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Kommt der Tunnel? Bad Iburger Ortsumgehung wird wahrscheinlicher

Von Sebastian Philipp

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sph/sta/swa Bad Iburg. Berliner Entscheidung mit Auswirkungen auf Bad Iburg: Am Freitag ist im Deutschen Bundestag mit den Stimmen von CDU und SPD der Bundesverkehrswegeplan angenommen worden. Die Bad Iburger Ortsumgehung ist darin mit dem Attribut „Vordringlicher Bedarf“ gekennzeichnet.

Überraschend ist die Meldung freilich nicht. Bereits im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP), der im Frühjahr 2016 erschien, tauchte die Neubautrasse in der Kategorie „VB“ auf. „Das Projekt ist aufgrund des hohen Nutzen-Kosten-Verhältnisses vordringlich“, heißt es in dem seitenstarken Werk. Der Plan: Bis zum Jahr 2030 soll die Ortsumgehung fertig oder zumindest begonnen sein. Im BVWP sind Investitionskosten von 57,2 Millionen Euro vorgesehen.

Sieben Kilometer lange Ortsumgehung

Konkret ist eine rund sieben Kilometer lange Umgehung des Bad Iburger Ortskerns geplant, die auf bis zu 38 Metern Breite grob gesagt von Brockmeyers Weg quer durch den Freden bis zur Borgloher Straße führt. Für den Bund hat die Umgehung so hohe Bedeutung, weil die Ortsdurchfahrt Mängel aufweise. Die Unfallzahl sei zu hoch, ebenso die Belastung durch Abgase und Lärm. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis ist mit der Zahl 7,5 im BVWP vergleichsweise hoch angegeben, was in der Regel für eine tatsächliche Realisierung spricht. Gut 26 Hektar Land verbraucht die neue Straße, die auch durch Ackerland, Waldflächen und FFH-Gebiet verläuft.

Umstrittenes Tunnelprojekt

Die Ortsumgehung hat in den vergangenen Monaten in Bad Iburg für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Im Fokus stand dabei auch der umstrittene Bau eines Tunnels durch den Freden. Im April 2016 hatte sich der Iburger Rat gegen das Bauvorhaben ausgesprochen. Ein entsprechender Antrag der Grünen wurde damals mit zwölf Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und acht Enthaltungen angenommen. Bürgermeisterin Annette Niermann schlug sich ebenfalls auf die Seite der Gegner. Und hinter dem Ratsbeschluss steht sie auch heute noch. „Wir müssen abwarten, wie sich das Planfeststellungsverfahren entwickelt“, sagte sie am Freitag auf NOZ-Anfrage. Sie rechnet mit Klagen gegen die Trassenführung. Annette Niermann: „Es gibt eine starke Initiative dagegen in Bad Iburg. Und viele Bürger tragen die Initiative mit. Wir werden die nächsten Schritte sehr aufmerksam verfolgen, um jede sich uns bietende Möglichkeit zur Umsetzung des bestehenden Ratsbeschlusses zu nutzen.“

Die Bürgerinitiative hatte innerhalb von zwei Wochen nach ihrer Gründung im Frühjahr 1500 Unterschriften gegen den Plan gesammelt und später die sieben Kilometer lange Strecke durch das landwirtschaftlich geprägte Glane und das Naturschutzgebiet Freden ausgeflaggt. Auf Plakaten machte die Initiative deutlich, was die Umgehungsstraße für Menschen und Landschaft bedeuten würde: „Die Ruhe vor dem Sturm“, „Verstecken hilft nicht“ und „Tschüss Lerchensporn“.

Ziel verfehlt

Mit dem jetzt verabschiedeten BVWP haben die Gegner der Umgehung ihr erklärtes Ziel verfehlt: „Wir möchten, dass die Trasse aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen wird“, hatte der Vorstand im Mai erklärt, auch deshalb, weil der Löwenanteil des Verkehrs auf der Bundesstraße 51 in Bad Iburg hausgemacht sei.


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