FDP-Kandidat für den Bundestag Matthias Seestern-Pauly: Ein „Listenplatz mit Perspektive“

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Rückzugsort im heimischen Garten: FDP-Kandidat Matthias Seestern-Pauly setzt vor allem auf Bildung. Foto: Egmont SeilerRückzugsort im heimischen Garten: FDP-Kandidat Matthias Seestern-Pauly setzt vor allem auf Bildung. Foto: Egmont Seiler 

Bad Iburg. Mit seinen 33 Jahren ist Matthias Seestern-Pauly der Youngster unter den Bundestagskandidaten im Wahlkreis 38. Doch der Gymnasiallehrer ist alles andere als ein Neuling: Seit elf Jahren sitzt er für die FDP im Iburger Stadtrat, dies ist seine dritte Kandidatur für die Liberalen. Ein Hausbesuch.

Matthias Seestern-Pauly wartet vor der Haustür, die Klingel soll den kleinen Sohn nicht wecken. Es ist ein sonniger Nachmittag, Seestern-Pauly nimmt unter den Ästen eines alten Kirschbaums im Garten Platz, auf dem Tisch Orangensaft und frischer Kaffee. Vor etwas mehr als einem Jahr haben seine Frau und er das Haus gekauft, Anfang der Sechziger gebaut, zentral in Bad Iburg gelegen.

Ein Drittel seines Lebens im Stadtrat

Bad Iburg ist seine Stadt. Hier ist er aufgewachsen, hier ist er zur Schule gegangen, hier hat er seine politische Laufbahn begonnen. Seit elf Jahren – ein Drittel seines Lebens – sitzt Seestern-Pauly im Stadtrat, inzwischen als Fraktionsvorsitzender der Partei, die bei der letzten Kommunalwahl 30 Prozent der Stimmen eingefahren hat. „Die FDP als stärkste Kraft – ich weiß nicht, ob es das überhaupt irgendwo in Deutschland noch einmal gibt“, sagt er.

Mit 18 trat Seestern-Pauly den Jungen Liberalen bei, mit 19 der FDP, mit 22 war er Ratsherr. „Es hat mich immer gestört, wenn Leute sich nur beklagen, aber nichts ändern. Ich möchte selber Verantwortung übernehmen“, sagt er. Als Kommunalpolitiker habe man viel Gestaltungsfreiraum, könne tatsächlich etwas bewirken, auch im Konsens mit den anderen Parteien. Nebenbei ist Seestern-Pauly – sicher im Auftreten, klar in der Wortwahl – in der FDP aufgestiegen: Vorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion, Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes, Mitglied des Landesvorstandes der FDP Niedersachsen. Kommt jetzt, im dritten Anlauf, Berlin?

Neun bis zehn Prozent für die FDP?

„Ich habe einen Listenplatz mit Perspektive“, sagt Seestern-Pauly diplomatisch. „Das heißt, es ist nicht sicher, aber auch nicht abwegig.“ Er ist überzeugt, dass die FDP in den Bundestag zurückkehrt – „weil wir aus den Fehlern des letzten Wahlkampfes gelernt haben“, wie er sagt. Auf neun bis zehn Prozent müsse seine Partei kommen, damit auch er ein Mandat erhält – doch das sei schwer vorherzusagen. „Ich habe mein Leben jedenfalls nicht ausschließlich darauf ausgerichtet, im Herbst in den Bundestag einzuziehen“, sagt er augenzwinkernd, schließlich habe er ja einen guten Job als Lehrer, und im neuen Garten gebe es auch noch genug zu tun. Einen Sandkasten für den Junior zu bauen, etwa.

Überhaupt: Seine Familie, sein Beruf, sein Haus – es scheint, als fuße jedes seiner politischen Ziele auf seiner ganz persönlichen Lebenserfahrung. Als junger Familienvater kennt er die Betreuungsengpässe in Kitas oder die bürokratischen Hürden beim Hauskauf – ganz spezifische Sorgen seiner Generation. „Ich denke nicht, dass ich den anderen Kandidaten etwas voraushabe, weil ich jünger bin“, sagt er. Aber es sei wichtig, dass auch junge Abgeordnete in den Bundestag einziehen, schließlich solle er ein „Spiegelbild der Gesellschaft“ sein.

Bildung ist sein Thema

Vor allem zu Bildungsfragen hat der Lehrersohn, der an der Osnabrücker Ursulaschule Deutsch, Geschichte und Politik/Wirtschaft unterrichtet, klare Meinungen. „Ich bin überzeugt, dass der Bund perspektivisch deutlich mehr Mitspracherechte braucht“, sagt er, denn in der deutschen Bildungspolitik fehlten klare Standards. Insbesondere bei der Digitalisierung habe die Bundesrepublik Aufholbedarf: „Jedes Unternehmen von der Größe eines Gymnasiums hat einen IT-Mitarbeiter, aber um die Schulcomputer muss sich ein Lehrer ehrenamtlich kümmern“, beklagt der 33-Jährige. Er sieht Bildung als „Zukunftsthema“ – und will deshalb vor allem in Chancengleichheit investieren. „Für ein Land wie die Bundesrepublik ist es untragbar, neben der Tschechischen Republik unter den OECD-Staaten die größte Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu haben“, sagt er. Von der Krippe an müsse stärker in Bildung investiert werden, fordert er. Nur dann könnten Kinder eigene Entscheidungen fällen und „kritische, selbst urteilende Menschen werden“, sagt Seestern-Pauly – ein „Kernelement des Liberalismus“ eben.

„Kommunalpolitik nicht aufgeben“

Und wenn er in den Bundestag einzieht? „Ich habe nicht vor, die Kommunalpolitik aufzugeben“, sagt Seestern-Pauly bestimmt. Schließlich könne es durchaus sinnvoll sein, verschiedene Perspektiven zu behalten.

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