Zurück in die Vergangenheit Vor fünf Jahrzehnten wurde Iburg zum Heilbad

Von Michael Diederich



midi Bad Iburg. Das Kurorchester Schermaul spielte auf, Stadtdechant Dalsing und Pastor Schulze spendeten den Segen, dann trat Bürgermeister Herinrich Schowe an das Rednerpult und verkündete: „Wir haben gebaut ein stattlich Haus!“ Vor fünf Jahrzehnten, am Freitag, 19. Mai 1967, hatte die Stadt Bad Iburg gleich zwei Gründe zu feiern: Das Kurhaus wurde eingeweiht und die staatliche Anerkennung als Heilbad verliehen. 50 Jahre später ist klar: Beides war nicht von Dauer.

Davon allerdings ahnte die illustere Gästeschar damals noch nichts. Und auch der Reporter nicht: „Dank und Anerkennung wurden in mannigfacher Weise ausgesprochen, der Mut des Rates fand die verdiente Würdigung. Ganz besonders für Stadtdirektor Josef Hunke, der als unerschrockener Initiator und Mühewalter bezeichnet wurde, war der Einweihungstag ein stolzes Ereignis. Mehrfach schallte herzlicher Beifall für ihn durch den erstmals voll besetzten Kurhaussaal.“ Zumindest fast voll besetzt: Denn die Minister der Landesregierung hatten sich ob einer kurzfristig angesetzten Kabinettssitzung entschuldigen lassen. Und verpassten so den denkwürdigen Moment, als Hunke „die goldene Ehrennadel des Deutschen Kneipp-Bundes angeheftet wurde.“

Ein langer Weg

Bis zu dieser Feier war es ein langer Weg gewesen: 1920 wurde das heutige Bad Iburg zum Luftkurort. 1939 eröffnete dann die junge Ärztin Elisabeth Bremer im Hause Dütemeyer in Bad Iburg eine Praxis, in der sie ihre Patienten mit einem Naturheilverfahren der Kneippschen Lehre behandelte. Im Garten war ein Wassertretbecken im Kleinformat. Sie erweiterte ihre Kneipp-Kuren und behandelte auch Patienten am dortigen Krankenhaus. 1951/1952 baute Bremer ein eigenes Sanatorium, da das Interesse an Kneipp-Kuren weiter anstieg. Für Iburg bot sich eine Chance: Die landschaftlich reizvolle Lage in den Bergen fand ihren Zulauf an Erholungssuchenden. Bei dem Festakt im Mai 1967 bedankte sich Bremer im Namen der Ärzte und Sanatorien dann für das „Geschenk“ Kurhaus. Dem konnte selbst Stadtdirektor Hunke nur wenig hinzufügen: „Wir sind nicht nur zufrieden, sondern auch stolz!“ Der „denkwürdige Tag“ endete mit Besichtigung, kaltem Büffet und Festball.

Ein bisschen Langeweile

Sechs Jahre später machte sich eine andere Reporterin auf den Weg nach Bad Iburg. Die Bilanz war - nennen wir es mal „ernüchternd“: „Wofür wird hier eigentlich Kurtaxe erhoben? Für die paar Wassertretstellen im Wald?“ zitiert Birgit Krause in einer ganzseitigen mit Bildern von leeren Stühlen und einem verwaisten Kurpark garnierten Reportage einen Gast. Ihr Fazit: „Auch schöne Umgebung kann über die Langeweile nicht hinwegtäuschen.“ Dann geht sie ins Detail: „Man hat zwar ein schönes altes Gasthaus, aber keinen Kellner dafür; man hat zwar eine moderne Konzertmuschel, aber kein Geld sie auszunutzen. Und deshalb hat man auch einen hübschen Kurpark, aber keine Besucher.“

Strukturwandel

Wenn es nur das gewesen wäre: Beim Festakt zum 25. Jubiläum des Kneipp- und Heilbades Iburg erinnerte Bürgermeister Hermann Tovar an die „Schwierigkeiten der Jahre 1975 und 1976.“ Damals wurde dem Kneipp-Heilbad die Belegung durch die Sozialversicherungsträger entzogen. Der Strukturwandel in allen deutschen Heilbädern habe „auch in unserer Stadt tiefe Spuren hinterlassen“, blickte Tovar auf schwere Zeiten zurück. Trotzdem: Der Kurort habe an Format gewonnen und eine Ausstrahlung, die weit über die Grenzen der Stadt hinausgehe, zollte Landrat Josef Tegeler den Iburgern Respekt. Und brachte es auf eine schlichte Formel: „Glückliches Bad Iburg.“

Das Glück mag von Dauer gewesen sein, das 1967 so gefeierte Kurhaus allerdings nicht: 2010 rückten die Abrissbagger an. Schon 2001 wurde die Wandelhalle des Kurhauses abgerissen, 2002 musste dann die Konzertmuschel aus dem Kurpark weg.

In Zukunft eine Hansestadt?

Trotz dieser Widernisse: Bad Iburg ging und geht seinen Weg als engagierter Kneipp-Kurort weiter. Und setzt dabei weiterhin auf eine „nachhaltige touristische Positionierung.“ Die jüngste Idee dazu: die Bezeichnung „Hansestadt“. Damit, so der Plan, soll der Tourismusstandort Bad Iburg langfristig gestärkt werden. In verschiedenen Gesprächen mit Städten, denen kürzlich der Beiname „Hansestadt“ verliehen worden sei, so die Verwaltung, werde durchweg über steigende Übernachtungs- und Besucherzahlen sowie positive Imageeffekte für die Städte berichtet. So könne der Beiname „Hansestadt“ also die zukünftige Ausrichtung der Stadt Bad Iburg als „historische Destination“ stärken. Die Entscheidung, ob der Beiname beantragt werden soll, fällt am 18. Mai im Rat, fast genau 50 Jahre nach der Verleihung des Heilbad-Status.

Laga 2018

Hansestadt hin, „historische Destination“ her: Im kommenden Jahr ist erst mal Laga. Kein „Geschenk“, wie Bremer damals den Bau des Kurhauses umschrieb, sondern hart erarbeitet und am Ende per Entscheid von den Bürgern erstritten. Gut möglich, dass einige der dazu geplanten Einrichtungen mehr als fünf Jahrzehnte überdauern. Und vielleicht kann Bürgermeisterin Annette Niermann zur Laga-Eröffnung die Worte ihres Vorgängers Hunke von 1967 zitieren: „Wir sind nicht nur zufrieden, sondern auch stolz!“

Am Freitag, 19. Mai, wird das Jubiläum „50 Jahre Bad“ gewürdigt. In Ermangelung eines Kurhauses im Stadthaus mit einem Kneipp-Frühstück ...


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