Weihnachten in der Schultasche Rumänienhilfe füllte Lkw mit Taschen und Kartons

Von Petra Ropers

1000 liebevoll befüllte Taschen warteten vor dem Haus der Familie Schulz auf ihren Abtransport. Weitere Kartons und Säcke wurden aus dem Lager der Rumänienhilfe verladen. Foto: Petra Ropers1000 liebevoll befüllte Taschen warteten vor dem Haus der Familie Schulz auf ihren Abtransport. Weitere Kartons und Säcke wurden aus dem Lager der Rumänienhilfe verladen. Foto: Petra Ropers

Bad Iburg. Heilig Abend im Lichterglanz mit Geschenken unter dem Baum und einem festlich gedeckten Tisch, der sich unter den Leckereien biegt? Allzu viele Kinder in Rumänien können davon nur träumen. Dringend benötigte Hilfe und ein wenig Freude zum Fest rollt deshalb derzeit aus Bad Iburg nach Südosten.

„Weihnachten in der Schultasche“ lautet das ungewöhnliche Motto, unter dem die Rumänienhilfe Bad Iburg in den vergangenen Monaten Schul-, Sport- und Reisetaschen sammelte. Kinder trennten sich von ihren alten Tornistern, Jugendliche von ihren Sporttaschen. „Wir haben jeden Flohmarkt in der Region abgeklappert“, berichtet Regina Schulz, in deren Haus und Garage sich schließlich 800 Schul- und 200 Reisetaschen stapelten.

Persönlich bei der Verteilung dabei

Liebevoll gefüllt mit kleinen Geschenken, selbst gestrickten Mützen und Handschuhen, Hygieneartikeln und – damit sich die ganze Familie mitfreuen kann – jeweils einem Glas Nuss-Nugat-Creme wanderten die Schultaschen am Freitag in einen Lkw von Caritas und Rumänienhilfe am St. Clemens-Hospital in Oberhausen. Regina Schulz und ihr Mann Rainer werden persönlich dabei sein, wenn der Geistliche vor Ort in der rumänischen Stadt Ciacova die Hilfsgüter verteilt. ( Weiterlesen: Rumänienhilfe Bad Iburg: „Wir machen weiter“ )

Bereits vor zwei Jahren reisten sie in die bitterarme Region. Und die Eindrücke, mit denen sie dort konfrontiert wurden, lassen Regina Schulz bis heute nicht los. Das ungläubige Staunen in den Augen der Kinder und ihre Freude wiegt für sie und ihre Mitstreiter Josefa Arndt, Heidi Heuer, Gisela Thörner und Gunter Felten die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit mehr als auf. Maßgeblich unterstützt werden sie in ihrem Engagement vom Kleiderladen in Bad Iburg.

Hilfe aus der ganzen Region

Aber auch die Kleiderläden in Bad Laer, Bad Rothenfelde, Georgsmarienhütte und Lienen tragen immer wieder zur Hilfe für Rumänien bei. Warme Bekleidung hat dabei gerade jetzt zur Winterzeit oberste Priorität. Unzählige Säcke und Kartons füllten sich deshalb in den vergangenen Monaten im Lager der Rumänienhilfe im ehemaligen Wohnheim des Hauses Kassen und sind nun unterwegs an den Ort ihrer Bestimmung. ( Weiterlesen: Rund 1000 Weihnachtspakete aus Bad Iburg )

Aufgeladen wurden auf den Lkw auch 200 Reisetaschen, in denen sich neben Hygieneartikeln unter anderem warme Winterjacken befanden. Sie kommen straffällig gewordenen Jugendlichen ab 14 Jahren in einem Resozialisierungszentrum in Buzias zugute. „Die meisten haben aus purer Not gehandelt“, weiß Regina Schulz, die selbst das Zentrum besuchte und die desolaten Verhältnisse vor Ort sah. Umgerechnet nur 1,10 Euro müssen ausreichen, um einen jungen Insassen einen ganzen Tag lang zu verpflegen.

Desolate Verhältnisse im Krankenhaus

Eine Geldspende in Höhe insgesamt 1200 Euro kam den Aktiven aus Bad Iburg deshalb mehr als gelegen: Sie kaufen vor Ort in Rumänien für die Hälfte dieser Summe Wurst für die Jugendlichen im Zentrum. Die andere Hälfte kommt einem Krankenhaus für Lungenpatienten zugute. Die Bilder, die Regina Schulz von dort mitbrachte, ließen bereits vor zwei Jahren an einen Abrissbagger denken: Die Zimmer sind marode, die Küche kaum existent. Und die Heizung läuft maximal eine Stunde am Tag. „Damals waren dort 80 Patienten untergebracht. Heute sind es 200, und es hat sich nichts getan.“ ( Weiterlesen: Realschule Bad Iburg beschenkt Kinder in Rumänien )

Hilfe für das Krankenhaus kommt nun auch vom Hilteraner Unternehmen Prolabor, das neben 50 Rucksäcken für „Weihnachten in der Schultasche“ auch medizinisches Zubehör im Gesamtwert von 5000 Euro zur Verfügung stellte. „Natürlich ist das alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, weiß Regina Schulz. Doch sie und ihre Mitstreiter können und wollen vor der Not nicht ihre Augen verschließen. Ihr aufrichtiger Dank gilt deshalb allen, die mit ihren finanziellen oder materiellen Spenden die Hilfe erst ermöglichen. ( Weiterlesen: Medizinisches Material aus Hilter nach Kaliningrad )


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