Allgäuer Planer über Teuto-Bäume Was das Eichhörnchen sieht: Der Iburger Baumwipfelpfad

Von Stefanie Adomeit


Bad Iburg. Ist schon was im Busch? Nein, vom Wanderweg auf Stelzen ist im Bad Iburger Waldkurpark noch nichts zu sehen. Aber er kommt. Auge in Auge mit Eichhörnchen, Schwarzspecht und Hirschkäfer soll der Wechsel der Perspektive den Horizont erweitern. Das zieht: Immer mehr Menschen sehen sich in 25 Metern Höhe auf dem Holzweg.

Der Baumwipfelweg soll Hauptattraktion der Landesgartenschau und pünktlich zur Eröffnung am 17. April 2018 fertig werden. Planungsrechtlich ist alles geklärt, das „Go“ des Aufsichtsrats der Laga-Gesellschaft ist Formsache, die Finanzierung des 5-Millionen-Projekts gesichert. 2 Millionen Euro steuert Europa aus Mitteln des Fonds für regionale Entwicklung zu dem touristischen Infrastrukturprojekt bei. 3 Millionen Euro werden kreditfinanziert, erläutert Laga-Geschäftsführerin Ursula Stecker im Schatten des Waldkurparks .

Bad Iburgs Lage zwischen den Niederlanden, Bremen, Hannover und dem Ruhrgebiet und die Nähe des Baumwipfelpfades zur Innenstadt machen sie sicher: „Das wird sich rechnen.“ Denn der Luftwanderweg bleibt Bad Iburg und dem Osnabrücker Land erhalten, auch nach der Laga.

Seine Dimensionen sind beachtlich. 32 Meter hoch ist der Einstiegsturm – mit Aufzug für die Barrierefreiheit. Der 440 Meter lange Wipfelweg schlängelt sich vom Spielplatz neben dem Forsthaus-Parkplatz in zehn bis 28 Metern Höhe an 630 kartierten Bäumen entlang.

Auch die sind alles andere als gewöhnlich: Einige sind 250 Jahre alt, die mächtigsten 1,10 Meter dick. Dabei: Kirsche, Buche, Eiche, Tanne, Ahorn, Esche, Fichte und Kiefer, das Repertoire des Teutoburger Waldes. Alte Laubbäume mit eindrucksvollen Dimensionen und Nadelholzinseln mit starken Einzelbäumen ergeben ein schönes und wertvolles Waldbild. „Die Vielfalt ist einzigartig“, finden auch die Planer Werner Wechsel und Stefan Knödler aus dem Allgäu.

Diese Vielfalt schätzen Tiere und Pflanzen. Allein fünf Fledermausarten leben, fressen und nisten hier. Schwarzspecht, Rehe, Hohltaube, Hirschkäfer, Holzhornissen, Waldkauz und Uhu wohnen in und unter den Wipfeln. Einblicke in ihr Leben werden Infotafeln mit interaktiven Mitmachstationen geben.

Wie kam‘s zur Zusammenarbeit der Allgäuer mit den Teutoburgern? „Wir haben durch einen Artikel in der NOZ von den Plänen der Iburger erfahren, etwas Besonderes im Wald bauen zu wollen und gefragt: Braucht ihr Unterstützung?“ Das Hochkant-Team wurde eingeladen, sich anzuschauen, was im Waldkurpark möglich ist. Ergebnis: der Baumwipfelweg: „Der Standort ist ideal“, sagt Wechsel, Chef von 16 Mitarbeitern, die auf Erlebniswelten, Seilgärten, Baumhäuser, Kletteranlagen, Abenteuer-Spielwelten - und eben Baumwipfelpfade spezialisiert sind. „Der Pfad über den Teich macht schon was her“, finden Knödler und Wechsel, die schon den 1000 Meter langen Wipfelpfad in Bad Harzburg und den Allgäuer „Skywalk“ bauten.

Das Besondere ist die Iburger Topographie, die auch eine Fernsicht zulässt. Vom Startpunkt des Baumwipfelweges reicht der Blick bis zum Schloss, der einzigen Höhenburg der Region. Sie steht dem Berg, von dem ihre Bausteine stammen, genau gegenüber. Bischof Benno II. hatte die Brocken vor 1000 Jahren aus dem Fels schlagen lassen.

Von der Aussichtsplattform führt der Baumwipfelweg in den tiefen grünen Wald: Er führt vom Ausblick zum Einblick.

Wie die Axt im Walde wollen die Planer bei ihrer Arbeit nicht vorgehen – auch wenn es ohne Beil nicht geht. Die Konstruktion aus Stahlstützen mit einer Holzverkleidung soll kein Fremdkörper zwischen den Bäumen sein, sondern sich schonend einfügen. Damit die Iburger und ihre Gäste in einem Jahr gerne auf dem Holzweg unterwegs sind.


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