„Teufelsgeiger“ mit viel Gefühl Razvan Stoica fesselt Publikum im Rittersaal

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Virtuos spielt Razvan Stoica Werke von Bach. Foto: GründelVirtuos spielt Razvan Stoica Werke von Bach. Foto: Gründel

Bad Iburg. Durch dichtes Schneetreiben kämpften sie sich den Schlossberg hinauf. Und sie sollten es nicht bereuen: Den Musikfreunden, die den Weg in den Rittersaal gefunden hatten, boten der Violin-Virtuose Razvan Stoica und seine Kamerata Stradivarius beim Schlosskonzert ein fesselndes Schauspiel höchster Saitenkunst.

Johann Sebastian Bach erwies Razvan Stoica im ersten Teil des Konzertes mit unprätentiöser Virtuosität seine Reverenz. Schon der Auftakt mit Bachs Violinkonzert d-Moll ließ dabei aufmerken. Energiegeladen setzte der gebürtige Rumäne auf seiner Stradivari aus dem Jahre 1729 die dynamischen Ecksätze in Szene. Empfindsam ließ er im Adagio sein Instrument singen und seufzen. Am Flügel übernahm anschließend seine Schwester Andreea Stoica den Solopart für Bachs Cembalokonzert f-Moll, dessen getragener Mittelsatz verträumt über dem zarten Pizzicato der Streicher dahinfloss.

Energisch vorwärtsstrebend, wild überschäumend, dann wieder hauchzart und voller Gefühl: Razvan Stoica entlockte seinem Instrument eine ganze Welt Nuancen und Emotionen. Für die fasziniert lauschenden Zuhörer ließ er die Stradivari jubeln und tanzen, klagen und seufzen. In sensibler Abstimmung begleitet wurde er dabei von der – 2010 von ihm selbst gegründeten – Kamerata Stradivarius mit Abel Chirca (Violine), Kristie Su (Violine), Alexander Petrykov (Viola), Jorge Gonzalez (Violoncello) und Andreea Stoica am Flügel.

Mit ihr präsentierte er zum Beginn des zweiten Konzertteils ein Duett, das die Zuhörer mit gefühlvoller Intensität in seinen Bann zog: Aus bewegender Melancholie entwickelte sich Schuberts Ballade zu einer dramatischen Entladung furioser Virtuosität, um schließlich als zarter Hauch zu vergehen. Doch es war die im Programm nicht aufgeführte Einlage, die sein Publikum zu spontanen Ovationen aufspringen ließ.

Denn mit einer der lange Zeit als unspielbar geltenden Capricen von Niccolo Paganini bewies Stoica eindrucksvoll, warum er den Beinamen „Teufelsgeiger“ mit dem berühmten Komponisten teilt. Furiose Läufe und Doppelgrifflegatos, zarte Obertöne und das von Paganini erfundene Pizzicato der linken Hand, während gleichzeitig die Rechte virtuos den Bogen führt: Fesselnder kann Saitenkunst nicht präsentiert werden. Den sympathisch natürlichen Virtuosen und sein Ensemble ließen die Musikfreunde nach einem letzten Werk von Bach nicht ohne Zugabe und langanhaltenden Beifall ziehen.


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