Naturfreunde Glandorf bereichern Bad Iburg mit Nistwand Altes Handwerk für Wildbienen und LaGa-Besucher


Bad Iburg/Glandorf. Wildbienen können sich Dank der Naturfreunde Glandorf in Bad Iburg wohlfühlen. Und wieder fleißig vermehren. Im Rahmen eines Projekts des Landkreis Osnabrück für die anstehende Landesgartenschau kreierten die Naturfreunde eine Wildbienen-Nistwand, die jetz auf der Tegelwiese in Bad Iburg aufgestellt wurde.

So klein und unscheinbar Bienen auch sind, so groß und unverzichtbar ist ihre Funktion in unserem Ökosystem. Sowohl Honig- als auch Wildbienen sammeln Blütenstaub, um sich davon zu ernähren. Und während sie sammeln bestäuben sie nebenbei Pflanzen, sichern so deren Samen- und Fruchtbildung und somit die Nahrungsgrundlage vieler Tiere und des Menschen.

Es fehlt an artenreichen Grünflächen

Doch wo sollen die Tierchen sammeln, wenn es zunehmend an artenreichen Grünflächen mangelt? Weniger Blühwiesen bedeuten auch weniger Bienen. „Man muss diesen Insekten dringend unter die Arme, oder vielleicht besser unter die Fühler greifen“, meinen deswegen nicht nur die Naturfreunde Glandorf, die zusammen mit der Jägerschaft bereits viele Blühstreifen anlegten, sondern auch die Naturschutzstiftung des Landkreis Osnabrück. Deren stellvertretender Geschäftsführer, Wolfgang Marks, kennt auch die von den Naturfreunden bisher gebauten Wildbienen-Nistwände und bat die Glandorfer um Unterstützung.

Traditionelle Fachwerkskunst

So behielt Naturfreunde-Mitglied und Zimmermannsmeister Stefan Farwick nach Feierabend Säge und Hammer in der Hand und erstellte auf dem Gelände der Firma Diekriede in Glandorf mit Vereinskollegen Alfons Heuger in rund 40 Stunden den Rohbau der Wildbienenwand nach traditioneller Fachwerkskunst. Das knapp vier Meter hohe Holzkonstrukt wurde am Samstagmorgen mit einem Tandem-Anhänger nach Bad Iburg verfrachtet, dort auf die vorher angelegten Fundamente gehievt und mit Winkeln und schweren Querbalken von den Naturfreunden befestigt.

Tonhohlpfannen und Strohdocken

„Der nächste Schritt ist nun die Rückseite des Fachwerks mit Brettern zu schließen und das Dach mit Tonhohlpfannen und Strohdocken auf historische Art zu decken“, erklären Alfons Heuger und Hans-Jörg Klingebeil vom Naturfreunde-Team. Danach werden die einzelnen Fachwerkfenster mit unterschiedlichen Materialien wie zum Beispiel Bambusstängel, Strohhalme oder Lehmverfachung gefüllt. So findet jede Wildbienenart, passend zu ihrer jeweiligen Größe, den bevorzugten Nistplatz. In Deutschland gibt es über 500 Wildbienenarten, einige nur fünf Millimeter, andere bis zu drei Zentimeter klein. In den geschützten Röhren und Spalten der künstlichen Nistwand legen die solitär lebenden Wildbienen ab Frühjahr ihre Eier in separate Brutzellen ab. Die Wildbienen bauen keine eigenen Röhren, erstellen aber die Wände der Brutzellen aus Lehm und Speichel.

Obstbäume und Feuchtbiotop

„Die Tegelwiese mit offener Fläche, Obstbäumen und Feuchtbiotop in der Nähe ist ein guter Standort für unsere Wildbienen-Nistwand in deren Obergeschoss auch eine Nisthilfe für den Steinkauz eingebaut wird“, freut sich Hans-Jörg Klingebeil. Besonders wichtig für die Wildbienen seih die angrenzende, frisch ausgesäte Wildblumenwiese, die ab kommendem Frühsommer blühen wird und den Tieren Nahrung liefert. Im Rahmen der Landesgartenschau werden Wege im Gebiet angelegt und Informationstafeln aufgestellt. Der Natur- und Geopark Terra Vita betreut das Areal. Die Naturfreunde planen hierfür noch ein pfiffiges Extra: „Wir werden noch Holzmännchen aus einem Baumstamm bauen, verziert mit löchrigen Ornamenten, die für die Wildbienen ein zusätzliches Nistplatzangebot darstellen“.


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