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Rechnungsbuch von Schuster Hotfilter entdeckt: Einmal Absätze – Und bitte anschreiben Verein macht Steinsches Haus zum Haus der Iburger Geschichte


Bad Iburg. Das waren noch Zeiten! Wer die neuen Absätze an den Sonntagsschuhen für den Kirchgang nicht gleich bezahlen konnte, der ließ bei Schuster Hotfilter in der Rathausstraße einfach anschreiben. Und wenn die Schuhreparatur dann beglichen war, strich Hotfilter eine Zeile in seinem Anschreibebuch mit dickem Bleistift durch. Erledigt.

Heute ist dieses kleine Büchlein von 1886 eines der ersten Dokumente, die im neuen Haus der Iburger Geschichte einen Platz finden. Denn das Stein’sche Haus gehört seit dem vergangenen Jahr dem Verein für Orts- und Heimatkunde Bad Iburg. Dieser baut eines der letzten fast im Original erhaltenen Iburger Fachwerk-Handwerkerhäuser aus dem Jahr 1850 zu einem Zentrum der Iburger Kulturgeschichte aus.

Das Haus soll Bürgern, Besuchern und Kurgästen offen stehen. Die Vereinsmitglieder bieten eine fachkundige Beratung. Ortshistorische und allgemeine geschichtliche Texte, Darstellungen von Iburger Persönlichkeiten, Dokumente zur Wirtschaftsgeschichte und der seiner Handwerker und Kaufleute und die Verflechtungen von Schloss und Kloster Iburg sollen hier gesammelt werden. Dazu Lexika, Fotos, Filme, Bilder und Stiche, Familiennachlässe, Dokumente zur Schul- und Verkehrsgeschichte.

Was sonst jede Familie für sich in Kommoden, Kellern und auf Dachböden lagert, kann, wenn gewünscht, auch im Haus der Geschichte bewahrt und genutzt werden. Dafür werden Archiv-, Lese-, Vortrags- und Computerarbeitsräume eingerichtet – und das alles auf zwei mal 40 Quadratmetern.

Dabei haben die Vereinsmitglieder um den Vorsitzenden Volker Paul und zweiten Vorsitzenden Horst Grebing darauf geachtet, dass die historischen Elemente des Hauses so weit wie möglich erhalten bleiben.

„Wir wussten nicht, dass wir in ein Fachwerkhaus einziehen“, berichten beide. „Alles war verputzt. Erst im Laufe der Arbeiten an der Außenfassade kamen das alte Eichenfachwerk und der Sandsteinsockel zum Vorschein.“

Aber das Haus hielt auch weniger angenehme Überraschungen parat: „Der Dachboden war in einem katastrophalen Zustand“, erzählt Paul. Statt durch solide Bretter war der Boden durch mehrere Lagen Teppiche befestigt. Dafür tauchte hier eine Heiligenfigur auf, die zwar einen Daumen verloren hatte, aber dank einer guten Portion Klebstoff wieder alle fünf Finger besitzt.

Wenig deutet heute noch darauf hin, dass der Ursprung des Hauses in einem eingeschossigen Bau mit Dielentür liegt, rechts wohnte das Vieh, links in zwei Kammern die Familie. Darüber lagerte das Stroh. Das Obergeschoss wurde erst vor 102 Jahren auf das Häuschen aufgesetzt, dem hinten eine meterhohe Befestigungsmauer und links das Nachbarhaus in einem Meter Abstand das Licht rauben. Dafür hat man vom Dachboden aus einen herrlichen Blick auf das idyllische ehemalige Haus des Rentmeisters.

Weil vor 40 Jahren das Eichenkreuz der Kellerdecke einbrach, liegt das Erdgeschoss auf unterschiedlichen Niveaus. „Wir möchten so viel Historisches bewahren wie nur möglich“, sagen Volker Paul und Albert Grebing.

Dafür haben nicht nur zahlreiche heimische Handwerker gesorgt. In 740 Stunden haben 18 Helfer des Vereins die Räume mitgestaltet – und werden in den kommenden Monaten weiter mit anfassen, um das Haus fertigzustellen und auszustatten. Finanzielle Schützenhilfe gab es aus der Vereinskasse, von Mitgliedern und Fördergremien wie der Sparkassen-Stiftung.

Das Stein’sche Haus ist schon jetzt zum Anziehungspunkt geworden, das Interesse, einen Blick hineinzuwerfen, groß.

Deshalb wird es zum Bennofest am 21. und 22. Mai jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Im Besucherraum sind historische Fotos zu sehen.


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