EU-Recht und regionaler Wald Kurzes Durchatmen bei heimischen Waldbauern

Von Stefan Buchholz


Bad Iburg. Drohende wirtschaftliche Beschränkungen der heimischen Waldbesitzer beherrschten die Jahreshauptversammlung der Waldschutzgenossenschaft (WSG) Osnabrück-Süd. Ein Grund für die große Beteiligung bei der Vesammlung: die weiterhin unklare Entwicklung bei der Umsetzung von EU-Recht.

Die Waldbauern atmeten spürbar auf, nachdem sie den neuen Koalitionsvertrages für Niedersachsen zur Kenntnis genommen hatten. Beabsichtigt ist darin, die bislang vorgesehenen Regelungen durch den Landkreis Osnabrück abzumildern. Gemeint ist die verpflichtende Umsetzung von EU-Normen durch das Land, die aus Sicht der Waldbesitzer wegen zu starker Eingriffe in ihr Eigentum als partielle Enteignung aufgefasst wird. Die Kreisverwaltung am Schölerberg ist als Untere Naturschutzbehörde verpflichtet, Landesrecht vor Ort Geltung zu verschaffen.

Koalitionsvertrag

Im Koalitionsvertrag ist nun festgehalten, dass SPD und CDU gemeinsam „ mit den betroffenen Landkreisen sowie den forstlichen Fach- und Interessenverbänden den Sicherungserlass „Unterschutzstellung von Natura 2000-Gebieten im Wald auf die Notwendigkeit und Geeignetheit prüfen und nach Möglichkeit anpassen“ wollen.

Johannes Meyer zum Alten Borgloh dankte in seiner Funktion als WSG-Vorsitzender mehrfach der SPD im Kreistag sowie dem Landtagsabgeordneten Martin Bäumer (CDU) für die Unterstützung. Der Christdemokrat hatte etwa als umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion die entsprechenden Passagen im neuen Koalitionsvertrag mit ausgehandelt. Mehr aus Bad Iburg im Netz

„Noch nicht am Ziel“

Auch in Rückkopplung mit den Waldbesitzern des Vereins Kulturlandschaft Osnabrücker Land, wie Bäumer in einem Vortrag auf der Jahreshauptversammlung mitteilte. „Wir haben einen ganz großen Schritt nach vorne gemacht. Trotzdem sind wir noch nicht am Ziel“, sagte Bäumer.

Er kündigte an, schnell über die Möglichkeit eines Moratoriums mit Landrat Michael Lübbersmann und im Kooperationsausschuss des Kreistages zu sprechen. „Die Landkreisverwaltung wird aufgefordert, an dieser Stelle die Arbeit erst einmal einzustellen. Es macht für mich keinen Sinn, dass man nach Vorgaben arbeitet, und sich die Vertreter auf Landesebene einig sind, dass sie geändert werden“, so Bäumer.

Ertragsverluste

Welche betriebswirtschaftlichen Belastungen die bislang vorgesehene Unterschutzstellung des niedersächsischen Erlasses für die Waldbesitzer mit sich bringen könnte, erläuterte Moritz von Blomberg von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Uni Göttingen. Je nach Erhaltungszustand der Waldgrundstücke bilanzierte von Blomberg jährliche Ertragsverluste zwischen 92 und 206 Euro pro Jahr und Hektar Betriebsfläche. „Ein ökonomisch erfolgreiches Wirtschaften ist auf diesen Flächen nicht mehr möglich“, meinte von Blomberg. Zusätzliche Erschwernisse entstünden beispielsweise durch weitere Einschränkungen wie Erhalt von Totholzflächen und einer Einschränkung der Nutzungszeit.


Holzmarktbericht

Im Bereich der 9300 Hektar umfassenden Waldschutzgenossenschaft Osnabrück-Süd sind im letzten Jahr 33.000 Festmeter Holz geschlagen worden. Dafür wurden über alle Sortimente im Schnitt 63 Euro pro Festmeter erzielt. Geschlagen wurden 55 Prozent Fichten, 21 Prozent Buchen und wegen der trockenen Herbstwitterung vor einem Jahr acht Prozent Pappeln. Überwiegend blieb das Holz in der nahen Region und wurde etwa von Sägewerken, Holz- und Brennholzhändlern gekauft. Dank der anhaltend guten Gesamtkonjunktur sind auch 2018 stabile Preise zu erwarten. Dieses verschafft den Waldbesitzern Planungssicherheit“, erläutert Geschäftsführer Klaus Burke von der Nord-West-Holz e.G. Stichwort Nachhaltigkeit: Nur gut 50 Prozent der eigentlich möglichen Einschlagmenge wurde 2016 realisiert. Dieses führe langfristig zu überbevorrateten Beständen in den Privatwäldern, so Burke. „Die Bäume werden langfristig zu dick und zu alt, was sich auch negativ auf die Vermarktbarkeit auswirken kann.“