundeten Darstellungsgruppen aus allen Teilen Europas Schlachten nach.

Nun aber bauen sie ihr Domizil und wollen und müssen auch zeitnah damit fertig werden. Denn am Samstag und Sonntag, 13. und 14. September, gestalten die Mitglieder um das 400 Jahre alte Viehhaus und die Nebengebäude, die alle unter Denkmalschutz stehen, ein historisches Wochenende.

Bis dahin wird gesägt, gehämmert, Drainage gelegt, Bauschutt abtransportiert, der Dachstuhl gerichtet. Viel haben sich die Königstreuen vorgenommen, aber auch schon viel geschafft. Selbst beim Handwerken ist ihnen der Spaß an ihrer Sache, die Kameradschaft, anzumerken. Dabei gehen sie alle den unterschiedlichsten bürgerlichen Berufen nach und können ihr Hobby nur abends und an den Wochenenden ausüben.

Und während sich die Schweine im Stall des Nachbarlandwirtes über ihr Futter hermachen, sitzen die Vereinsmitglieder bei einem Bier und beratschlagen die Arbeiten für den nächsten Tag.