Ein Artikel der Redaktion

Gemeinde muss jede Ausgabe überdenken Bürgermeister Große-Albers präsentiert Bad Iburg drei Überraschungen

Von Axel Ebert | 01.02.2022, 12:09 Uhr

Die Kosten für das Freibad in Bad Iburg explodieren, die Tourist-Information zieht zurück ins Stadthaus und der Baumwipfelpfad spielt bei der Rezertifizierung als Kurort eine zentrale Rolle. Diese drei Überraschungen präsentierte Bürgermeister Daniel Große-Albers den Ratsfraktionen im Tourismus- und Kulturausschuss. Und: Es geht ans Eingemachte.

„Wir müssen fünf Millionen Euro wuppen.“ Mit dieser lockeren, aber dennoch warnenden Wortwahl eröffnete er mit Blick auf notwendige Investitionen die aktuellen Finanzberatungen, an deren Ende eine Haushaltssicherung steht. „Wir werden über viele Dinge diskutieren müssen“, reklamierte Große-Albers erhöhten Redebedarf, damit der erste kommunale Etat, der seine Handschrift trägt, etwas an Spielraum gewinnt. Zur Erinnerung: Im Gesamthaushalt klafft eine Deckungslücke von 365.000 Euro.

Freibad doppelt so teuer?

Die erste Kröte mussten die Fraktionsmitglieder beim „Produkt Freibad“ schlucken. Ob die Kommune im laufenden Jahr mit den kalkulierten Aufwendungen von 233.000 Euro klarkommt, steht in den Sternen. „Wenn wir uns zu den gleichen Bedingungen wie 2021 vertraglich binden, wird es doppelt so teuer“, überraschte Große-Albers die Kommunalpolitiker. Die Stadt sucht nach anderen Partnern, nachdem die Bäder und Wasser GmbH (BWG) mit Sitz in Lengerich den Kontrakt als Betreiberin des Freibads mit der Stadt nicht verlängert hat. Eine Lösung verspricht sich der Bürgermeister von Verhandlungen mit den Verantwortlichen der Freizeitanlage in Bad Laer. Diese gestalteten sich allerdings zähflüssig. Wohin die Reise gehen könnte, deutete Große-Albers an: „Wir müssen vielleicht an die Öffnungszeiten.“

Controlling in allen Sparten

Die Christdemokraten werden jeden Stein umdrehen, das machte Joseph Rottmann deutlich. Die CDU-Fraktion wolle die Nettoeffekte untersuchen, sagte Rottmann. Das Beispiel „Produkt Märkte“ zeige, dass Klärungsbedarf besteht. Einnahmen von 48.000 Euro stünde ein Aufwand von insgesamt 107.000 Euro gegenüber. Auch an anderen Stellen der Kommunalausgaben laute das Stichwort Controlling, sagte Rottmann.

Tourist-Info soll umziehen

Überraschung Nummer zwei: Die Tourist-Information soll ins Stadthaus ziehen. „Ich will, dass das schnell geht. Möglichst noch im Februar“, warb Große-Albers für seine Idee. Ein Schritt zurück oder einer nach vorne? Diese Abteilung, ständig Gegenstand von Diskussionen über eine räumliche Veränderung, hatte vor drei Jahren die Koffer gepackt und war vom Stadthaus in den Kurpark gezogen. Eile ist beim Weg zurück geboten, weil für den Bürgermeister „dieser ein entscheidender Teil in einem Puzzle“ darstellt.

Dazu mahnte Joseph Rottmann, die Stadt beschäftige sich damit, Baumwipfelpfad und Tourismus neu zu organisieren. Gerade diese grundsätzlich neue konzeptionelle Struktur habe im Juli 2021 ein Gutachter der Stadt empfohlen, um Handlungslinien zu entwickeln. „Bevor wir nicht wissen, wer künftig was macht, ist der Umzug nicht sinnvoll“, gab Rottmann vergeblich zu Protokoll. Der Ausschuss stimmte dem Umzug zu. Um Kosten zu drücken, wollen einige Bürgervertreter beim Möbelschleppen Hand anlegen.

Waldbaden als zweites Standbein

Öffentlich lässt sich Daniel Große-Albers vorerst nicht in die Karten gucken, wenn es um die Rezertifizierung als Kurort geht. Nur soviel: Ein neu gegründeter Arbeitskreis unterstütze ihn bei der Ideenfindung. Der mehrfach verschobene Besuch der Entscheidungsträger sei für April anberaumt. Bad Iburg setze unverdrossen auf die Kneipp-Einrichtungen, wolle aber das Waldbaden stärker bewerben. Eine zentrale Rolle nimmt der Baumwipfelpfad in Planspielen des anerkannten Kneipp-Kurortes ein. „Das Konzept ist gut, da gehen wir auf Risiko“, sagte der Bürgermeister, wurde aber nicht deutlicher. Forderungen nach dem Bau eines Hallenbades erteilte er angesichts der Finanzmisere eine Absage. Dafür kündigte er eine Kooperation mit der Reha-Klinik Sonnenhof an. Auch in diesem Punkt blieb die Stoßrichtung unbenannt. Nur soviel: Die Gültigkeitsverlängerung, sich Kurort nennen zu dürfen, „darf kein Geld kosten“.

Noch keine Kommentare