Bad Iburg sattelt drauf 30 neue Krippenplätze im Glaner Hof Boymann

Von Stefanie Adomeit


Bad Iburg. Kinder, Kinder: Die Bad Iburger sind fruchtbar. Das hat Konsequenzen, auch für die Stadt: Sie braucht mehr Krippenplätze. Die schnellste Lösung: 30 lütte Iburger zwischen Null und Zwei können bald durch das frühere Hofgartencafé in Glane toben und krabbeln.

Zum Ortstermin hatte der FDP-Kreistagsabgeordnete und Bundestagskandidat Matthias Seestern-Pauly seinen Parteikollegen Björn Försterling, Landtagsabgeordneter und bildungspolitischer Sprecher seiner Fraktion, und Bad Iburger Ratskollegen von CDU und WBG eingeladen.

Gebäude steht schon

In der Kirchstraße 1 in Glane steht der Fachwerkhof von Familie Boymann. Er wird – so schnell wie möglich – für zwei Ganztagskrippengruppen für insgesamt 30 Kinder umgebaut. Vorteil des Bestandsgebäudes: wesentlich niedrigere Kosten als bei einem Neubau bei einer hohen Betreuungsqualität.

Die WBG habe die gute Idee gehabt, die leere Immobilie neu zu nutzen, berichtete Seestern-Pauly. Das Haus hat einen großen Garten, einen Parkplatz, liegt nah an der Hauptstraße und trotzdem schön ruhig. Der Liberale sieht die Politik in der Pflicht: „ Wir können die Eltern nicht noch anderthalb Jahre vertrösten. Sie haben schließlich einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz.“ Ansonsten komme es nach Ablauf der Elternzeit zu persönlichen Notlagen.

Verlässlich und erfahren

Nachdem die Stadtverwaltung mit allen möglichen Betreibern gesprochen hat, kristallisierte sich „Charly‘s Kinderparadies“ als Favorit heraus. Das Unternehmen unterhält Krippen und Kitas in Bad Essen, Melle und Osnabrück und habe sich als erfahren und verlässlich erwiesen. Für die Krippe in Bad Iburg wird es eine eigene gemeinnützige GmbH gründen. Die Beschlüsse hat der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung gefasst.

Das Land bezuschusst jede neue Krippengruppe mit 180000 Euro, für zwei Ganztagsgruppen gibt es 360000 Euro. Die Verwaltung rechnet mit Kosten von 800000 Euro. „Die Förderanträge haben wir schon gestellt“, sagt Bürgermeisterin Annette Niermann auf Anfrage unserer Redaktion. Der vorzeitige Baubeginn sei durch.

Lernwerkstatt für die Kinder

„So haben wir noch vor den Beratungen über den Nachtragshaushalt Planungssicherheit“, lobte Christian Averdiek (CDU) im Garten des Hofs Boymann den kurzen Prozess. „Das war die schnellste und günstigste Lösung.“

Diese Lösung hat 325 Quadratmeter Grundfläche, eine Orangerie und einen großzügigen Garten. Geplant sind Umkleiden für die Kinder, für die Mitarbeiter, ein Flur mit Elterncafé, zwei Gruppenräume mit je einem Ruheraum, ein Wickelraum, ein Essbereich und Sanitärräume.

Noch nicht genug

Die Orangerie wird geteilt in ein Büro samt Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter, in dem auch Elterngespräche stattfinden können, und in eine Lernwerkstatt für die Kinder. „Das ist ein sehr großzügiges Raumangebot“, waren sich die Ratsmitglieder vor Ort einig.

Die Geschäftsführer von „Charly‘s Kinderparadies“, Heinrich Mackensen und Tim Ellmer, hoffen, die ersten Jung-Iburger schon im Herbst in der neuen Krippe empfangen zu können.

Aber auch mit den zwei neuen Gruppen wird es nicht genug sein. Das ist den Bad Iburger Kommunalpolitikern klar.


Krippenbetreuung immer beliebter

Während die Zahl der Geburten steigt, nimmt die der Tageseltern ab. Bad Iburg braucht daher mindestens zwei neue Krippengruppen, um den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung zu erfüllen. Für die unter Dreijährigen gibt es in Bad Iburg aktuell drei Krippen mit insgesamt 45 Plätzen, je 15 in den Kindergärten St. Nikolaus, DRK-Kneippzwerge und St. Franziskus. Hinzu kommen zwei altersgemischte Gruppen, in denen jeweils bis zu vier Kinder unter drei betreut werden können. In der Tagespflege waren im letzten Jahr noch 31 Tagespflegepersonen tätig, 21 in Bad Iburg und zehn auswärtige. Ihre Zahl nimmt ab. Konsequenz: Zum neuen Kindergartenjahr gibt es nur noch 28 Pflegepersonen.